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KC-Blätter · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · p. Seite 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 73 (sequence 11)
Language
German
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' J * ■ , . - V i .... ' / . . ’ wird und daß er im Verbindungsbetriebe immer mehr Raum beansprucht. Seit der Aufhebung der Militärdienstzeit muß er der gehörigen Durchbildung des Körpers dienen. Interessant und für andere Verbände wichtig ist eine Veröffentlichung der Deutschen Burschenschaft (Sportamt der Hallischen Studentenschaft), die sich in der Nummer 3 der „Burschenschaftlichen Blätter" vom 3. Juni findet: „Hemmungen des Sportbetriedes. In ganz Deutschland nimmt die Erkenntnis der Notwendigkeit, Leibesübungen zu treiben, einen Aufschwung, wie ihn selbst Optimisten im Sportbetriebe vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten haben. Welche äußeren und inneren Umstände uns zwingen, den Sportbetrieb so zu fördern und aus der Liebhaberei einzelner eine Notwendigkeit für alle zu machen, sei hier unerwähnt, denn es ist oft genug und von berufeneren Seiten gesagt. Die deutsche Studentenschaft braucht allerdings etwas länger als das Volk, sich auf diesem Gebiete zurecht zu finden; denn die Korporationen, die Führer in dieser gewaltigen Sportbewegung sein mußten, stellen ihnen die größten Schwierigkeiten entgegen. Die Führer in der Studenten- und Korporationspolitik haben die Notwendigkeit längst erkannt und die großen Verbände haben die Leibesübungen in ihr Programm ausgenommen- Die Korporationen selbst dagegen sind vorerst nicht in der Lage, auch nur einen geringen Sportbetrieb aufzunehmen, da sie zu fest am alten guten und überlieferten Gange hängen. Ein so großes neues Moment hat natürlich nicht zwischen den alten Instituten Platz. Mehr oder weniger eifriger Sportbetrieb verträgt sich nun einmal nicht mit ständigen Kneipen und Frühschoppen. — Fechten ist zwar ein Sportzweig, aber niemals Sport. Äußerst schädlich ist es, Herz und Lunge zu erhöhter Tätigkeit zu zwingen und die staubige Luft des Paukbodens einatmen zu müssen. Die Muskulatur des einen Armes und der Schulter, evtl, die Beinmuskulatur wird gefördert, es fehlt jedoch das gleiche Schritthalten des Trainings der übrigen Muskeln. Aus oiesen Gründen ist es vom gesundheitlich-sportlichen und heutigen Tags auch vom völkisch-nationalen Standpunkt unbedingt verwerflich, nur zu fechten. Daher soll die Deutsche Burschenschaft die Leibesübungen nicht nur dulden, sondern auch fördern. Kneipen müssen eingeschränkt werden, Früh- und Dämmerschoppen müssen zum Teil fallen, an Stelle des Exbummels muß eine größere Sonnabend- und Sonntagswanderung treten. — Sport und Turnen muß für jeden Aktiven und auch für die Inaktiven bis mindestens zum 6. Semester genau so offiziell sein wie Fechten. Sportliche Wettkämpfe müssen den Ehrgeiz heben, ohne das Spezialistentum zu fördern." Vom Fechten. Die Fechtsrage beschäftigt andauernd alle großen Verbände. Teils handelt es sich um Einschränkungen des Fechtens zu Gunsten des Sports, teils um Atensurreformen, die den sportlichen Charakter des Fechtens mehr hervortreten lassen sollen. Auch die Frage der Strafbarkeit wird erörtert und ebenso die der Bestimmungsmensur. Der Ä. D.B. hat sich auf seiner letzten Tagung gegen die Bestimmungsmensur und gegen das Fechten im Kartell ausgesprochen und folgenden Beschluß gefaßt : „Der Bund sieht es