KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 109 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Beeinflussung seiner Mitglieder angelangt. Hier soll die lebenspendeirde Urquelle des K. C.. und seiner Korporationen zu finden sein. Gewichtigste, ernsteste aller unserer Forderungen: volle Erfassung der Wesenswerte des Judentums! Aber des Judentums schlechthin. Unser Neutralitätsparagraph (a. a. O.) lehnt mit vollem Recht den Drill für irgend eine bestimmte, sei es religiöse, sei es Politische Richtung des Judentums ab. Wir wollen wenigstens in unserem engeren Gebiet keinerlei Politisierung des Studenten, deren verderbliche Wirkung in der Allgemeinheit gerade heutzutage auf deutschen Hochschulen und irr deren widerlichenl Parteigemächte deutlichst genug zu spüren ist. Fr. W. Foerster schreibt in seinem Buch „Erziehung und Selbsterziehung" (Zürich 1918) auf Seite 70: „Erst wenn ich mich in bezug auf die Gesamtausbildung meines Lebens entschieden habe, werde ich der Organisator nreines Daseins und nicht die Beute beliebiger Einflüsse und Launen." Wir machen uns diese Worte in einem allgemeinen und in einem besonderen Sinn zu eigen. Der besondere ist in der Intention unserer jüdischen Neutralität gegeben. Der K. C. 'ist nur ihretwillen nicht liberal und nicht orthodox,. nicht freigeistig und nicht religiös. Aber er ist jüdisch. Er will, daß Du in den Jahren lebendigen studentischen Geistesringens die Ganzheit Deines Judentums als die zentrale Lebensmacht erfassest, die Dir das Geschick mm einmal mit auf den Weg gegeben hat. Später, draußerr auf denr Plan der Berufsarbeit, suche Dir den Ort, vor: denr aus Du Stellung nimnrst unter den Parteien der Judenheit, dabei getragen von einer in errrstem Streben gewonnenen „Auseinandersetzung mit dem Ganzen des Lebens". Mit letzterem Ausdruck prägt Foerster vielleicht iwch deutlicher jene Forderung, die in seinen oben angeführten Worten liegt. Wir nehmen sie jetzt in ihrer allgemeinen Bedeutung. Der K. C. er und der K. C. d. h. seine Korporationen dürfen an der intensivell Behandlung von Weltanschauungsfragen nicht vorübergehen. Heute weniger denn je. da die starke Welle metaphysischen Bedürfens die Menschheit, nicht zum wenigsten unser deutsches Volk erfaßt hat. Es war ein Zeichen unnatürlicher, ja widernatürlicher Entwicklung, wenn gerade der Jude, besonders der sogenannte gebildete Jude eine — wie er meinte — vornehme Gleichgültigkeit, oft genug auch Feindseligkeit gegenüber den letzten Fragen des Weltseins zur Schau getragen hat, derselbe Jude, der sich für tausend andere Dinge brennend interessierte und zielbewußt einsetzte, derselbe Jude, dessen Judenursprung nun. einmal aufs innigste mit Fragen der Weltanschauung zusammenhängt, dessen Judesein, ob er will oder nicht,, wesentlich aus der Religion stammt und' von ihr durch die Geschichte getragen wurde, dessen so geartete Juderuverte ihn kulturkräftig erhalten haben bis auf diesen Tag. Nein, der Jude darf rricht, der bewußte, zumal der „selbstbewußte" kann gar nicht an der Religion, insbesondere an seiner eigenen und an bereit Geschichte vorübergehen. Er muß sich mit ihr und ihren Problemen im weitesten Umfang und im tiefsten Ergreifen auseinandersetzen. Er muß sich auf dem gegebenen Boden des Judentums seine Weltanschauung, erkämpfen und so „der Organisator seines Daseins" werden. Aus allen diesen Gründen hat der K. C. seinen Tendenzfuchsenunterricht eingesetzt. Der bedarf nachdrücklichster Pflege, eines Ausbaus auch Kr die aktiven Burschen, der Erweiterung durch periodische Vorträge älterer geistig hochstehender K. C. er, der Hineinbeziehung religiös-philosophi- -scher Besprechungen in sein Arbeitsgebiet, wie dies in glücklicher Weise bei dieser und jener Korporation schon gescheheil ist. Willkommene Ergänzung werden unsere K. C.-Blätter bieten, die nicht, nur Organ für aitsschließlich studentische Angelegenheiten sein wollen, die vielmehr auch der tiefer schürferrden Erfassung jüdischer Grundprobleme dienstbar siird und danrit ein ganz wesentliches Stück erzieherischer K. C.-Arbeit leisten. Auf solchen Wegen glauben wir, die K. C. er vollauf zu. ertüchtigen, daß sie sich ihrer Verpflichtung, vollwertige Mitstreiter im Kampfe um die jüdische Gleichberechtigung zu sein, durchaus und in jedem Augenblick gewachsen zeigen. Aufrechte Juden, die gute Deutsche sind, die als charaktervolle Menscheit sich bewähren, möge der K. C. heute und immerdar heranbilden! Möge er allezeit seine erzieherischen Ausgaben im weitesten Umfange erfüllen! Jetzt decken tiefe Schatten das Reich der Zukunft. Zagen wir nicht. Durch das Nachtdunkel dieser schweren Zeit wird sich ein Morgenrot ringen. Wir schauen auf das Titelbild unserer K. C.-Blätter: dort stürmen jugendstarke Kämpfer, mit schneidiger Waffe in der Faust, über düstere Felsen hinweg sieghast einer aufleuchtenden Sonne entgegen. Sei's uns fiir die Folge der Zeiten sinnvolle Mahnung, sei's uns beglückende Verheißung! Es kommt ein Morgen der Freiheit! ein Wort der Begrünung gesprochen aus Anlaß der EröfKung des K.C.-Tages am 13. März 1920 in Berlin Von Dr. Ludwig Hollände r-Licariae. Lassen Sie mich einige Wünsche aussprechcu. Die Vertreter erscheinen .hier mit einem sogenannten imperativen Mandat; der Einfluß unserer