KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 106 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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1U6* / ■ K.C. nicht gelungen ist, den gesamten akademischen ' Antisemit^mus zu vernichten, wird mqn ihm Wohl kaum zum Vorwurf machen können. Stünde aber die ganze jüdische Studentenschaft hinter ihm, begegnete er nicht einem so verbissenen Widerstande gerade in den Kreisen jüdischer Akademiker, es wäre gewiß besser um die Sache des jüdischen Studenten bestellt. Antisemitische Wellen entstehen in Abhängigkeit von ganz anderen Faktoren als denen, die studentischem Einfluß zugänglich sind. Sie erreichen uns, wie brausender Sturm sie eben sendet und es kommt nur darauf an, wie. man sie erträgt. 'Wesentlich! ist nicht die Schärfe des Hasses und die Wucht antisemitischen Willens, sondern die Fähigkeit der jüdischen Seele, ihnen zu trotzen! Und darin liegt das Hauptverdienst des K. C. Er gibt seinen Mitgliedern die Kraft zu widerstehen und zu kämpfen, er verleiht ihnen aber auch den innerlich festigenden Optimismus, der nie die Verzweiflung in ihnen aufkommen läßt, er _ erfüllt sie mit fröhlichem Jugendsinn und jener ~ Freude an der Welt, aus der man die Fähigkeit zum Aushalten schöpft. Die ganze Persönlichkeit steht im Dienste der Idee, und daraus resultiert die Sicherheit des Sieges. Ebensowenig, wie es gegen die ewige Wahrheit der jüdischen Lehre spricht, daß sie in der Welt keine Anerkennung findet, besagt es etwas für die Richtigkeit unserer Idee, daß ihr durchschlagender Erfolg nicht zuteil . geworden ist. Hätte der K.C. nichts anderes geleistet, als einer großen Schär junger deutscher Juden jüdisches Selbstbewußtsein verbünden mit seelischer Sicherheit, mit der Gewißheit des rechten Weges und des rechten Zieles zu geben, so hätte er genug getan. Der K.C.er besitzt Vertrauen zu sich selber und zu seiner Sache. Und darum gehört seinem Wege die Zukunft. Der K.C. hat weit über seinen engen Kreis hinaus gewirkt, und das läßt sich! am besten erkennen, wenn man das Verhalten der jüdischen Öffentlichkeit vor fünfunddreißig Jahren mit dem von heute vergleicht. Von dem lähmenden Entsetzen der Philisterfchast von einst, die in der jüdischen Couleur eine furchtbare Bedrohung der * Rechtsstellung und Sicherheit der Judenheit sah, ist wenig mehr zu spüren. Mag auch die rechte Einsicht noch nicht überall eingekehrt sein, so weiß man doch jedenfalls die Bedeutung der K. C.-Arbeit zu schätzen, und in allen jüdischen Fragen läßt man sich die Hilfe alter und junger Verbandsangehöriger gern gefallen. Zu wünschen ist es .gewiß, daß das Zusammenarbeiten ein immer engeres werde, daß überall die Überzeugung dämmere, die heute bereits einen ansehnlichen Teil der Philisterschast erfüllt, daß die Grundsätze des K. C. auf die gesamte deutsche Judenheit angewendet werden müssen. Der riesige Fortschritt ist aber unverkennbar. Denn der sieben Jahre nach der Viädrina im Jahre 1893 gegründete Centralverein ist in Idee und Taktik Geist vom Geiste des K. C. Wir leben in einer Zeit des Umsturzes und der Reform. Alte Ideale, die für die. Ewigkeit fest erschienen, haben ihre Schwache erwiesen und sind gestürzt worden. Nichts ist aus der früheren Zeit unbesehen hinübergenommen worden. Auch das K. C.-Jdeal ist durch das Feuer derPrüfung hindurchgegangen, aber es hat sie bestanden. Müßte man heute von neuem beginnen, keinen anderen Weg würde man wählen! Keine fatte Selbstzufriedenheit soll uns freilich erfüllen. Zu tun gibt es noch unendlich viel. Das aber betrifft lediglich die immer intensivere Durchführung unserer Tendenzen in der Öffentlichkeit und die Vertiefung im Innern. Wer rastet, rostet! Unsere Aufgaben sind unendlich groß, aber sie betreffen weder die Grundlage des Verbandes, noch die Methode des Kämpfens, noch die Richtung, in der das Ziel liegt. Und so gelte das kommende Vierteljahrhundert der Vertiefung, der Ver - wirklichung, in dem Bewußtsein, daß Ansehen, Stellung und Recht des deutschen Judentums mit der Macht des K. C. stehen und fallen. Erzieherische ttukgaden des R. C Bon Arnold Lazarus (Viadr.-D., Nass.). Unser Verband ist ein Werkzeug der Erziehung. Beweis: der Tendenzparagraph, jeweils abgedruckt an der Spitze unserer Blätter. Dort wird mit aller Deutlichkeit gesagt, daß unsere Verbindungien neben der Bekämpfung des Antisemitismus die Erziehung ihrer Mitglieder zum Zweck setzen. Freilich nicht um Erziehung schlechthin handelt es sich. Die besondere Gestaltung dieser Arbeit, wie sie in den studentischen Korporationen der deutschen Universitäten und Hochschulen ausgebildet wurde, haben wir auf uns genommen und damit auch! den von vielen verpönten, manchem geradezu verhaßten „Korporationszwang". „»Frei ist der Bursch!* Was soll's Um lästige, den Menschen und seine Art verkrüppelnde Fesseln?" So ging schon lange und geht heute stärker bewegt denn je die Rede aus Kreisen der Philisterschäft, wie der Nichtinkorporierten. Der jetzige Zeitpunkt geschichtlichen Rückblicks im K. C., äußerlich versinnbildlicht durch vorliegende Festnummer, gibt Veranlassung, uns die erzieherischen Aufgaben des Verbandes erneut ins Licht des Bewußtseins zu rücken. Es soll geschehen unter dem Einfluß vön Gedankengängen eines neueren Boffserziehers, der auch