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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 99 (sequence 9)
Language
German
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f Erde zum sicheren Paradies verwandeln konnte! Und heute? Ja, da muß man schon ein ehemals königlicher oder wie es jetzt heißt „geräuschloser" Kaufmann sein, um von seinem Schein bestehen zu können. Wir „besseren" Menschen, denen es jetzt schlechter geht, müssen daher mit Recht unser greises Haupt schütteln und in Erinnerung das Gold unserer Jugend schürfen, wir müssen, den Geist der unruhiger! Zeit versöhnen mit dem Glanz der Bilder, der aus den Tagen unseres Stürmens und Drängens hinüberleuchtet in eine Gegenwart, deren Zukunft noch dunkel ist. So! Und nun beginne ich zu schütteln! Keine Furcht! Ich will nicht erzählen von hohen Geistesheroen, die in unserem dumpfen Gehirnkasten die Fackel der Wissenschaft zum Leuchten zu bringen versuchten, nicht von Felix Dahn, der noch heute auf dem berühmten Ulbrichschen Rathausblatt graubärtig und weitmantelig dem Sch'weidnitzerkeller mit seiner Gemahlin zuzustreben scheint; auch von Hasse also will ich nicht plaudern, dem Ana-' — also — tomielehrer, der es verstand die Medizinstudierenden in Massen an — andere Universi- — also — täten zu fesseln. Viel Profaneres erfüllt mein Sinnen! Draußen lockte das Feldschlößchen, draußen am Waschteich, der jetzt zugeschüttet ist. Der Waschteich hat es mir immer angetan. Holte doch der Sage nach der Storch dort die Kinder und trug sie in die Häuser Breslaus. Der Waschteich ist jetzt zugeschüttet! Also müßte das Kinderkriegen hier aufhören oder mein Glaube an den Storch muß fallen. Nun sind aber in der letzten Woche 249 Kinder geboren worden. Mit dem Storch ist es also bei mir definitiv aus! Unter 135 Knaben waren 132 Mädchen — sagte der zerstreute Professor! Aber ihr Junggesellen, denen zum Glück die Frau fehlt, kommt dennoch! nach Breslau, denn dieses Bollwerk des Ostens hat über 50000 weibliche Personen mehr als Männer! Wer hier suchet, der findet! Ich! selbst hänge sehr an der süßen Gewohnheit des Daseins und — doch bin ich ledig, obwohl ich weiß, daß die Verheirateten länger leben! Doch böse Leute behaupten, es käme ihnen nur so vor! Ich bleibe also ledig! Wer wagt: „Vorläufig" zu rufen! Es lebe das Leben! Und nun wieder zurück zum Waschteich! In seiner Nähe holte sich manch einer den ganzen Stolz männlicher Schönheit," wenn der böse Feind so freundlich war, einen „Durchzieher" zu schlagen! Und wenn's nicht mit Schlägern ging, dann brachte ihn der „krumme" Säbel! Da herrschte Ordnung und Disziplin, selbst wenn Birnefeld, der Droschkenkutscher und „Bandagist" die Paukbrille sy stramm zog, daß ein akuter Morbus Basedow sich zu entwickeln drohte. Dort führte Zadig, der kraftgenialische Recke, der in seinem dunklen Drange stürmend die Bahn des Lebens allzurasch vollendete, ein gefürchtetes Regiment; der Saal — so ging bald die Mär — verdunkelte sich, wenn er seine Pranken schlägerbewaffnet zu Haupte hob. Nun ist er dahin; der Schwung seiner Lieder aber entfacht noch heute die Jungmannen vom Rhein bis zur Oder, vom Meer bis an die Alpen. Denn überall, blitzt heute das Feuer junger K. C. er! Damals aber-stand nur ein kleines Häufchen um die Fahne, damals hielt die moles iners judaica sich und ihre Herren Söhne noch fern von der wilden, verwegenen Schar der selbstbewußten deutschen Studenten jüdischen Glaubens, die — o welch ein Graus — sich nicht scheuten, mit „langen, geschliffenem Messern" dem in Waffen erprobten Gegner gegenüberzutreten. Aber Männer in Jünglingsgestalt, wie Magen, der kleine wirklich Große, rissen mit'dem Idealismus ihrer bezwingenden Beredsamkeit die Gleichgesinnten fort und rüttelten die Lauen auf; und Koslowsky steigt auf und der prächtige Krüger und Samosch, der für sein deutsches Fühlen den Tod heimbrachte - von den Gefilden Flanderns. Sie alle leben noch'im dankbaren Gedenken, auch wenn der und jener eigene Wege suchte, die ihn abseits führten' aus dem engeren Kreise. Mit der Erinnerung der Wehmut aber verknüpfen sich auch Erinnerungen an frohe und feierliche Stunden und schließlich hat der Lebende recht. Aber ich fürchte mich hier mit Namen zu nennen alle die kecken Füchse und patenten Burschen, denen kein Gegner und kein Mädchenherz lange widerstehen konnte. Ich hülle mich in Schweigen und rufe ihnen ein „Prosit" zu. Wer sich! betroffen fühlt, der komme mir am 29. Oktober ein ordentliches Stück vor! Ich will versuchen, allen nachzukommen, obwohl die Alkoholimmunität bedenklich gelitten hat. O quae mutatio rerum! Ja, es waren wirklich „kesse Kerle", die oft im Biereifer der Empfindungen ihre rauhe und wenig herzliche Kehrseite zeigten, wo sie auf andere Weise keine Gegenliebe zu finden vermuteten, so daß selbst Olli, dem wirklich nicht Zartbesaiteten, das Schlagwort entschlüpfte: „Der Hausknechtston muß raus!" Und doch war der „Hausknecht" von dazumal ein echter Kavalier, dem es auf ein Glas Bier nicht ankam, wenn er Sonntags in Hünern, Mittwochs im Oderschlößchen oder Donnerstags in Oswitz beweisen wollte, daß „die Magd, die Samstags ihren Besen führt, wird Sonntags dich am besten karessieren!" Er war auch ein Kavalier, wenn er bei Wiesner oder in der Krähe oder im Nanislauer oder sonst einem finsteren Lokale seinen Schoppen trank und in Couleur 10 Pfennig, als Zivilist aber nur 5 Pfennig Trinkgeld spendete! Allmählich jedoch verfeinerten sich die Sitten und der Farbenstudent trank nur „Echtes" im Augustiner bei der Czenzi oder Resel aus Oberschlesien und der „himm-

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