Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 100 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2268830-2268931-2268935--2750-2271921
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

».<• v- ■■ Asche oder englisch" Gruß: Pfüet Gott, Herr Woktor"warschon 15 Pfennig wert! Dann kamen Mtt-Nachmittage im Gott bei Cohn -gesegneten MMee Fahrig, allwo man in tragen Stunden Mäend den Abend erwartete, um dann die Arbeit fürs Examen auf den nächsten Tag zu verschieben! So wurde man schließlich doch Referendar oder Hautarzt und so! Ja die Zeiten und das Leben waren-schön; aber heute wird es immer schöner. Bon der Politik will ich gar nicht reden; Mie.verdirbt gute Sitten und läßt wieder den Hausknechtston couleurfähig werden! Und das wäre .schade, denn der Eingeborene hier zu Lande ist „gemütlich" und stolz auf die Ruhe der Bürgerschaft selbst in den stürmischen Tagen. Er fitzt , imSüdpark beim Konzert oder draußen vor der - gewaltigen Jahrhunderthalle, in der Hauptmanns grandioses Festspiel im Jahre 1913 wie borahnend den Hymnus von der Nichtigkeit irdischer Größen und Herrlichkeiten mit markigen Worten sang! Kommt also her aus allen Gauen mit Mann und Maus, mit Weib und Kind und freuet euch mit uns an der Schönheit und Kraft unserer ulten deutschen Stadt! Ihr betretet hier heiligen K. C.-Boden! Darum soll es frisch aus allen Kehlen klingen vom 28. bis 31. -Oktober: Stoßt an, Breslau soll leben! 2 Der R.C., ein deutscker Stubentenverband. Von Dr. Solon (Spreviae). «Wo dir Botte» Sonne zuerst schien, wo dir die Sterne de» Himmels zuerst leuchteten, wo seine Blitze dir zuerst seine Allmacht offenbarten und feine Sturmwinde dir "7 mit heiligem Schrecken durch die Seele brausten, da ist deine Liebe, da ist dein Baterland. Wo da» erste Meuschenaug' sich liebend über deine Wiege neigte, wo deine Mutter dich zuerst mit Freuden auf dem Schoße trug und dein Later dir die Lehre« der ' Weisheit In» Herz grub, da ist deine Liebe, da ist dein Baterland. Und seien es lahle Felsen und Sde Inseln, und wohnten Armut und Mühe dort mit dir, du mußt da» Land ewig lieb haben.-" :Diese gewaltigen Worte, die uns an die > - Sprache der Psalmen gemahnen, stammen von ' Ernst Moritz Arndt, dessen Lieder wir singen, r dessen Namen wir ehren. Er ist in seinen jungen r; Jahren ein Gegner der Juden gewesen. Gereist hat er sich zu andern Ansichten bekannt, und er ist ja nicht der einzige unter Deutschlands größten Söhnen gewesen, den die Erfahrung des - LÄens die übernommenen Vorurteile seines' J engen Standeskreises überwinden lehrte. Sein Beispiel ist eins von denen, die uns den Glauben an den endlichen Sieg der Vernunft und damit c den Mut z!u fernerem Widerstand gegen die feindlichen Kräfte erhalten. Aus guten Gründen ist unser Verband bestrebt, seine Ziele in den dem deutschen Studenterttum anhaftenden Formen zu verfechten. Diese Gründe sind von zweierlei Art. Sie gelten der Wirkung auf den Gegner und zum andern der Wehrhaftmachung unserer Mitglieder. Als Gegner haben wir den antisemitischen Studenten aufs Korn genommen. Er ist regelmäßig straff oder weniger straff organisiert, und man kann ihm daher nur mtt,einer ausreichenden Organisation entgegentreten. Wir suchen ihn auf seinem Boden auf und bekämpfen ihn mit seinen Waffen, indem wir uns aus ihn nicht nur äußerlich in Couleur und Komment, sondern auch in Denk- und Sinnesart einstellen. Jedes andere Verhalten würde unser Streben von vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilen, denn es könnte und würde überhaupt nicht verstanden werden. Diese Erwägungen, von denen schon die Breslauer Viadrina, unsere erste Verbindung, bei ihrer Gründung im Jahre 1886 ausging, können auch durch den Geist der neuen Zeiten nicht berührt werden. Was die Wehrhastmachung des deutschen Studenten Mischen Glaubens anlangt, so wissen wir heute, was in den Anfängen unserer Bewegung . nur e r.h o f f t werden konnte, daß nämlich der K. C.-Gedanke — und nur er — geeignet ist, die Seele mit dem Selbstvertrauen und dem Pflichtbewußtsein zu erfüllen, das zu einem so harten Kampf vonnöten ist. Aus der schweren Not, die der Antisemitismus über ihn . brachte, hat mancher jüdische Akademiker Auswege gesucht und gefunden, die wir nicht begehen, wollen. Über die Taufe soll hier kein Wort verloren werden, weil ihre Gesinnungslosigkeit heute im Urteil fast der gesamten Mitwelt feststeht. Auch der Grundsatz der Parität braucht nicht ausführlich erörtert zu werden; die Erfahrung hat gelehrt, daß diese Art - der „Völkerversöhnung" wenig mehr ist als ein schöner Traum, und es ist, zumal nach den Erfahrungen mit der Reformburschenschaft (A.D.B.), immer zu fürchten, daß es in Korporationen, wenn selbst nicht statutarisch, so doch praktisch zu einer entwürdigenden Prozentnorm kommt, und von hier zum echten Antisemitismus ist, wie sich gezeigt hat, eben nur ein Schritt. Wir haben in diesem Zusammenhang schließlich noch des Zionismus zu gedenken, der den Antisemitismus mtt Achselzucken quittiert oder ihm gegenüber lediglich auf die geschriebenen Rechte pocht, nicht auf den Teil der deutschen Juden am deutschen Volke. Wir gehen andere Wege als alle diese. Wohlbewußt unserer Abstammung, die wir niemals und nirgendwo verleugnen, stolz auf die große Vergangenheit des Judentums und seine Ewigkettswerte, wurzeln wir doch mit unserm ganzen Wesen im deutschen Heimatbodey. Wie eine Frucht, dereinst aus fremdem Lande <utf deutschen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.