KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 107 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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von jenen Kreisen der Gegnerschaft hoch genug gewertet wird: Fr. W. Foerster! Wir beginnen mit dem Grundsatz, der volle Anerkennung in der heutigen allgemeinen Jugendbewegung gefunden hat: Erziehung ist Selbsterziehung/ wesentlich unterstützt von der Erziehung durch Gleichaltrige. Die eigenen Anschauungen und Handlungen werden zu ihrer Besserung und Veredelung dem Urteil Gleichaltriger unterworfen. An diesem hastet nicht die als drückend empfundene Überlegenheit oder auch das Mißverstehen der vorhergehenden Generation. Der eigen gebildete Kreis der Jüngeren schafft sich selbst eine für ihn geltende, ihm Richtschnur gebende „öffentliche Meinung". An deren Ge-. staltung haben alle Zugehörigen Anteil. Im Zusammenhang mit solchen durchaus demokratischen Erwägungen ist auch seit längst der Charakter der studentischen Korporationen in Deutschland geprägt worden. Freilich hat er dabei den Makel anarchischer Zügellosigkeit vermieden. Der Wille der aus freiem Ermessen geordneten Gemeinschaft wird durch die Kraft der Mehrheit zum Gesetz erhoben. Ihm gilt es sich in Straffheit eigen getätigter Zucht zu beugen, daß wahr werde das Wort: „Gesetz, das ist die höchste Freiheit! Und höchste Freiheit ist Gesetz!" So einen sich! in «Harmonie die scheinbar widerstrebenden Grundbedingungen menschlichen Wesens: Gehorsam und Freiheit, Disziplin und Selbstgefühl. Dieser freiwillige Gehorsam kann in seinem Wert nicht hoch genug veranschlagt werden. Er wirkt mit besonderer, ausgezeichneter Stärke gegen den .Eigendünkel und Jndividualitätskultus, wie er sich so oft widerlich und schädlich gerade an vielen Gliedern unserer heutigen Jugend breit macht, nicht zum wenigsten an ihren begabten und. tüchtigeir Persönlichkeiten. Mehr noch als andere muß der subjektiv-kraftvolle, der lebendige Mensch in und durch die Schule der Zucht. Kein Geringerer als Goethe hat dieser Forderung deutlichen und nachhaltigen Ausdruck verliehen; er hat den ersten Teil von „Dichtung und Wahrheit" mit dem Menander-Bers überschrieben: c0 ui] öclqeIs äv&Qconos ov Tzaideverai — „Der Mensch, der nicht geschunden ist — d. h. in Zucht genommen —, wird nicht erzogen." In erheblich gesteigertem Ausmaß treffen diese ganz allgemeinen Grundbedingungen *den Studenten. Er wird bei seinem Eintritt ins praktische Leben früher oder später berufen sein, an seinem Platz irgend eine Führervolle zu übernehmen. Bei ihm muß sich darum von vornherein die Einfügung in eine straffe Organisation mit starker persönlicher Initiative verknüpfen. So ergibt sich für ihn die unabweisliche Notwendigkeit, daß er gehorchen lerne, um befehlen. Ä d. h. führen, zu können. Das Vermögen, selber richtige'Anordnungen zu geben, ist nur aus der' eigenen verantwortungsvollen Gewissenhaftigkeit und mit Hilfe des persönlichen Gehorsams gegenüber den gellenden Gesetzen zu erwerben. Führer, sein heißt allerwege, erst recht aber bei dem jungen Akademiker, andere zu Führern erziehen. Dafür kommt es in erheblichstem Umfang auf Blldung und Stärkung des Willens an. Sie werden nun nicht — das ist immer noch ein weit verbreiteter Irrtum — durch Mehrung und Steigerung der vorhandenen Rechte erworben. Der Wille wird vielmehr durch Übernahme von Pflichten und Unterwerfung unter ihre Forderungen entwickelt. Dem Einsichtsvollen ist das klar, weil solche Selbstüberwindung die größten Zumutungen stellt und durch ihre unverbrüchliche Übernahme auch das größte Maß von Willensstärke erzeugt, wird. Als-praktische Folgerung für die studentische Erziehungsarbeit erhellt aus diesen Ausführungen das Bedürfnis der Bildung von Korporationen, des Anschlusses der Einzelnen an diese, der kraftvollen Organisation der Verbindungen, der leichten Organisierbarkeit ihrer Mitglieder, der' strammen Disziplin ihres. Zusammenlebens, der tadellosen Ordnung im gesamten Betrieb. Noch wichtiger und noch, bedeutungsvoller als die hier nur gestreiften ^Fragen nach der Methodik unserer Arbeit erscheint uns die Zielsetzung unserer Aufgabe. Das entsprechende Sollen erfolgt uns aus der Art unseres Seins. „Werde, der Du bist!" ruft uns Pindar zu. Der zweite Abschnitt unserer Auseinandersetzungen behandelt darum die K. C.-Erziehu,ng im besonderen. Zu Deutschen und Juden sotten wir erzogen werden, besagt wiederum unser Tendenzparagraph. Und wenn.Rudolf Eucken das richtige und wichtige Wort geprägt hat „Deutschsein ist kein Besitz, sondern ein hohes Ziel", so gilt die entsprechend gewandelte These ebenso für den Juden. Wir K. C. er sind oder vielmehr wir wollen und sollen sein Deutsche und Juden zugleich und in einem. Das ist uns grundgegebene Tatsache von axiomatischer Bedeutung. Wie gelangen wir zu unserem Ziel? Es gilt, den uns umgebenden Verhältnissen der Tatsächlichkeit offen ins Auge zu sehen. Jüdische Werte werden uns nur in recht schwachem Ausmaß — bei den meisten unter uns ist das nun einmal der Fall — durch Familie und Religionsunterricht vermittelt. Unsere Umwelt hingegen ist durchaus deutsch-christlich, zugleich a-jüdischund in ganz erheblichem Umfang geradezu antijüdisch. In diesem heftigen Widerstreit haben und behalten wir K. C. er dennoch den Glauben an. die Möglichkeit des Zusammenlebens und -strebens mit den christlich-arischen Deutschen. Ich sage mit Absicht, wir haben den „Glauben". Alles .**