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KC-Blätter · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · p. Seite 77

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 77 (sequence 15)
Language
German
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Faches auf den hier vorliegenden Erlebnis- und Gedankenkomplex an und kam so zu einer Bejahung der humanistischen Fakultät. Er berichtete von Beratungen im Schoße der Universität Göttingen zur vorliegenden Frage, die allerdings noch kein organisatorisches Ergebnis gehabt hätten. Zum Schlüsse faßten vr. Mahrholz und Dr. Dietrich das Ergebnis des Tages in die folgenden Leitsätze zusammen: 1. Der Gedanke der humanistischen Fakultät ist ein Zielgedanke: er entspringt nicht dem Wunsche nach überflüssiger Organisation. 2. Der Gedanke der humanistischen Fakultät ist das Leitziel einer Arbeitsgemeinschaft der Fakultäten und Abteilungen der Hochschulen. 3. Der Gedanke der humanistischen Fakultät entspringt nicht dem Wunsche nach enzyklopädischen Übersichten oder literatenhaften Dilettantismen. Er entspringt vielmehr dem Willen, die Zusammenhänge des Ganzen im einzelnen, des All- Semeinen im Besonderen zu erkennen und das bersachliche im Fachlichen zu betonen. 4. Die humanistische Fakultät bereitet die Gemeinschaft der Lehrenden untereinander vor (z. B. durch gemeinsame Seminare) und dient der Gemeinschaft der Lernenden. 5. Die humanistische Fakultät will der Gefahr begegnen, daß aus der Gliederung der Hochschulen eine Atomisierung der Wissenschaften wird. 6. Der Gedanke der humanistischen Fakultät geht von der geistespolitischen Not der Nation aus, indem er der Gefahr der Herauslösung der akademischen Intellektuellen aus der Volksgemeinschaft entgegenarbeitet. 7. Die Zukunft unseres Volkes ruht zum guten Teil aus dem verantwortungsvollen Ernst und der geistigen und menschlichen Durchbildung der Akademiker; ihr dient die humanistische Fakultät als steter Hinweis und als Bildungsstätte. Der zweite Deutsche Hochschuttag. Vom 22. bis 24. Mai fand in Halle in der Aula der Universität die zweite Tagung des Verbandes der deutschen Hochschulen statt. Vertreten waren die Rektoren, je ein Ordinarius und ein Nichtordinarius von 23 Universitäten, 11 technischen Hochschulen und der Akademie Braunsberg. Der Tagung des Verbandes ging die preußische Rektorenkonferenz am 21. Mai voraus. Eröffnet wurde der Hochschultag durch den Bericht des Vorsitzenden, Herrn Geheimrat S ch e n k-Münster. Das Referat enthielt außer dem eigentlichen Tätigkeitsbericht gleichzeitig das Programm für den Hochschultag und die weiteren Arbeiten des Verbandes im kommenden Geschäftsjahr. Der Redner legte die großen Ziele dar, die in der Neuregelung des Lehrbetriebes und Prüfungswesens in der Reform der Hochschulverfassung, der wirtschaftlichen Besserstellung der Dozentenschaft und einer engen Zusammenarbeit mit der Studentenschaft besteht. Zu den einzelnen Punkten der außerordentlich umfangreichen Tagesordnung wurden bedeutende Referate erstattet, die darin vorgeschlagenen Richtlinien vom Hochschultag gebilligt -oder in einzelnen Fällen zur weiteren Klärung und eingehender Behandlung an dazu eingesetzte Ausschüsse verwiesen. Über die Schulfrage berichtete ausführlich Geheimrat B r a n d i - Göttingen. Er entwarf vor allem ein anschauliches Bild von der Zusammenarbeit des Schulausschusses mit den Reichsbehörden seit der Reichsschulkonferenz und den Erfolgen, die der Verband dazu zu verzeichnen hat. Die Versammlung billigte vollständig die getroffenen Maßnahmen und beauftragte den Schulausschuß, in eingeschlagener Richtung weiterzuarbeiten. Geheimrat Brcmdi forderte in einem Bericht über den Stand des Prom-otionswesens, daß die. alte Höhe der Doktorwürde