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KC-Blätter · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 43

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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43 Im Bewußtsein, das; seine deutschvaterländische Haltung einfach Sache der Gesinnung und der 'Herzensüberzeugung war, das; über sie nicht mit spöttischen oder gehässigen Phrasen auf der einen, nicht mit pathetischen, wortreichen Loyalitätskundgebungen auf der anderen Seite zu entscheiden, nicht zu diskutieren war, hat der deutsche Jude stets schlicht seine Pflicht erfüllt, und als die Stunde der Gefahr kam, -als man sein Deutschtum nicht durch Redensarten, sondern durch Taten bewies, stand er seinen Mann! Dem unvergänglichen Borbilde bedeutender Führer folgend, unter denen Namen wie Hermann Cohen und Eugen Fuchs hervorragen, stellte er die Synthese zwischen Deutschtum und Judentum her, und außer bcu Antisemiten der strengeren Observanz hat noch keiner ihm vorzuwerfen gewagt, daß unter seiner jüdischen Betätigung sein Deutschtum litte. Jetzt freilich tut es auch Herr Dr. ,M!ax N a u m aun, der nicht nur in der „Kölnischen Zeiluna" und in einer besonderen Broschüre die schwersten Borwürfe gegen den größten Teil seiner deutschen Glaubensgenossen erhebt, sondern der auch als Gegenbewegnng gegen den Centralverein — trotz seiner gegenteiligen Beteuerungen ist das die objektive Sachlage — eine neue Organisation der nationaldeutschen Inden gegründet hat. Bor wenigen Tagen .wurde sie in Berlin ins Leben gerufen, und der Welt ist das ebenso schmähliche wie gefährliches Schauspiel nicht erspart geblieben, daß innerhalb der bewußt deutschen Judenh e i t ein Teil d e in anderen die nationale Zuverlässigkeit absp r i cht! Naumanns Broschüre ist, wenn man sie genau betrachtet, eine Kette von Jrrtümern uub Bcrdrehungen der Ansichten und des Willens der deutschen Judenheit. Gleich dem Antisemitismus macht sie zunächst die übliche Verbeugung vor bcu Zionisten, deren Geradheit und Ehrlichkeit anerkannt werden. Ihnen diametral, gegenüber stehe ans der anderen Seite die tleiue Schar der 'Edeljuden, der „Rationaldeutschen", die mit heißer Liebe zum Deutschtum das tiefe Verstehen für deutsche Art und die brüderliche Hinneigung zu deutschen Menschen verbinden. Zwischen beiden Polen aber j'cfyimitfc eine „Z w i s che n s ch i ch t" hin und her, deren typische Vertreter der Centralverein stelle. Trotz ernsten Wollens kömre sie bcu Weg zum wahren Deutschtum nicht folgerichtig gelien, da immer wieder die jüdischen, internationalen Ziele und Interessen sie zurüclhielten, und so werde diese Zwischenschicht feige und unfrei; sie weise die typischen als „jüdisch" verschrieenen Kennzeichen auf, sei aufdringlich, taktlos und besitze jene Anmaßung, die jeden Augenblick in hündische Demut Umschläge. Sie stelle für alle Zersetzungserscheinungen die führenden Geister, sei dekadent und 'darum unsicher, sie schwanke zwischen müder Skepsis, kraftloser Selbstverspottung und schnoddriger Frivolität hin und her. Am deutlichsten offenbare sich der Unterschied zwischen dem aufrechten uationaldeutschcn Juden, der auch bcu Mut habe, die Berechtigung des Antisemitismus in vielen Fällen anzuerkennen, und dem unklaren haltlosen Schwächling aus der „Zwischenschicht" in der Ostjudenfrage. Dem ersteren ist der Ostjude einfach ein Fremder. Wenn wir hören, daß im europäischen 'Osten gegen diese mitleidswerten Geschöpfe Greuel verübt werden, so schlügt, nach Naumann, das Herz 'des uationaldeutschen Juden in Mitgefühl wie das jedes anderen menschlich empfindenden Deutschen.!„Es ist dasselbe Mitleid, das auch wir fühlen^ wenn von A r m e n i e r m e tz e l e i e ::*) der Türken oder R e g e r l y n ch m o r d e n *) in Amerika die Rede ist." In Privatbriefen hat sich Naumann auch über die Palästinascage ausgesprochen und das Verhalten der Zwischenschichtler gegeißelt, die heute nicht die Kraft aufbringen, den außerdeutschen Zielen des Palästinaaufbaus entschlossen den Rücker: zu kehren. Soweit Naumann! Bon den Versuchen, den Centralverein durch offene oder versteckte Arbeit zu schädigen — er hat durch briefliche Agitation! viele Führer des Vereins für seine Sache zu gewinnen versucht und hat sich dabei über ihn sehr scharf ausgesprochen — sei hier nur deshalb die Rede, weil sie blitzartig die Gefahr beleuchten, die sich aus der Sprengung der Einheit einer an sich schon kleinen Schar ergeben. Wie falsch aber Naumanns Behauptungen auf der einen Seite sind, wie gefährlich die von ihm angezettelte Bewegung auf der anderen wirken wird, das sei hier kurz beleuchtet. Jeder einer Religion angehörige Mensch ist das Produkt zweier Sphären. Im katholischer: Mitbürger wirken die Kräfte seines Glaubens, der auch Millionen von nichtdeutschen Menscher: umfaßt, und sein deutsches vaterländisches Empfinden. Beide Gebiete ergänzen sich und insbesondere erwächst aus den religiösen Impulsen jene selbstlose und ideale Auffassung des Pslichtbewußtseins, das den deutschen Zielen zugute kommt. Daß ein öloßer Nationalismus wahrscheinlich zu einem krassen Materialismus, zu Haß und Verblendung führt, ist eine Tatsache, die uns die christentumsfeindlichen Judenhasser von der alldeutschen Richtung tagtäglich beweisen. Der deutsche Christ wird!jeden Augenblick durch die Geschichte, die Lehre und die Verfassung seiner Glaubensgemeinschaft auf Dinge gelenkt, die jenseits der reindeutschen Interessen liegen. 'Der Christ, im Auslande, der *) Don uns gesperrt.

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