KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
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44 wegen seines Glaubens duldet, ist sein Bruder, für die Ausbreitung des Christentums in fremden Ländern bringt er große Opfer. Wer aber behaupten wollte, daß das dem deutschen Empfinden und.der nationalen Betätigung des Christen Abbruch tue, der würde sich lächerlich inachen. Vier Fünfteln unser christlichen Mitbürger würde er das Deutschtuul absprechen. Nicht anders verhält ,es sich auch mit dem bentfctjeu I u d en. Es seien hier gar nicht jene Gründe angeführt, ,die bei dem von jeher schwer bedrärkgten Judentum zu einer Betonung des Gemeinsamen drängten. Nur die Frage sei gestellt, warum Naumann bei seinen Glaubensgenossen als eine Sünde betrachtet, was er jedeut Christen und jedem Deutschen selbstverständlich zugcstehen muß uub wird. Wenn eilt Christ hört, daß armenische Christen um ihres Glaubens willen ermordet werden, wird er sich doch tiefer betroffen fühlen und einen grösteren Schmerz empffindeu, als wenn Buschmännern ein gleiches geschieht. Wenn ein Deutscher vernimint, daß man amerikanische Bürger deutschen Blutes wegen ihrer Abstammung verfolgt, wird sich in ihnt alles entpörcn uub er wird ganz anders auffahrcu, als wenn Iren oder Franzosen drangsaliert werden. Aber dem Juden befiehlt Naumann, er solle, wenn Menschen seines Blutes und Glaubens um ihrer Abstammung und dieses Glaubens tvillen gemartert und gemordet werden, mit demselben Mitleid den Ereignissen folgen, wie bei „A rnceni er nt eheleien der Türken oder Negerlynchnrorden in Amerika!" Muß denn der Jude feiitcnt Deutschtum zuliebe zum gefühllosen Barbaren werden? Muß er alle anderen übertrumpfen und sein Blut und feilten Glauben verleugnen? Was würde wohl ein wahrer Deuts ch er, e i n echter Christ bei solcher Z umut u ng sa g en? Cr würde sie als unwürdig und verächtlich empfinden! Hub ists mit Palästina anders? Wenn heut der Pap st in Not geriete und die Gläubigen (aller Welt zu Spenden anfriefe, würde da wohl der deutsche Katholik meinen, daß er mit seiner Gabe sein Deutschtum schwächt oder verrät? Gewiß hat 'die Palästinasrage gerade heute bedenkliche Seiten und die Beteiligung deutscher Juden am Ansbau ist selbstverständlich von gewissen Voraussetzungen abhängig. Man darf einem deutschen Juden nicht znmnten, daß er mit seinem Geldc nationaljüdische Ziele erreichen Hilst, daß er für den englischen Imperialismus arbeitet. Was aber das rein soziale Werk der Menschenliebe anbetrifst, den Aufbau einer Heimstätte für vertriebene gequälte Glaubensgenossen, der dem gläubigen Juden überdies religiöse Satzung ist, so sei die Frage erlaubt, ob der deutsche Jude ein besserer Deutscher zu sein verpflichtet ist als der deutsche Katholik, der unbedenklich bei der Not seiner Glaubensbrüder tut Anstande eintritt. Oder : [; sollte Naumann vielleicht in jeder jüdischen .Ä Betätigung etwas Undeutsches sehen?;14 .ES ist unwahr, daß des deutschen nichtzionistischcn Inden Tätigkeit für seine außerdeutschen Glaubensgenossen jemals seine deutsche Gesinnung und Tat beeinträchtigt habe. Es wird Naumann jf schwer fallen, auch nur den Schatten eines Be-! i weises hierfür zu erbringen. Und er macht ja f auch gar nicht den Versuch. Hier aber ergibt sich . f die Hauptfrage: Was kann denn der „naf tional deutsche I u d e n v e r b a n d" l e i sten, •; was nicht auch der Centralverein täte? Wo ist denn die „deutsche Tat" nach der 'r hie deutschgesinnte Judenheit angeblich lechzt? Haben die deutschen Juden nach Ansicht von Herrn vr. N.aumann im Kriege nicht das ihrige $ getan, machen sie wirklich nicht auf wirtscl)aftlichem und wissenschaftlichem Gebiete dem deutscheu Namen Ehre? Oder sind hier etwa vielleicht | die Herren vom Schutz- und Trutzbunde die Vertreter der Wahrheit, so daß die Juden die böswilligen Anstifter des Krieges, des Friedens, der Revolution, des Kapp-Putsches, der letzten Sonnensiusternis und aller sonstigen Übel sind? Es hieße das Andenken toter Helden beflecken, es H hieße treue Arbeiter der Gegenwart beleidigen, 8, jwcnn man sich vermißt, man könne bessere deutsche Arbeit leisten als jene, die zugleich ihrem jüdischen jJ Glauben in Treue dienen. Ein kostbares Bild! § Or. Max Naumann belehrt Eugen h Fuchs, belehrt nachträglich unsere | entschlafenen Führer wie Hermann A C o h e n, Maximilian H o r w i tz, Martin f Philipson ltnb all die anderen über ßi wahres Deutschtum! Armer Gabriel t Riesser! Wie würdest du wohl vor Naumanns A Nichterthron bestehen? Wir fragen aber dringend?j: und erst: Was will der nationaldeutsche Verband denn zur Betätigung seines D e u t s ch t u m s tun, w a s nicht sh s ch o n l ä n g st geschehen wäre? Ich fürchte, ■} die einzige „deutsche Tat" könnte darin bestehen, j| daß man einige arme Ostjuden verhungern läßt! \ Was wirklich herauskommen kann, sind in ,-j Wahrheit mir starke Worte! Die Betäti- Z gung des Deutschtums kann nur in einer Stärkung jenes Hurrapatriotismus bestehen, der deswegen f: so unangenehm ist, weil er höchstens die Schwäche p und Uns! cherheit der Seele verdeckt. Ich glaube, daß es sich in Wahrheit umgekehrt verhält als Naumann meint. Wer das Bedürfnis empfindet, j seinen Patriotismus in geschäftigem Übereifer in | die Welt hin auszurufen, wen es drängt, immer; von reinem Deutschtum zu'reden und es bei jeder Ä passenden und unpassenden Gelegenheit zu bey it-onen, immerfort zu versichern, ehr wie guter I i