unbedingt erhalten bleiben müsse, und daß es die Ausgabe des Verbandes sei, durch eine strenge Handhabung der Zulassungsbedingungen die Würde dieses akademischen Grades zu wahren. Äußerst interessant war. die Übersicht von Prof. S chaxel-Jena über die' augenblicklich in Geltung befindlichen Verfassungen der einzelnen deutschen Hochschulen. Hm Anschluß daran sprach der Berliner Rektor Geheimrat Seckel über die Aufgaben der Selbstverwaltung der Hochschulen. Der Redner stellte dabei klar heraus, daß bei Änderung der Hochschulverfassungen besonders die hochschulreformerischen Momente weitgehendst berücksichtigt weiten müßten. Über die rechtliche Stellung des Verbandes fand eine eingehende Besprechung statt, die eine Umgestaltung in der Leitung des Verbandes zur Folge hatte: das Organ des Hochschulverbandes ist der Hochschultag, die Leitung der Geschäfte liegt in Händen des neunköpfigen Vorstandes, ihm zur Seite steht zur Beratung aller wichtigen Angelegenheiten der fünfundzwanzigköpfige Hauptausschuß, in dem die Vorsitzenden sämtlicher Ausschüsse des Verbandes vertreten sind. Im Anschluß daran wurden verschiedene Forstakademien, Bergakademien und landwirtschaftliche, eine tierärztliche Hochschule in den Verband neu ausgenommen- Die Beziehungen der deutschen Hochschulen zum Ausland und das Verhältnis zu Deutsch-Österreich waren Gegenstand besonderer Beratungen: vor allem wurde die Möglichkeit besprochen, mit dem Ausland in größerem Umfange wiederum in Austausch wissenschaftlicher Arbeiten einzutreten. Es wurde dabei klar hervorgehoben, daß die Valutazuschläge,' denen auch die für das Ausland bestimmten wissenschaftlichen Werke unterworfen sind, dem Ansehen und der Ausbreitung der deutschen Wissenschaft im Auslande mehr schaden, als sie dem Reiche finanziell nützen können. Die Frage der Stellung der Privatdozenten stand im Brennpunkt der Tagung. Handelte es sich doch um die Sicherstellung des akademischen Nachwuchses und damit der deutschen Wissenschaft überhaupt. Aus den Kreisen der Privatdozenten würbe dem Hochschultag eine Statistik vorgelegt, die das jetzige Elend der Privatdozenten deutlich zeigt. Der Hochschultag beschloß, dieser Frage seine ganz besondere Fürsorge angedeihen zu lassen. Die Frage der Leibesübungen wurde dem Ausschuß für Leibesübungen überwiesen; beachtlich ist die Mitteilung von Vr. Mall Witz, daß die neue französische Promotionsordnung eine eingehende Kenntnis auf turnerischem und sportlichem Gebiete verlangt. Über die Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft erstattete im Aufträge der Deutschen Studentenschaft Herr Holz warth Bericht. Der Vorstand beschloß, die Wirtschastsbeihilfe als die von der Deutschen Studentenschaft gegründete Selbsthilfeorganisation nach besten Kräften zu unterstützen und empfahl „den einzelnen Hochschulen und Dozenten den Beitritt zur Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft e. B- und zu den dieser angegliederten örtlichen Hilfsorganisationen". Die hochschulpädagogischen Fragen wurden dem Schulausschuß zur weiteren Bearbeitung überwiesen- Der ganze Verlauf der Tagung und ihre Ergebnisse legen Zeugnis davon ab, daß der Hochschulverband sich die Parole seines Vorsitzenden zu Eigen gemacht hat: „Das Deutschland der Zukunft muß als Großmacht des Geistes und der Wissenschaft erhalten bleiben." Zu gleicher Zeit hatte sich in Halle der ÄorWceß der preußische» Privatleute» konstituiert, der von Dozenten aller preußischen Universitäten sehr stark besucht war- Der Leiter der Versammlung, Professor Zscharnak-Berlin, berichtete über die Lage und stellte fest, daß dem Wirken des reformfreudigen Kultusministeriums doch wenigstens eine Leine Besserung zu

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