KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 104 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Dn" M. I G. V.). Er glaubte — und es ist LWauerlich, wenn er damit nicht recht hatte —, WH Äufkl ärun g bei Jüngern der Wissenschaft .H^Las. beste Mittel zur Zerstörung von Vor- U7'Mteilen sei. Im Bewußtsein des Wertes jüdischer Hehre sowie der Unantastbarkeit jüdischen Lebens ^betrachtete er die Probleme durchaus objektiv ohne f)Mcksicht auf das Ergebnis, und suchte auch den ^christlichen Studenten zu interessieren. Daß dieser Weg nicht zu einer Lösung des Problems führen ' kann, hat der A.J. G. B. selber eingestanden, indem er seine Tendenz änderte.- Dem in akademischen wie Mischen Kreisen sehr angesehenen rr?'-Vereine hatten stets nur jüdische Studenten an- Hgehört; gleich! nach dem Kriege beschloß er dann § den prinzipiellen Ausschluß von Nichtjuden und nahm in jüdischen Fragen einen dem K. C. sich nähernden Starckpunkt ein. Die Unzulänglichkeit dieses Versuchs ergibt sich aus der psychologischen Verkennung des Wesens 'des Antisemitismus. Aufklärung ist gewiß nicht zu entbehren, aber sie setzt auf der anderen Seite einen Willen zur Gerechtigkeit voraus, der nun Einmal nicht vorhanden ist. Wer durch bloße Aufklärung den Antisemitismus bekämpfen will, nimmt unbewußt eine durchaus ethische Grundlage der gegnerischen Gesinnung an. Der Appell an den Verstand des Gegners blieb aber ohne jede 'Wirkung, und diese früh erwachende Erkenntnis beschränke den Kreis der Anhänger dieser Richtung auf jene, die weniger den Judenhaß bekämpfen tlls selber jüdisches. Wissen erwerben wollten. Schon vor der Entstehung des A. I. G. V. war durch Gründung der „F r e i e n wissenschaftlichen Vereinigung an der Universität Berlin" der Versuch gemacht worden, ohne jüdisches Programm auf politischer Grundlage der feindlichen Bewegung Herr zu werden. In paritätischen Verbindungen und Vereinen sollten Juden und Christen sich kennenlernen und so zum Ausgleich beitragen. . Solange eine Judenfrage nicht existiert, muß anerkannt werden, daß einträchtiges Nebeneinanderarbeiten von Studenten aller Religionen das Selbstverständliche ist. Sobald die Zeiten aber etwas stürmisch! werden, eignet sich die bloße Tatsache der Parität keineswegs zur Eindämmung des Judenhasses. Der Versuch, eine Bewegung dichurch tot zu machen, daß man sie übersieht, ..hat noch nie Erfolg gehabt. In den paritätischen Vereinigungen begann eine typisch^ Entwicklung: Die jüÄschen Mitglieder waren in dieser Umgebung nicht imstande, mit aller Macht für die berechtigten Ansprüche des Judentums einzulreten, und den christlichen konnte natürlich nicht zugemutet werden, daß sie jüdische Forderungen in den Mittelpunkt ihres Wollens stellten. So trat überall schon früh eine Zersetzung •— oder besser gesagt ein Abschwenken — der paritätischen Korporationen nach! der einen oder anderen Seite ein. Wo die Christen die Majorität hatten, wurden die Juden allmählich herausge^ängt, und' wo Juden in der Mehrheit waren, entfernten sich die Ulten christlichen Mitglieder und neue kamen höchstens einmal als Ausnahmen hinzu. Den ersten Weg ging der Ä.D.B., der schließlich in das antisemitische Führwasser einbog, den zweiten Weg kann man mehr oder weniger ausgeprägt bei vielen der noch bestehenden Gebilde beobachten, die — unbewußt vielleicht — trotz des Wunsches nach christlichen Mitgliedern die jüdische Majorität sorgfältig pflegen, um unliebsamen' Überraschungen zu entgehen. Daß die vorzugsweise aus Juden bestehenden paritätischen Korporationen für den Kampf gegen den Antisemitismus wenig bedeuten, ergibt sich — abgesehen von vielen studentisch- und jüdischpolitischen, an dieser Stelle öfters erörterten Umständen — schon daraus, daß mit Rücksicht auf die Parität eine zentrale Stellung dieses Punktes in der Verbindungstendenz nicht möglich ist. Von irgend einer weitergehenden positiv jüdischen Erziehung und Betätigung kann natürlich! überhaupt keine Rede sein. Der methodische Fehler des paritätischen Lösungsversuch!es liegt darin, daß Minoritäten Parität' wohl verlangen, nicht aber verwirklichen können! Wenn die Mehrheit nicht will, ist alles Liebeswerben umsonst. Gegen diese psychologische und politische Wahrheit ist nicht anzukämpfen. Es sei nicht bestritten, daß in größeren Verbänden ein geringer Prozentsatz von Juden wenigstens indirät nützliche Arbeit im Sinne unserer Bestrebungen leisten kann. Sobald aber die Juden und Judenstämmlinge in der weitaus großen Mehrheit sind, fällt diese Möglichkeit fort, und der Versuch, die Judenfrage auf akademischem Boden auf paritätischer Grundlage zu lösen, muß als endgültig gescheitert betrachtet werden. Dasselbe ist vpn jenen Tendenzen zu sagen, die den Charcckter des Judentums verändernd im jüdischen Lager das Gegenstück zum deutschvölkischen antisemitischen Chauvinismus schufen, und in nationaljüdischen Korporationen dem Problem zu Leibe gingen. Auch hier eilte die akademische Bewegung der bürgerlichen voraus. Bereits seit 1883 gab es in Wien die von Nathan Birnbaum begründete „K a d i m a h" und 1895 entstand in Berlin schon vor dem ersten Baseler Kongreß der „Verein jüdischer Studenten", 'der bald nationaljüdische Färbung annahm. Die nationaljüdische Idee suchte den Antisemitismus dadurch zu bekämpfen, daß sie ihn zunächst anerkannte, seine Bedeutung aber für das jüdische Bewußtsein leugnete. Ein radikaler Kampf »'4