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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 102

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 102 (sequence 12)
Language
German
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Dslege der deutschen Kultur berufen sind, s ist so selbstverständlich', daß unser Programm den Hinweis darauf leicht entbehren könnte. Und O doch erscheint er nicht überflüssig, wenn man bedenkt, wie sehr dem studentischen Zionismus die Schaffung einer hebräischen Kultur am Herzen liegt. Solchem Wahn hängen wir nicht nach. Wir sehen mit offenen Augen, wie innig die deutschen Juden mit dem deutschen Geistesleben verwoben sind — nicht nur durch die hervorragenden Leistungen bedeutender Persönlichkeiten, sondern (was in diesem Zusammenhänge schwerer wiegt): das ganze deutsche Judentum durch Lehren und Lernen, durch Nehmen und Geben, und vor allem durch' die deutsche Muttersprache. Mit besonderem Empfinden berufen wir uns auf die Rechtsg emeins-chaft, die uns mit dem ^deutschen Volke verknüpft. Im Gegensatz zu unserem antisemitischen Widerpart sehen , wir im Gesetz zugleich das sittliche Prinzip verkörpert, so daß wir uns daran nicht nur durch die Macht des Staates, sondern auch moralisch gebunden sehen. Achtung vor dem.Gesetz verlangen wir von uns!und von den andern, weil so und nur so die nationale Wohlfahrt gefördert wird. Mag sein, daß das Rechtsgefiihl der Juden durch das Unrecht, das ihnen stets und überall in brutalster Weise angetan wurde und wird, besonders empfindlich' ist, mag sein, daß wir als verschwindende Minorität gegenüber der rohen Gewalt oft genug einzig Morcck und Recht als Bundesgenossen hckben — daran kann nicht gezweifelt werden, daß eine auf Entrechtung von Staatsbürgern gerichtete Bewegung wie der Antisemitisinus die ethischen Grundpfeiler des Staatsgebäudes gefährdet. Wir kämpfen jedenfalls, indem wir uns gegen ein Unrecht zur Wehr setzen, das zunächst nur Uns zu bedrohen scheint, gleichzeitig für den Rechtsgehanken überhaupt; auf ihm allein, nicht auf pseudowissenschaftlichen .Rassentheorien beruht „Deutschlands.Erneuerung" Unsere Gegner im antisemitischen und auch im zionistischen Lager pflegen hämische Glossen zu machen, wenn wir immer wieder unser Recht am Deutschtum betonen. Wir befinden Ms aber in ähnlicher Lage wie die! Bewohner der Grenzlande oder der mit AbreißuM bedrohten Gebiete; niemand wird es für etwas anderes' als ein natürliches Reagieren Hallen, wenn in solchen Gegenden die nationale Zugehörigkeit sich in besonderem Maße offenbart. Wem allerdings sein Vaterland nicht streitig gemacht wird oder wer ihm im innersten Herzen nicht zugehören will, der wird es sich leicht versagen können, stets wieder die Stimme zu erhüben. Wollten wir jedoch nur immer denen das Wort lassen, die unsere Zugehörigkeit zum deutschen Volke leugnen, so würde schließlich alle Welt) und mit ihr womöglich wir selbst, glauben, sie hätten recht. Memand kann tiefer den Niederbruch unseres Vaterlandes empfunden haben als wir. Zwar sind uns die Felle damals nicht fortgeschwommen wie all denen, die nun mll Zanken und Schielten für alles Unglück uns verantwortlich machen wollen. Aber — ganz abgesehen von den Opfern, deren oben schon gedacht wurde — welch' Gefühl für die Zurückgekehrten, statt am Aufbau mll ganzer Kraft Mitarbeiten zu können, sich einer Flut von niedrigsten, unerhörtesten Schmähungen erwehren, für die nun von den eigenen Volksgenossen bedrohte Sicherheit ihrer Familien sorgen zu müssen! Viel entschuldbarer ist es, wenn in den breiten Massen des Volks unter dem schweren Druck der wirtschaftlichen Not die Gesetze mißachtet wurden, als wenn aus der Schicht der Gebildeten große Mengen, vor allem von Akademikern, nun unter dem Zeichen des Hakenkreuzes gegen uns den Sieg erringen wollen, nachdem ein solcher gegen die Feinde dem geeinten, opferwllligen und begeisterten Volke nicht beschieden war. Dieser Entente von Verblendung und bösem Willen werden die deutschen Juden heute keinerlei Konzessionen machen. Unser Verband darf sich rühmen, daß er im deutschen Judentum den Willen zur Selbstzucht und Selbstwehr entfesselt hat, und er wird auch in den Kämpfen der Gegenwart in vorderster Linie stehen. Unsere Glieder werden sich straffen, unser Wille wird hart werden müssen, wenn wir außer den Bürden des bitteren Alltags noch die Last dieses Kampfes tragen sollen. Der Rückschlag, den unser Wirken nach außenhin in der letzten Zeit erlitten hat, wird uns nur zu neuem Tun anfeuern. Wissen wir doch' genau, daß die Verhetzung aus der Parteipolitik in das. Studententum künstlich hineingetragen ist und daß unserer zielbewußten Arbeit der Erfolg der Aufklärung auf die Dauer nicht versagt, bleiben kann. Einst werden hoffentlich auch unsere Gegner einsehen, wie sie sich selbst verspotten, wenn sie das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" ständig im Munde führen, sich aber zugleich einsetzen für die Zerrissenheit des deutschen Volks, den Sieg des Unrechts und die Unterdrückung der Gewissensfreiheit. Mit diesen Mächten der Zerstörung ringt unser Verband nun sell fünfundzwanzig. Jahren. Wir werden ihnen, bis sie dereinst abgetan sind, weiter die Brust entgegenstemmen. Und mit besserem Recht und reinerem Herzen und tieferem Sinne lassen wir den Wunsch ertönen: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!"

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