KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 71 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ZMZ Damit zum Schluß auch das Satyrspiel nicht fehle, veröffentlichen wir folgenden humoristisch anmutenden Bericht der »Voss. Zeitg." vom 20. Juni, der den verwirrenden Einfluß der Eisenacher Beschlüsse auf die Köpfe einiger Nürnberger Handelshochschüler darstellt: Dozentenstreik an der Nürnberger Handels- Hochschule. Eine Folge antisemitischer Umtriebe. Wie uns aus Nürnberg gedrahtet wird, machten sich in der Handelshochschule Nürnberg, die in der Hauptsache aus Mitteln der Stadt Nürnberg gegründet wurde, seit mehreren Monaten antisemitische Umtriebe bemerkbar. Eine Steigerung erfuhren sie durch die Gründung einer deutsch-völkischen Studentenverbindung, die den Namen führt: -,Wehrschast Franco-Bavaria". Sie gab eine Kneivzeitung heraus, die fortgesetzt Schmähungen von Dr. .Luppe und von Stadträten enthielt, die Gleich Luppe Mitglieder des Berwaltungsrates der »andelshochschule sind. Die vom Senat der Handelshochschule gemachten Versuche, die Verbindung zu einer Ehrenerklärung gegenüber den Beleidigten zu bewegen, schlugen fehl. Der Vorsitzende der Verbindung und Urheber der Schmähungen, der Student Stroemsdoerfer, wurde vom Senat mit Entlassung brdroht. Dann ließ der Rektor der Handelshochschule einen Anschlag der Franco-Bavaria, durch welchen die Aufnahme-Bedingungen in diese Verbindung kundgegeben wurden und worin u. a. von den Beitritt Suchenden die eidesstattliche Erklärung verlangt wurde, daß sie niemals eine Heirat mit einem „farbigen o der jüdischen Weibe" eingehen werden, vom schwarzen Brett der Hochschule entfernen. Die Studentenschaft demonstrierte gegen die Entfernung dieses Anschlages angeblich,. weil sie der Auffassung war, daß der Rektor auf Weisung des Stadtrats von Nürnberg gehandelt habe, da dieser fast gleichzeitig beschlossen hatte, die Entfernung des geschmacklosen Anschlages vom Rektorate zu fordern. Eine Minderheit der Studenten tat unter Führung Stroemsdoerfers einen kränkenden Schritt gegen Rektor und Senat. Hierauf traten am 15. 6.. die halbamtlichen und nebenamtlichen Dozenten der Handelshochschule in den Streik, d. h. sie stellten ihre Vorlesungen ein. Am 17. 6. befaßte sich dann eine nichtöffenttiche Studentenversammlung mtt der Angelegenhett. Heute am 20. 6. ergeht nun vom Senat und dem Studentenausschuß der Handelshochschule an die hiesige Presse eine Mitteilung, welche über diese Studentenversammlung besagt, daß ihr Stroemsdoerfer trotz wiederholter Einladung ferngeblieben sei, desgleichen die gesamte Wehrschast Franco-Bavaria, da sie wegen in den letzten Tagen erfolgter Austritte „mangels Burschen zu suspendieren gezwungen war". Die Versammlung billigte das Disziplinarverfahren gegen Stroemsdoerfer, sprach dem Rektor und dem Senat das volle Vertrauen aus und legte gegen den Beschluß des Stadtrates Nürnberg auf Entfernung des Anschlages aus dem Grunde Verwahrung ein, da er eine Gefährdung der akademischen Freiheit bedeute. Auf Grund dieser Beschlüsse wurden nunmehr die Vorlesungen an der Handelshochschule wieder ausgenommen. Der Senat'hat die Entlassung Stroemsdoerfers beschlossen. Zur Jttdenfrage. Bei der Pfingsttagung des Kösener S. C. V. wurde folgender Beschluß angenommen: ,Hn der Judenfrage wurde die Interpretation zu § 3 Ziffer 3 der Kösener Statuten in der vorigjährigen Fassung, wonach die Aufnahme von Juden ausgeschlossen ist,! dahin ergänzt, daß nicht die Religion, sondern die Abstammung entscheidend sei und die jüdische Abkunst näher bestimmt. Die derzeittgen Jnhaberder Cörpsfarben sollen von diesen Beschlüssen nicht betroffen/ werden." / Man ist so vorsichtig gewesen, die „derzeitigen Inhaber der Corpsfarben" nicht mehr der Bluts-! probe zu unterwerfen. Wenn Philipp Staufs, den Semi-Gotha in der Hand, fürchterliche Musterung hielte, würde gewiß manches feudale,; Corps sich plötzlich vieler Alter Herren beraubt sehen. Aber auch bei milderer Beurteilung fiele genug fort. Wir gestatten uns dem hohen K. S. C. B. einen guten Rat zu geben. Auf dem Denkmal der in den Kriegen von 1866 u. 1870/71 gefallenen Korpsstudenten, das sich auf der Rudelsburg erhebt, finden fich die vier kompromittierenden Namen Benno Lit t.h a u er, W. Berliner, G. Gotthein er und. Moritz Besser. Warum nicht reinen Tische machen und gegen diese vier, die hinreichend semitischer Abstammung verdächttg sind, das Hauptverfahren eröffnen und sie nachträglich streichen? Das wäre noch eine Tat l Auch der A. D. B. hat wieder einmal seinen Gefühlen freien Lauf gelaffen und die Judenfrage behandelt. Auf der Pfingsttagung wurde folgende Entschließung gefaßt: „Im nachrevolutionären Deutschland spielt der Einfluß des Judentums eine so überwiegende Rolle, daß der Bundestag glaubt, zu dieser Frage Stellung nehmen zu müssen. Er ist der Meinung, daß unter den Führern. der internationalisierenden Weltanschauung eine ungewöhnlich große Zahl jüdischer Staatsbürger zu finden ist, und daß die große Masse des Judentums infolge' ihrer stark merkanttlistischen Denkart und ihrer geringen Einpassung in deutsches 'Denken und Fühlen auf der Seite des Weltbürgertums steht, und er bedauert, daß diejenigen Juden, die erllären, sich ganz als Deutsche fühlen, doch aus ihrem starken Rafsegefühl heraus nicht offen und deutlich von Ären dem Deutschtum verhängnisvollen Stammesgenossen abgerückt sind. Die Mitglieder des A.DB. sind daher, ohne sich auf den Boden eines schrankenlosen Rasieantisemitismus zu stellen, gewlllt, den überstarken Einfluß des Judentums namenttich dott, wo er den nattonalen Zielen des Bundes entgegensteht, zu bekämpfen, und bekennen sich zu bewußter Gegnerschaft gegen den Geist, den man gemeinhin den jüdischen'' nennt, mag er sich bei jüdischen oder nicht-jüdischen Staatsangehörigen; zeigen. Zur Aufrechterhaltung des germanischen Charatters des A. D. B., um der Einheitlichkeit seiner Jungburschenschaft, um der Ausschaltung jeder inneren Gegensätzlichkeit bei der Erfüllung seiner vaterländischen: Aufgabe willen ist seit dem Jahre 1919 die Aufnahmen jüdischer Studenten endgültig ausgeschlossen. Wir hoffen, daß man dem einstmals fortschritttich gesinnten A. D. B. nun endlich seinen waschechten Antisemitismus glaubt, damit er sich nicht immerfort mit demselben Thema zu beschäftigen braucht. Der andauernde Eifer muff doch einmal in der Anerkennung des »Völkischen. Beobachters" den wohlverdienten Lohn finden. ’4e58! '