KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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46 naldeutscher Iuden vollständige Zurückhaltung saufzuerlegen." Anerkennung findet Naumann einzig und allein in der Zeitschrift des B.C. der „Deutschen Hochschule", wo vr. O. F. Scheuer unter Hervorhebung des Umstandes, daß Naumann „Alter Herr" des Burscheubundes Brandenburgia-Berlin ist, wünscht, daß die Abhandlung die Grundlage der Auseinandersetzungen über die Judcnsrage bei burschenschaftlichen Abenden und Fuchsenkränzchen swr B. C.-KorPorati.onen bilden möge! Die Ideen des Centralvereins sind wie alles MensclMwerk ebensowenig über jede Kritik erhaben wie die Wege, die er zu ihrer .BertvirNichung einschlägt. Es dürfte aber in keiner anderen Geimeinschast als der nnsrigen Sitte sein, daß in Zeiten schwerster Gefahr — und diese durchleben wir heute — der innere Kampf 'in die breite Öffentlichkeit hinansgetragen wird. Ob tatsächlich in dieser oder jener Frage mehr Klarheit und Festigkeit seitens des Centralvereins am Platze gewesen tväre — ich persönlich muß es verneinen —, ist lediglich Aufgabe der Anseinanderlsetzung innerhalb des Vereins. Man kann Naumann den schweren Vorwurf nicht ersparen, daß pr ohne Rücksicht auf die notwendigen Kianso- Anenzen gerade in der Zeit der furchtbarsten vaterländischen und jüdischen Not einen Zankapfel in die Reihen der deutscligesinnten Juden geworfen hat. Der Judenhaß 'holt zu den schwersten Schlägen ans, unbedingte Disziplin innerhalb der Reihen der sich zum Vaterlande bekennenden Juden ist Daseinsbedingung, vr. Naumann gründet aber eine neue Partei, die den Kampf gegen Juden zur Voraussetzung des Wirkens hat! Jeder deutsche Jude ist mitverantwortlich für das Geschick seiner Gemeinschaft. Und bitter inot tut ein Aufruf zur Besonnenheit, eine Mahnung An das Verantwortlichkeitsgefühl. Jeder prüfe und wäge mit Sorgfalt und Voraussicht. Er wird aber, wenn er es tut, unbedingt erkennen, daß nach dem Werte des Centralvereins Naumanns Verband ein „unseliges Beginnen" ist, Und des Centralvereins Warnung soll wegen ihrer inneren Berechtigung hier ihre Stelle finden: „Wir warnen aufrechte und einsichtige Juden, unseren Feinden diese ineue Waffe in die Hand zu drücken! Laßt uns die Pfeile bündeln, damit sie nicht vereinzelt vom Gegner zerbrochen werden! Friede ernährt, Zwietracht verzehrt!" - vr. Felix Goldmann (Thur., Saxobav.). Umschau. Aus der Jugendbewegung. . * Im Januar-Fcbruarhest der „Mitteilungen j des Verbandes der (neutralen) jüdischen Jugendl'.tz' vereine Deutschlands" schreibt ein Herr Ludwig F rank über den jüdischen Studenten allerlei tiefe ' je Weisheiten, die an sich weiter nicht beachtenswert wären, wenn sie nicht einen recht häßlichen Angriff gegen den K. C. enthielten. Frank sagt: „Und nun zn den „Farbenstudcnteu". Die Auffassung l (die noch allzusehr lebendig ist I), die in der Studentenschaft - l einen nach besonderen Gesetzen lebenden, vor allem unter [ f eigenen Ehrbegriffen stehenden Bevölkernngsvil sieht, geht auf die traditionellen Borstellungen des alten, feudalen 1 z, Ständestaates zurück. Nittcrehre — Osfiziersehre — Stu-; l: dentenehre: anders sind diese merkwürdigen Tinge nicht ' » zn erklären. Mit einer unbegreiflichen Zähigkeit hält geä rade der deutsche Korporativnsstudent an all den Außerlichkeiten und Spielereien fest, durch die er sich und der Welt immer noch beweisen will, daß er Angehöriger eines;!>) „Standes" von ganz besonderer Art ist. Tatsächlich besteht | indessen die besondere Art drrin, daß man farbige Mützen,! Bänder und andere Sächelchen trägt, und daß man unterj scheidet zwischen Menschen, die „satisfaktionsfähig" find und solchen, die diesen Vorzug nicht besitzen. (Von letzteren § darf man sich, wenn man schwer von ihnen z. B. beleidigt X worden ist, deshalb auch nicht totschlagen lassen, sondern ' f muß oder kann sie gut bürgerlich verklagen.) . '-i Ein erheblicher Bruchteil der jüdischen Studenten hat bis auf den heutigen Tag diese Dinge mitgemacht, meist in eigenen, jüdischen (K.-E.)-Verbindungen. Bei aller s Gegnerschaft zu dem Farbenstudenten tum muß dankbar ' f anerkannt werden, daß vor allem die K.-C.-Verbindungen $ auf ihre Weise in ihrem Kreise dem jüdischen Namen Gel- ]- tung zu verschaffen gesucht haben. Sie wollten den anderen : i zeigen, das; sie auch „ihren Mann stehen" konnten — als ob es nicht tausendfach bessere Gelegenheit hierzu aäbe! Aber •:- sie haben tatsächlich auch hier ihren Mann gestanden und Narben dovongetragen, auf die sie teils stolz waren, über die sie zum anderen Teile lächelten. Denn im Herzen waren!=•’ nicht alle fi ganz bei der Sache und viele — nicht die schlechtesten — sichen lediglich darin ein Opfer, das man als Jude!, bringen zu müssen fälschlich glaubte. i So war es vor dem Kriege, so wird es wieder, nachdem :-j!- inzwischen aus diesen Reihen tausende „ihren Mann" rj'., draußen standen, Hunderte und Aberhunderte der ihren t> begraben werden mußten. Und das Ergebnis dieses „Opfers", das man durch I Übernahme der deutsch-studentischen Ideale gebracht hat? < § 1. Der gehässigste Antisemitismus an den Hochschulen, trotz der tausend Toten, trotz der frischen Mensurnerben; im einzelnen: Entziehung der Satisfaktion und ein Beschluß der Deutschen (— arischen) Burschenschaften, „daß sie i. sich verpflichtet fühlen, ihre Angehörigen so zu erziehen, ,3. daß eine Ehe mit einer Farbigen oder Jüdin 4 unmöglich erscheint". Ui d tausend andere Dinge, als J Schmähung gewollt, aber hoffentlich nicht so empfunden. A -. Völlige Entfremdung zwischen färben- § tragenden, jüdischen Studenten und der übriaen jüdischen 1 Jugend, als Mißachtung von den elfteren nicht gewollt, f von den letzteren aber gewiß so empfunden.;|j Muß man da noch fragen, was daraus für Konsequenzen -t zu ziehen tmren? Werft die spielerisch an- '* mutenden Äußerlich ke iten ab, über die i Ihr selber lächelt, ohne daß Ihr Euch J Freunde damit erwerben könnt, und 4 findet den Weg zurück zu allen ande- 4