KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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50 ist. War diese Kammer", damals „Asta, allgemeiner Stndentenansschnß", auf der Göttinger Tagung mit sechs Stimmen der gesamten deutschen Studentenschaft vertreten, wird sie rechtlich auf dem diesjährigen Erlanger Studententag nur drei Stinuuen beanspruchen können. Eine derartige Vertretung der Studentenschaft der Wiener Universität kann daher niemals den A u s p ru ch erhebe,t, die Gesamtheit der Studenten zu vertreten. Dies ist rechtlich unmöglich. Aus den angeführten Gründen hat auch der Rektor keine Möglichkeit gesehen, diese Vertretung für mehr als Vertretung ihrer organisierten Wähler anzuerkennen." Diese Wahlen nub die Versuche, ihr Ergebnis aus eine Stufe mit den Wahlen aus deutschen Universitäten zu sehen, ulüsselt sehr genau beobachtet werden. Suchen doch die antisemitischen Herren sich nachher als Vertreter der österreichischen Studenten überhaupt auszuspiclen und üben sie doch f.ünen nicht kleinen Einfluß, da sie gur deutschen Gesamtorgauisation - zugelassen sind, ans die Stimmung und Haltung der reichsdentschen Mehrheit aus. Wmn man bedenkt, daß die Eisenacher Beschlüsse der Burschenschaft, wie Heute zur Entschuldigung gesagt wird, unter dem radikalen Einfluß der Wiener Verbindungen entstanden sind, wird man die Gefahr nicht; groß genug eiuschätzen können und rechtzeitige Vorbeugungsmaßregeln treffen müssen. Nelle Strönnmgen im Zionismus. Ernsteste Aufmerksamkeit verdient der Umstand, daß im Zionismus sich eine neue Föderation „Binjan Haarez" (Aufbau des Landes) gebildet hat, der von namhaften Führern Dr. Kollenscher, Bros. Dr. Weil, Prost I)r. Carl Löwin, Dr. Klee, Justizrat Bodenheimer, Köln, Dr. Emil Cohn, Bonn und Dr. Adolf Friedemann, z. Z. Amsterdam angehören. Diese neue Partei im Zionismus ist fraglos eine Reaktion auf die verstiegenen nationaljüdischen Forderungen der letzten Jahre, die insbesondere mit dem Schlagworte von der „nationalen Autonomie" Perspektiven eröffnet haben, von denen schließlich jeder klar denkende Kopf «erkennen mußte, daß sie die Judenhcit ins Unglück führen. Demgegenüber bekennt sich „Binjan Haarez" nur zum Basler P r o g r a in m, tritt demgeniäß für Palästinaaufban ein, rechnet aber.mit den Notwendigkeiten der Diaspora und verlangt dort gleiches Recht auf Grund der innerlichen (also doch wohl kulturellen und nationalen) Verbnudenheit. Sie betont die politischen, wirtschaftlichen und geistigen Beziehungen, ebenso das Interesse «an der Außenpolitik des Staates, in dem der Jude lebt. Bekenntnis zum Basler Programm bedeutet schon Zionismus. Man wird unschwer erkennen, daß diese Reugründung geistig auf dem Buche von Zolls ch an (Revision des Rationalismus) beruht, das auch in diesen Blättern ausführlich besprochen, wurde. Und in Wirklichkeit ist ihr [j Ideengehalt eine verschämte Rückkehr zu den An- 1; schaumigen, die bezüglich des Rationalismus im ß Zentralvereiu und allen deutschgesinntcn Kreisen | von jeher üblich waren. Das muß selbst aus biß;j| Gefahr hin gesagt werden, daß diese Feststellung die neu etitstaudeue Fraktion noch mehr bei dem echten „unentwegten" nationalen Zionisten in jf Mißkredit bringt, als es jetzt bereits der Fall ist. Bemerkenswert ist der Gesinnungswechsel von so «radikalen Führern, wie Kollenscher und Klee. f So sehr das neue Gebilde unsere Aufmerksamkeit 'j fesselt, so sehr sei allerdings auch vor irgendt welchen vorschnellen Schlüssen gewarnt. Daß einige Geister zur Vernunft gekommen sind, bef deutet kroch lange nicht, daß der Zionismus sein | für die Riederlassungsländer gefährliches Spieleil % mit dem nationalen Feuer läßt. . i* Humor! Die Mürznummer der „Burschenschaftlichen;r$ Wege", des Lrgans des A. D. B. enthält folgender! Notschrei, den inan mit der nötigen Andacht geniesten wolle:; ■£ Wie gegen den A.D.B. gekämpft wird. (Tägliche Rundschau 20. 1. 1921, Nr. 45, und 4. 2., Nr. 57.) In einem ] Aufsatz über den „'Stu fmarsch der Parteien zu;r den Wahlen der Studentenvertretung" an der Berliner Universität findet sich nach Nennung der «>' anderen Gruppen auch folgender Absatz: Die Berliner Hochschulgruppe, die sich aus der früheren Liste der ungebundenen Kriegsteilnehmer und der parih tätischen Gruppe znsammensetzt, umfaßt Nichtkorporierte und Inkorporierte (Bnrschenbundskonvent, A.D.B., K.C.). Auf einem ihrer Wahlaufrufe findet sich die folgende Stelle:;y „Wir treten ein für Gleichberechtigung aller Studierenden 'X ohne Geschlechts- und Klassenunterschied." Daß ein solcher Wortlaut in den Kreisen der Studentenschaft eine gewisse Belustigung hervorrief, kann man sich denken, und dürfte;-!) derselbe kaum geeignet sein, der B.H.G. neue Wähler , -i znzu führen. Ü Der Verfasser des Aufsatzes (W. H.), der nach der ganzen! Ansdruckstvcise mir ein Student sein kann, mußte es doch!;■ klar sein, daß ein burschenschaftlicher Verband wie der j;. A.D.B. nicht mit dem K.C. (den jüdischen Korporationen) w Zusammengehen kann. Aber, wenn es dem A.D.B. eins auszuwischen gilt, dann ist dazu jedes Mittel recht. Tat- § sächlich hat der A.D.B. beschlossen, die Liste der Waffenl! stndenten zu unterstützen, und seine Mitglieder aufgefordert, tz für die Liste der „deutschen Gruppe" zu stimmen. Die ß „Tägliche Rundschau" hat denn auch in dankenswerter Unf Parteilichkeit den Mißgriff ihres Berichterstatters wieder | gut gemacht, indem sie folgender Berichtigung der Präsiß dierenden des Berliner A.D.B. Aufnahme gewährte. i „Bii den S tu d e n te n w ah le n. Die im Berliner A.D.B. präsidierende Burschenschaft „Prnssia" bittet z. uns mitzuteilen, daß die in dem Artikel „Aufmarsch der U Parteien zu den Wahlen der Studentenvertretnng" in I Nr. 45 vom 28. Januar niedergelegte Ansicht, der A.D.B. i habe sich dem K.E. und B.C. angeschlossen, jeder Grundläge entbehrt. Vielmehr ist bei der Entwicklung des A.D.B. '§ in dem letzten Jahrzehnt eine Interessengemeinschaft mit H den genannten Verbänden vollkommen ausgeschlossen." ß Erleichtert atmet man auf! Den A.D.B., der | so schön diligentiam prüstiert und sich mit großem \ ' I