als eine seiner Aufgaben an. Mißbräuchliche Anwendung des Zweikampfes durch Schaffung von Ehrenordnungen auf möglichst breiter Grundlage zu verhindern. Daher geben und fordern alle' seine Mitglieder bei Beleidigungen unbedingte Genugtuung mit der Waffe; sie sind jedoch bereit, jederzeit Zurücknahme einer Beleidigung oder Abbitte durch den Gegner auf Grund ehrengerichtlichen Spruches als. vollständige Genugtuung gelten zu lassen. Angesichts der Gefahren, die viele andere vom Gesetz erlaubte sportliche Wettkämpfe für die Teilnehmer mit sich bringen, erachtet der A. D. B. die Bestrafung der studentischen Schlägermensur als „Zweikampf mit tödlichen Waffen" für ungerecht. Er verwahrt sich auch dagegen, daß dieser traditionelle Brauch zu einem Zeichen reaktionärer Gesinnung gestempelt wird. Die Bestimmungsmensur verwirft der A. D. B., da er der Ansicht ist, daß sie einen Eingriff in die persönliche Freiheit des einzelnen darstellt und durch Überschätzen der Mensurbeurteilung zu einseitiger Bewertung der Tüchtigkeit des einzelnen führt. Er gestattet aber seinen Mitgliedern Anerkennungs- und Verabredungsmensuren, deren Zahl soweit zu beschränken ist, daß die Arbeit an den Zielen des Bundes keine Einbuße erleidet. Ein Zwang zum Schlagen von Verabredungsmensuren darf auf die Mitglieder nicht ausgeübt werden. Da der Bund die Gesamtheit seiner Mitglieder als eine einzige große Brüderschaft betrachtet, schließt er Zweikampf und Mensur unter seinen Mitgliedern in jeder Form aus." Einen durchaus gerechtfertigten Vergleich des Fechtens mit dem viel roheren und gefährlicheren Boxen bringt eine Äußerung aus Corpskreisen (Zitiert nach der Deutschen Tageszeitung vom 5. März 1921). Die meisten Menschen haben eine ganz falsche Vorstellung vom Mensurwesen, wie vom Korporationsbetrieb überhaupt. Man wundert sich darüber, daß gebildete junge Leute sich gegenseitig mit langen Messern bearbeiten, scheinbar lediglich aus dem Grunde, weil sie einen Schmiß haben möchten. Das kann man nicht verstehen oder will es nicht verstehen und möchte nun diese sogenannte „Roheit" durch strenge Gesetzesparagraphen unterbinden. Mit Gefängnisstrafen sollen in Zukunft derartige „Duelle" bestraft werden. Es wäre manchem dieser braven Reformer anzuraten, sich einmal über den Unterschied zwischen Sportmensur und Duell zu unterrichten, die einseitige Beurteilung der Angelegenheit zeugt nur von vollständiger Unkenntnis auf dem Gebiete des studentischen Waffenwesens. Mer wer sich nicht belehren lassen will, der ist auch nicht zu belehren- Es handelt sich ja um reaktionär gesinnte Studenten! Ganz klar ist nur noch nicht, mit welcher Berechtigung die netten Kämpfe, die seit einiger Zeit im Admiralspalast und an anderen ebenso bekannten Orten stattfinden, von diesen Herren anders beurteilt werden. Vielleicht ist ihnen nicht bekannt, daß sich dort Berufskämpfer wie in alter Zeit in der Arena treffen und sich zum Gaudium des Publikums, welches sehr hohe Eintrittspreise für diesen Genuß zahlen muß, so lange mit den Fäusten blutig schlagen, bis einer von beiden lang liegt. Das ist wohl keine Roheft? - Jeder Kundige weiß, daß die Sportwaffe, so wie sie auf dem Mensurboden verwandt wird, ein viel ungefährlicheres Instrument ist als der leichte Boxhandfchuh von 3 bis 4 Unzen Gewicht. Man kann getrost behauptendaß jährlich in Deutschland mehr UnglücWfälle beim Fußballspiel Vorkommen als in zehn Jahren

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