KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2268830-2268931-2268933--2689-2271858- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Deutscher er sei, der gleicht dem Täufling, .der von seinem frischen Christentum ständig spricht, so lange cs den Rei-z der Neuheit hat. ES beweist, dass es ihm nicht Herzenssache ist! -Der echte Deutsche redet nicht über sein Deutschtum, erhandel t deutsch! Ihm sind die pathetischen Deklamationen peinlich und unwahr! Die wirkliche Zwischenschicht dürfte anderswo zu suchen sein als Naumann glaubt. Man spricht bekanntlich! am meisten von jenen Tugenden die Man nicht hat, und ebenso wie von der grasten Mehrheit des arbeitenden und strebenden deutschen Volkes die sich überstürzende Deutschtümelei gewisser kleiner alldeutscher Kreise nie und nimmer als wirklich deutsch anerkannt wird, steht fraglos auch bei m»» die Fülle der Loyalitätskundgebungen im umgekehrt eil Verhältnis zur Tiefe deS dentscherl Bewusttseins. Sachlich .liegt also, abgesehen davon, daß deutsche Inden gegen «Oftiitbcu so handeln, wie Christen gegen Christen, nichts vor, was die Gründung der neuen Partei entschuldigen könnte. Auf der anderen Seite lädt sie aber eine ungeheuere Schuld auf sich, weil sie zunächst einmal die Judenheik in zwei Teile zerreißt! Göttliches Bild! „Wir sind die echten, trenerprobten, unverfälschten Patentdeutschen!" So erklingts auf der eilten* Seite. „Ihr anderen genügt beit Ansprüchen nicht!" Die anderen, die angegriffenen müssen sich i'nhren. Und nun geht das Feilschen und Angrcifen und Schlagen los! Ein vollendeter Boxkampf! Alles auf freier, großer hellbelenchteter Bühne, und im Zllschanerraunl das deutsche Volk, erstaunt, erheitert, eiUviiftet! Haben wir wirklich heute gar keine anderen Sorgen gehabt, als uns um Fragen zu balgen, die nur Problelne des Wortes sind? Wir werden im Kampfe gegen den AntisenlitismnS sehr bald verspüren, welche Schwächung wir Naumanns Plänen zu verdanken haben. Denn der Antisemitismus wird Orgien feiern. Stellen wir uns einmal vor, die Gründung des .Herrn vr. Naumann könnte.Erfolge erringen, der Verband würde eine gewisse Stärke erreichen. Was würde das für die anderen bedeuten? In den Augen der Welt denunziert — darauf kommt es t a t s ä ch l i ch h i ira n s — der „nati 0 naldeuts ch e I u d e n v e r - band" das Deutschtum aller anderen, insbeso ndere der Centralvereinsmitglieder als minderwertig! Die Verdächtigungen unserer vaterländischen Gesinnung bekommen Hand und Fuß. „E'prc eigenen Glaubensgenossen sagen es ja, daß ihr keine zuverlässigen Deutschen seid!" Wie oft werden wir das hören, alle jene, die nicht in Naumanns Bund ritttreten. Und ihre Zahl wird nicht klein sein. Selbst wer zu den wenigen gehört, die Naumanns Standpunkt teilen, wird — sofern er ein 'aufrechter Jude ist — kaum sich einer Gemeinschaft anschliesten, in der er an der Seite pon ehemaligen Juden (!!!!) für jüdische Werte kämpfen soll. Denn der Bund will auch Dissidenten aufnehmen, Menschen, die also öffentlich erklärt haben, daß sie sich vom Judentum trennen wollen. Das ist das erste traurige Verdienst der Gründung. Es gibt fortan unter den Juden Deutsche erster und solcher zweiter Klasse! Wenn aber, was wahrscheinlich ist, die ganze Organisation klein bleibt oder gar einschläft? Dann wird man in der Welt gewiß nicht unsere Gründe zum Fernbleiben würdigen, sondern man wird sagen: „Als man eine nationaldeutsche Organisation gründen wollte, sind Juden in. fa geringer Zahl beigetreten, daß ihre vaterländische Unzuverlässigkeit ganz offenbar wurde." Das Fehlschlagen ist genau so schlimm wie das Gelingen! Trotzdem ist es natürlich das weit kleinere Übel, wenn auch die Erinnerung alt die Gründung noch, lange nach ihrem Untergange sich wie mit Zentnerschwere an jeden politischen Schritt her Inden hängen wird. Wozu also die ganze Organisation? Naumann ist fraglos von dem Wunsche ausgegangen, den Antisemiten zu imponieren, und er hat sich in dem Glauben befunden, inan werde ihn und die seinen in Gnaden aufnehmen. Diese Taktik, sich selber zu retten, indem man den Zusammenhang mit seinen Glaubensgenossen aufgibt, ist historisch freilich stets unglücklich anSgegangen. Wer sich vor dem Verbrennungstode taufen ließ, wurde höchstens zur Enthauptung „begnadigt". Daß auch Naumann kein Glück bei den umworbenen Deutschnationalen haben wird, steht heute schon fest. Die „D e u t s che T a g e s z ei t u it g" hat ihn energisch abgelehnt, das „Deutsche Woche n b l a t t" des .Herrn 5k u n z e sieht in seiner Gründung eine „jüdische Machenschaft", vor der er warnt. „Deutschlands Erneuerung" erblickt in Naumanns Gruppe einen „Flügel, der zum nationalen Lager abkommandiert" ist, der aber gleichfalls Träger deS Internationalismus, Marxismus, des Materialismus und des Bolschewismus ist. Armer Naumann! Das Judentum oller Richtungen hat sich natürlich scharf gegen ihn erklärt. In der „j ü d i s chtl i b e r a te v! Zeitung" rechnet der liberale deutschjüdische Rechtsanwalt ErichSpib sehr gehörig mit ihm ab, die „Jüdische R u n d s ch a u" hat selbstverständlich trotz des dem Zionismus gespendeten Weihrauchs eine schroff ablehnende Haltung eingenommen, ein gleiches tat das Hamburger„I s - raelitischeFamilienblatt", und der G.A. unseres K.C. empfiehlt allen K.C.ern „sich bei den Bestrebungen des Bundes natio-