KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 108 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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>r«miitiTi-sg~'.. >; ->-:„nn-mTnrnn rrr^r , ~r —-r —..... oernünftelnde Herumdiskutieren über diese brennende Frage unserer Zeit hat nur nebensächliche Bedeutung und schwächliche Auswirkung. Um die Erlebnistatsache des Einzelnen handelt es sich hier, dessen Bewußtseinsinhalt von seinem Deutschsein ipch' seinein Judesein zugleich getragen wird. Unser Enrtritt in den K. C. und unsere Arbeit in ihm ist darum von der Absicht .bedingt, beide Quellen unseres Seins, sowohl die unserem Deutschtum, wie die unserem Judentum -entspringenden Lebenswerte mit Energie zu erhalten und zu steigern. „Die Verbuchungen im K. C. stehen auf dein Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung" (siehe Tendenzparagraph). Von dieser Grundanschauung haben wir uns leiten lassen in Zeiten deutschen -Glücks und Glanzes. Ans solchem Streben sind alle rurter uns, die es nur ermöglicheil konnteil, in den Jahren des Kanipfes zu den deutschen Fahnen geeilt uild haben Leben und Blut und Kraft , willig in die Opferschale des Vaterlandes gelegt? Wir gederrken auch in diesem Zusammenhang aller K. C. er, die ihr Dasein für die Verteidigung der deutschen Heimatgaue hirrgegebeil habem Ebenso fest stehen rvir nun in den Tagen des Unheils M.unserem deutscheir Volk. Was mr uns ist, müssen und werderr wir mit aller Macht mr dem Wiederaufbau und der Errreuerurrg des Deutscheir Reiches nritarbeiten. Trotz allein uird allein, was ilrrs deutscheir Juden diese Aufgabe heute so unendlich erschweren will, bleiben wir in unseren Reiheir bei der steten Pflege deutsch-vaterlmrdischen Geistes, ohne uns .freilich der Berstiegerrheit chauvirristisch-natiorralistischen Getriebes anMvertrauen. Man hat bekanntlich die Frage nach dern Primat unseres Deutschtums oder unseres Judentunrs aufgeworfen. Wahrlich eure immerhin müßige Frage, deren theoretische Bedeutiurg unwesentlich bleibt. Praktisch ist sie gerade für die Erziehungsarbeit des K. C. auf-Grund unserer oben angedeuteten Lebensverhältnisse nur irr dem Sinne zu beantworten, daß der gewichtige Nachdruck auf die Note des Jüdischen zu liegen kommt. „Erziehung zu selbstbewußten Juden, die . .... jederzeit bereit (d. h. von ftärkstern Willen, beseelt) und imstande (d. h. von kraftvollstem Könnerr getragen) sind, für die. Gleichberechtigung der Juden (und — fügen wir hinzu — des Judentums) einzutreten," steht darum im Brennpunkt unserer Zielforderungen. Was erhellt aus diesem Satz unserer programmatischen Erklärung? Wir sind uns vollauf klar, daß unter dem Einfluß unseliger Entwicklungstendenzen der jüngsten Vergangenheit sich des neuzeitlichen Judencharakters eine übertriebene -Einseitigkeit bemächtigt hat. Wir sehen die Schäden des . allzu üppig wuchernden Intellektualismus bei uns Juden. Genug der reinen Verstandeskultur! Wir bedürfen der Stärkung des Gefühlslebens. Wir glauben sie u. a. zu finden, wenn wir urrs einem welt- und naturfreudigen, sangesfrohen Schwärmen in blühender Romantik deutschen Studententums hnrgeben. Aber was uns wahrlich mehr gilt, was uns das wesentliche ist, wonach wir ringend streben, was in der häuslichen Erziehung der heutigen Juden oft genug aufs ärgste vernachlässigt wird: Willensbildung ist's. Willensbildung im oben ausgeführten Sinn. Deshalb mit dem jungen jüdischen Akademiker erst recht hinein in den Korporation^wang! Beuge Dich dem Gesetz des Komments, der vernünftig gehandhabt, in seiner disziplinierenden Bedeutung dem Einsichtigen erheblich mehr ist als scheirrbare Spielerei! Ertüchtige, stähle Deinen Körper durch sportliche Übung jeglicher Art! Schaffe Dir mannhafte Beherrschung Deiner Persönlichkeit und rasch entscheidendes Verantwortlichkeitsgefühl durch Pflege der Fechtkunst! Mache Dich wehrhaft zum Kamps mit dem Judenhasser, der heilte unendlich viel dreister, stärker, gefahrdrohender denn je auftritt! Auf solchen Wegen Führer heranzubilden ist unsere Losung. Eure traurige Beobachtung haben wir K. C. ec oft genug machen müssen: viele Söhne aus guten Häusern mit starker jüdischer Interessiertheit lehnen es ab, in unsere Reihen zil treten. „Ich habe es nicht nötig, K. C. er zu werden," geht da in widerlicher Überheblichkeit die Rede. Nein, wem es innerlich ernst ist um die Hebung des jüdischen Kulturniveaus, der sorge, daß seine Söhne aktiv und passiv an der Erziehungsarbeit unseres Verbandes teilnehmen. Wir sehen es und sagen es offen: wir Juden haben Fehler, Fehler dieser und jener Art. Wir nennen als einen hervorstechenden die Würdelosigkeit äußeren Auftretens. Man vergleiche dafür nur das Verhalten vieler unserer Glaubensgenossen im Gotteshause. Wer sich nicht auf den aberwitzigen Standpunkt stellt, daß saloppes Benehmen als „nationale" Eigentümlichkeit zu konservieren, sei (solche Anschauungen gibt's!!), der trachte, daß alle urrsere jungen Akademiker mit guter Kind erstirb e im Rahmen der Korporationsarbeit ans ihre gleichaltrigen Kommilitonen zur Verbesserung und Veredelung der Umgangsformen erziehlich einwirkerü Auch hier lautet die Parole „Willensbildung", im klaren Bewußtsein der Erkenntnis : Äußeres und Inneres standen und .stehen, noch immer bei rurs Menschen in voller Wechselwirkung. Mit dieser letzten, ins eigentlich Seelische zielendere Bemerkung sind wir auf das Hauptgebiet der K. C.-Betätigung hinübergetreten, sind wir bei seinen geistigen Bestrebungen, bei . der-