Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 103 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2268830-2268931-2268935--2753-2271924
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

k.c. und ludenlum. Von vr. Felix Goldmann (Thur., Saxobav.). s.) Der Charakter des K. C. Nur Bekenner der jüdischen Religion können dem K. C. beitreten und doch gehört er nicht zu den konfessionellen Verbänden. Charakteristisches Kennzeichen eines solchen ist nicht die Grundlage des Zusammenschlusses, sondern das Ziel. Die katholischen und sonstigen christlichen Verbände erstreben religiöse Erneuerung und treten für christliches Bekenntnis und christliches Leben auf dem Boden-der Hochschüle ein. Auch das Judentum besitzt im „Bund jüdischer Akademiker" ein wirklich konfessionelles Gebilde, das „unverbrüchliche Treue gegen das Religionsgesetz" zur obersten Tendenz macht. Der K. C. dagegen hat nur jüdischS-konfessionelle Grundlage! Seine Ziele sind rein politisch, da sie lediglich den Kampf gegen den Antisemitismus und die Erringung der Gleichberechtigung ins Auge fassen. (Auch das Bekenntnis zum Deutschtum ist übrigens nicht Zweck, sondern selbstverständliche Voraussetzung.) Daß zur Erfüllung rein religiöser Aufgaben ein Studentenverband auch nicht die geeignete Organisation ist, wird jedermann einleuchten. An sich ist der K. C. theoretisch als ein Verband von im Judentum wurzelnden Männern gedacht, die sich zum Sonderzweck der Bekämpfung des Antisemitismus auf den Hochschulen zusammengetan haben. In der Praxis stellen sich die Dinge freilich etwas anders dar. Meist sind es von außen kommende Einflüsse, die den jungen Juden zum Eintritt veranlassen. Er kommt nicht zum K. C., weil er innerlich den Drang fühlt für das von ihm empfundene und gekannte Judentum einzutreten, sondern weil er gegen die feste Mauer des Antisemitismus angerannt ist. Wenn so gewiß das Judentum Voraussetzung für den K. C. er ist, so darf nicht verkannt werden, daß es nur zu oft wenig mehr als ein Bekenntnis darstellt. Damit erwälW den Verbindungen die Pflicht der jüdischen Erziehung! Ihr Ziel ist aber lediglich die Kenntnis des Judentums und die Anregung, sich durch eigene Vertiefung das Wissen vom Judentum zu mehren. Keineswegs erfolgt sie mit irgend einer bestimmten Tendenz. Gegenüber den verschiedenen religiösen Parteien herrscht die strengste Neutralität, und es kann von unserer Seite auch nicht zugegeben werden, daß das Bekenntnis zum deutsG-vaterländischen Standpunkt irgendwie parteimäßige Festlegung bedeutet. Ein solches Bekenntnis ist völlig selbstverständlich, es ist Ausdruck der Kulturzugehörigkeit und des staatsbürgerlichen Willens, Feststellung einer Tatsache. Nationaljudentum ist etwas völlig Neues, dem Wesen des Judentums Fremdes, und es ist ein bedauerlicher Fehler, wenn man zuweilen zugegeben hat, daß! die deutschgerichtete Einstellung das Einnehmen eines Karteistandpunkts darstelle. Sachlich ist der K. C. absolut neutral Und nach dieser Richtung beschränkt sich seine Erziehung auf die Vermittlung von jüdischem Wissen ohne Einfluß auf künftige Stellung. Formell nimmt er seine Erziehungsprinzipien aus dem Schatze jüdischer Anschauung. In der unbedingten Ehrlichkeit des Bekenntnisses zeigt sich dies ebenso wie in dem Willen, jederzeit die Gesamtpersönlichkeit in 'den Dienst der verfochtenen Sache; zu stellen. Und darüber hinaus stellt er kein positives jüdisches Programm auf, unbekümmert darum, ob man es ihm innerhalb und außerhalb seiner Reihen verargt. Positives Judentum ist einzig und allein die jüdische Religion, und das nationale Judentum ist lediglich von relativem Werte. So-. bald daher das religiöse Programm ausscheidet, ist auch das wirklich jüdisch Positive unmöglich. Es wird aber mit dem Worte „positiv" ein ärgerlicher Unfug getrieben, indem man es in dem' Sinne des allumfassenden und allein wahrhaften Judentums interpretiert. In Wirklichkeit ist die politische Tätigkeit des K. C. in höchstem Grade positiv. Der Kampf um das Recht ist eine jüdische Idee, von deren Sieg die religiöse, die politische und die wirtschaftliche Freiheit abhängen, ohne die gedeihliches positives jüdisches Arbeiten nicht möglich ist. Das fteie Bekenntnis zum Judentum und das Selbstvertrauen der jüdischen Seele schafft Vertrauen zur jüdischen Sache, die gewiß der Kernpunkt des Positivismus ist. Fügt man hinzu, daß durch den K. C. Hunderte von Juden zu wackeren Mitarbeitern in jüdischen Organisationen und Gemeinden herangebildet worden sind, so ist der Nachweis erbracht, daß der Standpunkt des K. C. positive jüdische Arbeit in erheblichem Maße ermöglicht und leistet. d) Sein Verhältnis zu anderen Lösungsversuchen der akademischen Judenfräge. Es ist oft genug hervorgehoben worden, daß der K. C. sein Entstehen dem vor vierzig Jahren neu aufflammenden Antisemitismus verdankt. Er stellt einen Versuch dar, diesen Antisemitismus zu bekämpfen und, wenn möglich, zum Schwinden zu bringen. Da er aber nicht der einzige in dieser Richtung unternommene Vorstoß war, verdienen die Ideen der anderen eine kritische Betrachtung. Die erste akademische Vereinigung in Deutschland, die dem Problem mit einem bewußt jüdischen Programm gegenübersteht, war der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur an derUniversität Ber-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.