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KC-Blätter · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 53

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 53 (sequence 21)
Language
German
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53 SnunvciKtt, erst dann kann die reine Vernunft realeren. iSiu starker Zug und) Erneuerung religiösen Lebens im Einzelmenscheit und in der (Gesamtheit, nach Bcsestiguug von vorhandenem und Wiedereinpjlanzen von verlorenen! religiösen Emvsinden erfüllt unsere Tage. Mit vollem Recht. Religion, -gleichviel in welcher Art und Form, ist ein unentbehrlicher Besitz sür die Mcnsdilieit, deren Grössten und Besten tief religiös empfanden. Diese Zeiterscheinung i st die notwendig e i n s e tz e n d e Reaktion auf den grenzenlosen Materialismus und.Rationalismus. Wer zuviel Lekt genossen, sehnt sich Aach einem Trunk guclljrischen Walsers. Erfreulich, das; auch in der jüdischen Jugend Wunsch' und Wille sich regt nach jener Erneuerung. Welche Religion schasst dasiir günstigere Voraussetzungen als die jüdische! Eine Religion von einer solchen gedanklichen Weile, solcher Unendlichkeit ihrer Ideen läszt den freisten Spielraum zur Entfaltung religiösen Lebens in jeglicher Form und Abstufung. Cnggesesselte Orthodoxie und rein illnerliches Bekennertum haben Raum. Eine Religion, die in ihrer unübertresslichen Eiusad)heit ohne schiver fasstiche Konstruktionen. an keinerlei dogmatische Fesseln gebunden, dem Einzelmenschen volltommensle Herrschaft des Gefühls verleiht. Hier bleibt die Religion Religion: inneres Erleben, hehres Empsinden, beglückendes Gefühl. überall: in der Natur, in jeder Lebenslage, in Freude und im Leid. In diesen Herrschastsstundcn des Gefühls tönt ein ferner Klang in deinem Innern wieder, von dem was in dir göttlich, nicht irdisch ist, was dich .zmn Menschen stempelt. Willst du aber diese Resonanz nicht hören, dann bist du taub gegen dich selbst, und verachtest du diese Stimme, dann wirfst du dich selbst fort! — Unglaublich, mit »velcher Kühnheit oft unreifes Besserwiiserlum, Überlegenrun (statt übcrlegensein), ein arges „Jngendtum" diese Gefühlswerte schmäht, weil sie „wissenschaftlicher" Erkenntnis nicht standhalten. Als ob diese Gefühlswerte, in den Dienst der Wissenschaft von irgendwem eingestellt werden sollten und konnten! Warum gestattet man A n r der Wissenschaft den Selbstzweck, warum ist nicht auch die Religion um ihrer selbst willen da! Kann ein sehender, begreifender Mensch kein „Mensch" sein! Must ein Herkules notwendig Totschläger sein, ist er weniger wertvoll, wenn er auch Religion hat. Wie reimt es sich zusammen, das; diese selben überweisen Menschlein, die die Religion verhöhnen, die Macht der Töne ergreift, die Gedankentiefe einer Dichtung Packt, die Wecke der bildenden Kunst, und selbst ihrer, modernen Verirrungen, bewundern.! Wo bleibt d a die wissenschaftliche Erkenntnis, wo die reine Vernunft'? — Wie tief religiös cmpkand ein Kant, ein Beethoven, ein Goethe! — Es scheint also dock) noch Dinge zu geben, die inan gcsühlsmästig nimmt und nehnren darf, das höchste der Gefühle, das religiöse Empfinden aber must gewaltsam unterdrückt werden! Die Bewegung der modernen jüdischen Jugend greift hier ein und will allen denen, die noch empfänglich sind für religiöses Leben und Erleben, diese Werte geben, fördern und erhalten. — Wie stellt sich der K. C. zu diesen Bestrebungen? Seine Verbindungen haben da einen schweren Stand. Sie sind ja nicht „religiös"-konsessionell wie die kath. Verbindungen: sondern konfessionell als Folge der Verhältnisse, ohne konfessionelle Verbindungen zu sein. Sie sind rein „studentische" Verbindungen (und sollen cs bleiben), deren Tendenz die Gleichheit des Bekenntnisses unter den Mitgliedern fordert, die im übrigen aber sich um die religiöse Anscl>auung ihrer Glieder mit vollem Recht gar nicht kümmern. Zwang in studentischen Dingen, als den Fundamenten einer „studentischen" Korporation; aber Freiheit in persönlick)en Fragen, Politischen und religiösen. , Ter Charakter als rein studentische Verbindung erschwert also die Stellungnahme zu religiöser Betätigung im Sinne der modernen Bewegung. Trotz alledem must unser Streben dahin gehen, religiös empfindende Elemente als Nehmer und die zugleich religionswissenschastlich geschulten Kräfte als Geber zn sammeln und zu stützen. Innerhalb der Verbindungen anregen und fördern, austcrhalb regste, tätigste Mitarbeit an allen im Dienste der Bewegung stehenden Einrichtungen. Der K. C.er zeige durch die Tat, das; solches Wirken sehr wohl vereinbar ist mit der Wahrung studentischer Sitten und Gebräuche! Es ist Pflicht der Verbindungen, die Tatbereiten anzurcgen und zu fördern, die anderen aber zur Ehrerbietung und Achtung gegenüber dem ihnen fremden Gefühl zu erziehen! Dann leisten wir wertvolles zur Erneuerung des religiösen Lebens in unserer Religionsgemeinschaft und tragen zu ihrer Erhaltung und Stärkung bei. Damit verrichten wir, tote es allein eines echten jüdischen Deutschen würdig, jüdische Kulturarbeit innerhalb unseres deutschen Vaterlandes. Die Religion erhalten, hcistt sie besitzen; sie achten, ihr den Weg ebenen. Verstehen wir die Zeichen der Zeit! Tun wir jenes beides: dann brauchen wir in der Verbindung keine Religion und dürfen sagen: „Meine Ehre ist mir nächst Gott das Höchste!" ttkademlsche und allgemeine Nachrichten. vom NniversitätSstttdium der Frau. Der Zugang der Frau zu den Univerfitätsstildien vollzog sich anfangs, als sich ihr vor etwa 15 Jahren-die Psorteni der hohen Schulen öfsneten, ganz langsam und tastend, bald aber ungestüm und schliestlich, namentlich im Laufe des Kriegs, so stürmisch, dast tnan der tveitercn Entwicklung nur mit Sorge entgcgensehen konnte. Dies trifft auch für die Berufswahl der Studentin im besonderen, ihre Verteilung ans die einzelnen Zweige des akadentischen Studinms zu, zumal bei ihrer Beschränkung ans wenige Gebiete. So ging der Studentinnenstrom längere Zeit namentlich zur Medizin und zum höheren Lehramt sprachlicher und naturwissenschaftlicher Richtung und' neucstens sind Nationalökonomie und Zahnheilkunde die bevorzugten Berufe. Der Zuslust der Frau zur Universität ist jetzt anscheinend zum Stillstand gekommen und auch die Studienrichtung zeigt bemerkenswerte Änderungen. Die Zahlen mögen dies verdeutlichen: Im Herbst 1905 begann bas Frauenstndium mit 140 Frauen, 1908 als die preustischen Universitäten dem weiblichen Geschlecht zugänglich wurden, stieg die Zahl auf 1100, bis zum Sommer 1914 auf 4130, 1916 auf 5500 und im Winter 1919/20 auf 8300. Diesen Winter trat ein Rückgang ans 8017 ein, zrocisellos die erste sichtbare Folge der Überfüllung der akademischen Berufe und des Konkurrenzkaiupses der Geschlechter. Die Gründe der Zurückhaltung der Frauenwelt gegenüber dem akademischen Studium zeigt ihre derzeitige Verteilung auf die einzelnen S t u d i e n f ä ch e r und die darin eingetreten Veränderungen näher: Die Aussichtslosigkeit des Lehrerinnenberuss und die Unmöglichkeit für die Frau, sich in der Medizin ein grösteres Arbeitsfeld zu erobern. So gingen die Studentinnen der Philosophie, Philologie und Geschichte innerhalb des letzten Jahres von 3200 auf 2968 zurück, diejenigen der Mathematik und der Naturwissenschaften von 1300 aus 1142,

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