KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 48 (sequence 16)
- Language
- German
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48 zu Gunsten der Notwendigkeiten der Gesamtheit zurücktreten zu lassen, sondern die innere Disziplin des Geistes und der Gesinnung, die aus egoistischen Eigenbrödlern, aus Individualitäten oft sonderlichster und unangenehmster Färbung, selbstbewußte Persönlichkeiten schasst. Nützliches Glied .der Gemeinschaft wird man durch eine auf Disziplin beruhende Erziehung, und als Führer kann nur fruchtbar .wirken, wer durch diese straffe Schule hindurchgegangen ist. Disziplin ist vor allem eine Tugend, ohne die ein lebendig wirken« des Judentum undenkbar ist. Freilich gilt das auch von jeder wirklich strebenden Gemeinschaft. Es ist kein Zufall, daß ausgeprägte Persönlichkeiten und Führernatnren wie Bismarck durch eine Korporationserziehung hindurchgegangen sind. Und vielleicht überlegen sich auch die vorhin erwähnten die Feinde der "„schauspielerisch anmutenden Äußerlichkeiten" von diesem Gesichtspunkte einmal, daß hinter ihnen ein ernstes, sehr segensreiches Prinzip steckt, das um so notwendiger ist, als die religiöse Erziehung, die trog der sachlichen ungeheuren Verschiedenheit formell tuif dein gleichen Grundsätze der Disziplin beruht, immer weniger wirkt. Pro patria est, dum ludere videmur. Die völkische Frage. Während sich die meisten großen Verbände auf den völkischen, d. h. antisemitischen Standpunkt gestellt haben, ist beim Kösener S. C. die Entwicklung noch im Gange. In der Märznummer der deutschen Corpszeitung nimmt VerwaltiingsgerickNsdireltor Dr. Max Lösener zur völkischen Frage Stellung. Die Vorwürfe, die er gegen die Corps erhebt — er vermißt eine starke Betätigung der nationalen Gesinnung — interessieren hier weniger als die Tatsache, daß er auch sie in ein völkisch antisemitisches Fahrwasser drängen will. Beinahe frei von radauantisemitischcr Verhetzung — auch das muß ja heute bereits als ein Verdienst verzeichnet werden — geht er leinen .eigenen! Weg. Er verlangt, daß „A n g e h ö r i g e nichtarischer R a s s e n von der Aufnahme a u s g e s chl o s s e u" werden, verauickt aber seinen Standpunkt 'mit keiner politischen Partei. Er will, »daß der Corpsstudent überall in seiner Partei — insbesondere der demokratischen und sozialdemokratischen — völkisch wirke. Er sagt: „Ich glaube die Sachlage so richtig zu beurteilen, bin aber allerdings der Meinung, daß nicht nur unser unpolitischer Charakter, auch auf die Gefahr eines Bruches mit der Vergangenheit uu$ nicht hindern darf, cmsgesprochcnermaße völkisch zu werden, sondern daß auch diese Um« stellung unbeschadet unserer Überlieferung erfolgen kann. Ich sehe wenigstens nicht ein, weshalb sich in einem völkischen K. S. C. B. nicht Anhänger aller politischen Richtungen begegnen sollen. Wenn das politische Bild der Gegenwart noch anders anssieht, wenn für einen völkisch gesinnten Mann z. Zt. tatsächlich nur die Parteien der Rechten in Betracht kommen können, so ist dies kein Beweis für eine einseitige politische Orientierung der Corps, sondern nur eine Folge des bedauerlichen Zustandes, daß die anderen Parteien es bisher nicht fertig bekonnnen haben, sich bei Verfolgung ihrer Ziele in nationalem Rcchmen zu halten. Sind sich aber erst einmal alle in völkischem Stolze gleich, so entfällt jeder Grund, Unterschiede zu machen. Ja hier könnte gerade uns unpolitischen, d.h. von parteipolitischen Schenklapven ungehinderten Korpsstudenten eine ungeahnte Aufgabe erwachsen, nämlich: Männer heranznbilden, die so fest in ihren nationalen Schuhen stehen, daß über allen politischen Wandlungen, die des Lebens Fahrt sie führen mag, völkische Denkweise ihre Worte und Taten unwandelbar bestimnct. Und ich möchte alle die alten nnd jungen Korpsbrüder, die bei den Wahlen dem Vaterlande etwa mit einem demokratischen oder sozial« denwkratijchen Stimmzettel am besten zn dienen glaubten, anfrnsen, hier Bresche zn legen. Denn ich ziehe ihre eigene nationale Gesinnung nicht einen Augenblick in Zweifel, aber ich bedanre, sie in einer Gesellschaft zn sehen, in der diese gute Gesimucng zum Schaden des Vaterlandes leider nicht zur Auswirkung kommen kann. Bringen sie es fertig, der nationale Sauerteig in den Parteien ihrer Wahl zu werden, sie würden sich ein unsterbliches Verdienst um Volk und Vaterland erwerben. Eine deutsch-sozialistische Partei hat sich ja gebildet: welcher etwa sozialistisch denkende Korpsstudent wird ihr Führer? Er konnte sich nnd sein Band hoch zn Ehren bringen. Dcr wer sich znm bewußten Bannerträger der internationalen Sozialdemokratie oder einer Demokratie der jüdisch-internationalen Richtung des Berliner Tageblattes macht, für den ist m. E. in einem völkisch gerichteten S.C. kein Platz mehr. — Das Gesagte führt zn folgenden Vorschlägen: 1. Der § 3 der Kösener Satzungen erhält wieder seine alte Fassung; der § 43 die folgende: Das Korps ist eine Bereinigung immatrikulierter Studenten derselben Universität auf dentsch-voUischer Grundlage mit denr Zweck, die Mitglieder in aufrichtiger Freundschaft zn verbinden und — ohne Beemflnssnng ihrer religiösen, wissenschaftlichen nnd politischen Richtung — zn Vertreten: eines ehrenhaften nationalen Stndentcntums nnd zn charakterfesten, tatkräftigen, pflichttreuen Männern zn erziehen." Die Ausführungen sind voll der tiefgehendsten Widersprüche. Wenn man völkisch gesinnter, sozialdemokratischer Corpsstudent sein kann, so beweist es, daß die völkische Gesimmng nicht -an die Partei gebunden ist. Wer aber zugibt, daß man als Demokrat oder Sozialdemokrat national sein kann — Misere Antisemiten hüten sich klüglicherweise vor so uuvorsichligeut Zugeständnis — wird kaum cm dem Grunddogma dieser Partei vorübergehen können, daß nationale Gesinnung nicht von. der Abstanunung, sondern von der Persönlichkeit nnd dem Willen abhängig ist. Damit füllt aber die ganze künstliche Konstruktion zusammen. Eine antisemitisch-völkische Demokratie ist keine Demokratie, sondern eine Vorspiegelung falscher Tatsachen! Man dürfte kaum fehlgehen in der Annähme, daß der Verfasser des Artikels der völkischantisemitischen Manie unbedingt Zugeständnisse machen, dabei aber die alten guten unpolitischen Corpsgrundsätze nicht preisgeben will. Daß Liebknecht (der Vater) bis zu seinem Tode Corpsstudent war, ist ein Umstand, auf den die deutschen Corps, mft Recht stolz sind und sein wollen, daß -? \ a i