KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 110 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Erörterungen ist also im Abstimmungsergebnis jiamti %u erblicken. Ob das ein wünschenswerter -Zustand ist, mag die Zukunst entscheiden. .Trotzdem kann-unsere Aussprache von großer, für die Zu- - tunst sogar von entscheidender Bedeutung sein. /Sie kann nämlich in viel -höherem Maße> als dies bisher geschehen, der Urteilsbildung unserer Jugerrd Lm K. C. dienen. Und damit komme ich' auf einen Punkt, von entscheidender Bedeutung. . Durch meine zahlreichen, wenn auch nur kurzen .Besuche bei unseren Verbindungen lernte ich viele Anschauungen über wesentliche Fragen unseres SÄbst kennen, die natürlich am Ende zu den verschiedensten Ergebnissen führten. Das ist verständlich. Aber eine Voraussetzung scheint mir dabei nur selten gegeben zu sein: Die Gew i ss enh a ft i gteil der Urteilsbildung. Man bittet um Begründrmg der vorgetragenen Anschauungen und muß zu seinem Erstaunen ein vielfach bedauerliches Maß von Plätschern an der Oberfläche feststellen. Die TatsaHensammlung ist meist gänzlichungenügend. Bevor ich frage „Was soll sein?", muß ich doch zunächst fragen „Was ist?". Und da muß ich' allerdings manchen bedauerlichen Fehlbetrag in meiner Rechnung feststellen. Selbstverständlich ist mir die Achtung vor jeder persönlichen Überzeugung, und wenn sie der meinen noch so entgegengesetzt ist. Aber nur dann kann ich den gebildeten Mann ehren und schätzen, wenn ich weiß, er urteilt nicht vorschnell, ein Urteil ist ihn: Gewissenssache. Es wird viel zu viel gesprochen und viel zu wenig gedacht. Jünger des Geistes müssen die geistige Kraft aufbringen, ihre Entscheidungen innerlich auf das letzte nach'zuprüfen. Ich soll abstimmen z. B. über einen Antrag, der die Beftimmungsmensur im K. C. einführt. Ich bin ein Schädling, wenn ich nur frage, was ich! „möchte". Ich'habe nur ein Postulat als Dogma aufzustellen :Die Wahrung unsere Ehre als jüdi sche Deutsche. Ich muß demnach prüfen: Was lehrt die Geschichte des Judentums in kultureller Beziehung, was lehrt sie in bezug auf Assimilation, was lehrt die Geschichte unserer eigenen Verbindungsvergangenheit, wie denken die Zeitgenossen im allgemeinen über Bestimmungsmensuren, was soll unsere nähere, was unsere weitere Zukunft sein? Welche Gesichtspunkte sind „v e r st a n d e s b e t o n t", welche „wunschbetont"? In solcher Prüfung offenbart sich die Schwere der eigenen Entscheidung und die Notwendigkeit der Achtung vor dem die Wahrheit ernsthaft suchenden Andersdenkenden. Das ist hier an einem Beispiele von schließlich nur nebensächlicher Bedeutung erörtert worden. Man denke Aber an die großen Entscheidungen, die ein jeder von uns am heutigen Tage fällen soll-. Wie viele sagen: Zionisten müssen heraus! oder: Wir sind nicht intolerant, mögen sie bleiben! Ist der Begriff „Zionist" heute wirklich noch, eindeutig, hat sich seit Herzl nicht eine ungeheure Wandlung vollzogen? Oder, was bedeutet „Toleranz", inwiefern kann eine Bewegung mit positiv gebundener Weltanschauung „tolermrt" sein? Sind diese Fragen so einfach? Wir sind zwar im K. C. nicht so stark gebunden, wie andere akademische Organisationen; das K.J. B. ist ein Konvikt gegen unsere geistigen Paläste. Aber auch wir müssen einmal sagen: Bis hierher und nicht weiter. Wo jedoch steht das hierher? Respicite finem! Wir lesen Fichtes jetzt so oft berufenene achte Rede an die deutsche Nation, wir lesen Bubers geistvolle Reden über das Judentum. Ein jeder muß beide kennen. Aber wie sich entscheiden? Was ist die Wahrheit? Wir werden erkennen : Mit Fichte wird jetzt ein stärker Unfug getrieben. Die Judenfeinde sind trotz Geschrei und Zahl innerlich schwach, weil ihnen die verantwortliche Grundlage für ihr Urteil fehlt; man lese viele unserer akademischen Zeitschriften, sie füttern ihre Jugend mit Dogmen. Das politische Dogma hat dabei nicht entfernt den Wert des religiösen. So kommt der Typus in unserer akademischer Jugend auf, den man nach einem französischen Worte mit patapouf bezeichnen kann: etwas Aufgeschwemmtes, aber innerlich Hohles, nur äußerlich Gefülltes, aber nichts Wahres, nichts durch Tatsachen Gestütztes. Bleiben wir innerlich gediegen. Hüten wir. uns in Stunden der Entscheidung vor Leichtsinn, indem wir unklaren Gefühlei: die Meisterschaft über uns einräumen. Ein Talmudwort sagt: „Mancher ererbt sich seine Ewigkeit in einer einzigen Stunde." Haben wir es bisher nicht getan, laßt es uns in Zukunft tun! Student und poMK. Bon Dr. Hermann Berlak (Spr., Frib.-Ghib.). Die deutsche Studentenschaft hat als eigenartiges Glied des Bolksganzen stets eine hervorragende Stellung eingenommen, die nicht durch die Geschlossenheit eines festen Standes, denn einen solchen stellt sie nicht dar, sondern in einer getvissen Einheitlichkeit der Anschauungen, namentlich' aber in der Bedeutung, die den Studenten als angehenden Vertretern der geistigen Berufe gerade in Deutschland in hohen:.Maße entgegengebracht wird, begründet ist. So kam es, daß der StudeiU auch in der Politik immer eine Rolle gespielt hat und durch die Freiheit der Hochschule auf dieser eine eigene Politik machen konnte, die mannigfaltig bedii^t und historisch' sehr verschieden gerichtet war. , Studentische Politik und die Stellung des Studenten zur hohen Politik sind zwei gruyd-