KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 47 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2268830-2268931-2268933--2691-2271860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
47 ren jungen Juden, zu denen Ihr wirklich gehört! Dann seid Ihr wirkliche studentische, jüdische Jugend und könnt als solche etwas leisten. Daun ist es auch nidjt mehr nötig, „Opfer" zu bringen, die in Wahrheit keine sind Verkehrter als Frank konnte man ganz gewiß nicht die Lachlage beurteilen. Wenn er den einen K. C.er 'gegen dem anderen auszuspielen! versucht, so richtet sich ein solches vergebliches Bemühen von selbst. Daß innerhalb unseres Verbandes, lvie bei jeden! anderen auch, verschiedene Meinungen über den Wert der Coulenr und der Mensur vorhanden sein können, ist noch nie bestritten.worden. Wenn aber der K. C. erst jüngst gelegentlich der Beratung der Ladungen sich einhellig sowohl auf den Standpunkt der unbedingten Satisfaktion wie auf den des C 0 uleurtrageus satzungsgemäß festgelegt hat, ohne daß auch nur ein einziger alter oder junger M\ (5.er deshalb ausgetreten wäre, so wird auch Herr Frank daraus die Lehre ziehen können, daß man die Dinge etwas weniger voreingenommen und oberflächlich, als er es tat, auffassen muß. Unter den sechzehnhundert K.C.ern werden doch selbst nach der Meinung des Herrn Frank eine ganze Anzahl leidlich verständiger Leute sein, die trotzdem in der Couleur und der Mensur keine „schauspielerisch anmutenden Äußerlichkeiten" sehen. Und wenn man fragt, was mit diesen Dingen im Kampf gegen den Judenhaß erreicht uwrden ist, so ist die Frage an sich seicht und unüberlegt. Bedeutet es für das Recht und die Wahrheit des Judentums, für die Vorzüglichkeit seiner Mittel auch nur das geringste, daß der geschichtliche Erfolg nicht auf seiner Seite war? Überdies ist aber in Wahrheit gerade durch den K. C.er und seinen Weg viel erstritten: worden, wovon auch Herr Frank profitiert hat. Der K. C.er hat den jüdischen Studenten Achtung verschafft, und wenn heute trotz der überwältigenden Stärke.antisemitischen Geistes man es auch in akademischen Kreisen Deutschlands bei einem im letzten Grunde doch kraftlosen Maulheldentum bewenden lassen muß, wenn man es nicht, jtvie in anderen Ländern, wagt des jüdischen Akademikers Recht anzutasten, so dürfte hieran der Anteil des K.C. kein kleiner sein! Ernster ist schon, wenn Herr Frank von einer völligen '.Entfremdung zwischen farbentragcnden jüdischen Studenten und der übrigen jüdischen Jugend spricht. Bisher hat man davon bestimmt nichts gehört, verkehren doch die K. C.er an allen Universitäten aufs freundschaftlichste mit den Jugendorganisationen, in denen sie fleißig Mitarbeiten. Daß beispielsweise Or. K r o m - bach und vr. Alexander, Führer der newtralen Bewegung, auch K. C.er sind, wird ja Herr Frank ebenso wissen, wiedaß bei den „Kameraden" und dem „Jli" Glieder unseres Verbandes eifrig arbeiten. Wenn einmal ein krasses Füchslein, um der Dame seines Herzens zu iniponieren, sich auf sein Band und seine Mütze etwas zu Gute tut. wer wills ihm verübeln, der für jugendlichen Sinn Verständnis hat! Berührt doch dieser Stolz weit natürlicher und sympathischer als die blasierte Überheblichkeit seichter Besserwisser und die grenzenlose Einbildung von Jünglingen und Jungfrauen, die vor ihrer eigenen „Geistigkeit" anbetend auf den Knien liegen. Es ist alles nur Geschmackssache! In Wahrheit ist aber von solcher Entfremdung 'nichts zu spüren gewesen, und so weit es auf die K. C.er ankommt, wird gewiß die Einheit nicht gestört werden, die nur auf Achtung vor den gegenseitigen Prinzipien sich aufbauenkann. Sollte es anderswo anders sein, und sollte man vielleicht dort deshalb auf die angebliche Entfremdung Hinweisen, weil man sie wünscht und von ihr träumt? Soviel von .Herrn Frank, der rveder den K. C. aus seincr Ruhe bringen, noch sein Verhalten zu anderen Jugendorganisationen ändern wird. Was ab er, so ist zu fragen, hat die .Berbau dsLeitung der neutralen Jugendvereine in so schwerer Zeit, die das feste Zusammenhalten erforderlich macht, veranlassen können, einen so unüberlegten und häßlichen Angriff in ihr«- Blätter aufzunehmen? Der K. C. hat noch auf seinem vorletzten Verbandstage durch eine an dieser Stelle veröffentlichte Resolution seinen Mitgliedern die Mitarbeit in der neutralen Jugendbewegung anempfohlen. Glaubt der Verband auf diese Weise die Arbeitsfreudigkeit zu heben, oder hat man so wenig Sorgen im eigenen Hause, daß man aus Übermut sich seine Freunde verscherzen will? Der K.C. hat stets den Willen gehabt, auch mit'der neutralen Jugendbewegung zum Wohle des deutschen Judentums friedlich und einig zu arbeiten. Wozu also die Angriffsfanfaren? 6ui dono? Auch die 5k am er a den Zeitschrift erwähnt in ihrer Märznummer den K. C. In -einem „Zur Einheit" überschriebenen Artikel beschäftigt sich Fritz Weg im wesentlichen mit dem' Verhältnis der .„Kameraden" zu „Blau-Weiß". Dabei fällt auch ein gutes Wort über den K. C. „. . . . und nicht zuletzt ist hier der K.C. zal nennen, der manche jüdische Unarten — z. B. die Disziplinlosigkeit — wirksamer und besser bekämpfen kann als wir." Vielleicht hat Weg hier wider Willen etrvas unendlich Wahres, mehr vielleicht gesagt, als er sagen wollte: denn ihm wird man ja glauben dürfen, daß andere Organisationen hierin nicht das notwendige erreichen. Disziplin ist tatsächlich das höchste Erziehungsprinzip des K. C., freilich nicht nur die äußerliche Unterordnung, dis Kraft sich selbst zu bezwingen und seinen Willen