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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 112 (sequence 22)
Language
German
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Auf der anderen Seite nenne ich! den K. C. die einzige politische Verbindung jener Zeit; hier klafft für manchen ein scheinbarer' Widerspruch, ist doch unser einziges politisches Ziel die Bekänrpfung des Antisemitismus. Wenn diese aber äusreichen soll, uns zur politischen Verbindung zu stempeln, müßte dann nicht auch die Korporation, gegen die sich dieser Kampf richtet, als politisch^ angesprochen werden? Nein, denn während uns dieser Kampf wesentlicher Zweck der Korporation ist, war er in jener Zeit für die anderen Verbände eine selbstverständliche Mode -oder gar Laune, der ein zielbewußtes Vorgehen zu einem gewissen festen Zweck fehlte, der doch rrotwendige Voraussetzung jeder Politik ist. Namentlich aber war es kein Wesensmerkmal dieser Verbände. Den Antisemitismus dazu zu machen, war denen Vorbehalten, die behaupten, nur das vaterländische Interesse bei allein Reden und Tun im Auge zu haben, und die dies in der heutigen Zeit nicht besser beweisen zu können glauben, als durch! grundsätzliche Gegnerschaft zu allem Gegenwärtigen, die nur eines von Ihren größeren Ahnen übernommen haben: den Radikalismus. Der andere Vorwurf, den man uns gerade aus der Isoliertheit als einzige farbentragende politische Korporation gemacht hat, ist die Stempelung der politischen Korporation als eine solche zweiten Ranges. Abgesehen davon, daß man damit auch! denen einen Vorwurf macht, denen ihr schwarz-rvt-goldnes Band weit mehr war als ein Abzeicheneines wie auch immer gearteten Vereins, ist es stets das Wesensmerkmal der deutschen Korporation gewesen, neben einer gewissen inneren Zielsetzung, einer Tendenz, die allerdings vor dem Kriege in den meisten Verbänden stark zurückgetreten war, eine Weltanschauungs- und Lebensgemeinschäst darzustellen, eine Schule der Persönlichkeit. Erziehung des Geistes und des Körpers, Zielbewußtsein, Selbstaufopferung, Ehrenhaftigkeit im Denken und im Handeln, treue Kameradschaft zu wecken und zu pflegen,' das sind die Ziels der deutschen Verbindungen gewesen, die sie alle miteinander geinein hatten. Nur daß der K. C. sich in diesen Aufgaben nicht erschöpft, daß er außerdem eine politisch gerichtete Tendenz verfolgt, das stempelt seine Korporationen zu politischen Verbindungen. Kein weniger, sondern ein mehr gegenüber den anderen. Um weitgehende Erziehungsmacht der Korporation willen 'ist aber die Form ihres politischen Zieles von hervorragender Bedeutung für den Staat. Weil die politische Einheitsfront der Studentenschaft in den.48 er Jahren ihre staatspolitischen Folgen gehabt hat, verdient auch die gegenwärtige Lage mehr gewürdigt zu werden, als dies meist geschieht. In das gleichförmige geruhsame Leben des Studenten der Vorkriegszeit, an den bis müf die politischen Verbände, die großen Fragen des Tages nur nebensächlich herantraten, trat das gewaltige Ereignis des Weltkrieges. Freudig wurde es von der Studentenschaft aller Kreise begrüßt, die in dem ersten Tcunnel der Begeisterung nur die.Gelegenheit erfteute, beweisen zu können, was sie gar oft gesagt und geftmgen: „wäre es auch' zum letzten Gang, Burschen heraus!" Damals schien es, als ob wieder eine Zeit gekommen wäre, in der die Kastengrenzen gemeinsam mit den Grenzen der Parteien fallen würden. Gemeinsame Hingabe an ein Ziel, Möglichkeit der Einfühlung in andere Bolkskreise, versprachen für die Zukunft die innere Einheit des Volkes. Warum es anders kam, das zu prüfen-, würde hier in der Untersuchung zu. weit führen. Student und Handarbeiter haben seit jenen Tagen ihre geistige Einstellung gewaltig geändert. Als die Staatsform durch die Ereignisse des November 1918 verändert würden war, schien es, als wenn die alten studentischen Sitten und Formen nie wieder auferstehen würden und die Studentenschaft sich neue Gemeinschaftskörper bilden würde; aber doch haben die alten Gewohnheiten sich wieder durchgesetzt, nur daß ein neuer Strom nach oben drängte. Neben den alten Verbindungen erwuchsen freideutsche Gemeinschaften, aufbauend auf gleichen Idealen aber in anderen Formen. Daneben entstanden, bedingt durch die Politisierung des gesamten Lebens politische Vereine, die bis dahin auf der Universität niemals hatten Boden fassen können. Die geistige Einstellung der Studentenschaft aber hatte sich trotz der gleichen Formen gewaltig verschoben. Wieder war der Student in eine Kampfstellung geraten. Diesmal aber in eine doppelte. Während die vergangenen Zeiten immer die 'Gegensätzlichkeit zum Staat oder die zur Masse des Volkes ausgezeichnet hatte, treten jetzt zum ersten Male beide gleichzeitig in voller Schärfe hervor. Keine Frage ist so geeignet den Radikalismus der Jugend zu offenbaren, wie gerade die Nationale und so finden wir den Stirdenten in beiden Partei-Extremen in seinem Kampf heute den Ausgangspunkt im nationalen suchend, es ablehnend oder übertreibend. Diese politische Stellungnahme wirkt auf die gesamte studentische Politik, die mm nicht mehr wie früher ganz oder wesentlich auf der Korporation ruht. Schon vor dem Kriege begann langsam neben den Korporationen die Freistuüentenschäft ihren Einfluß durchzusetzen. Wer obwohl sie in ihren Organisationen in die Studentenausschüsse eindrang, blieben die Wahlkörper doch immer die Verbindungen und Vereine. Wer sich außerhalb dieser Organisationen stellte, hatte keinen Anteil

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