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KC-Blätter · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 41

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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41 Geist und deutschem Empfinden heraus sich selbst sein Schicksal -u bestimmen, so wurde alles Haßpredigen es auch nicht vor dein Untergänge bewahren können. Auch sollten die jungen Burschenschafter bedenken, daß wir mit 500 000 Juden zusammen in einer Staatsgcnreiujchasl leben müssen, daß es gar keine Möglichkeit gibt, selbst nicht für die radikalsten Antisemiten, diese 500 000 jüdischen Staatsbürger aus denr Reiche zrr entfernen oder ihre geistige und »virtschaftliche Potenz tvtznschlagcn. Es ist gar keine Fra^, das; rurtcr den jüdischen Staatsbürgern sehr viele sind, die sich als Deutsche sichle«, und daß nicht minder gros; die Zahl derer ist, die sich dem deutschen (bedanken starker als bisher auschließen möchten. Mit der Methode der beleidigenden Zurückroeisurig stößt itwu aber alle diese Elemente, die man für die deutsche Sache in unserer Politik gewinnen könnte, brutal zurück. Schließlich sind die jüdischen Kreise für die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Deutschlands auch gar nicht zu entbehren. Das Zusammenleben mit ihnen in der Staatsgemeinschaft ist zwingeitde Notwendigkeit. Erkennt man diese Borausscjungen an, so kann denr Staate nicht damit gedient sein, den blinden Hast zn nähreir. Die Verschärfung rurd Versteifung der Gegensätze zeitigen keine Früchte des Erfolges, sonderrr hinterlassen schließlich nichts als eine das Staatslebcn und damit die Erholung des deutschcrr Volkes störende Verbitterung. 2. Aus einem „Offenen Brief an die Deutsche Burschenschaft". Volt H. F. Hübner. Liebe. Brüder! Über die Jndenfrage ist in bnrschenschaftlicheu Kreisen schon viel debattiert worden. Als ich Burschenschafter wurde, wußte ich wohl, daß keine Jrrden ausgenommen wurden. Persönlich faßte ich das als eine Scheidung äußerlicher und fornraler Natur auf, denn es gibt heute schou eine große Zahl farbeutrageuder im K.-C. vereinigter Verbindungen „deutscher Studenten jüdischen Glaubens". Welcher Burscheuschafter aber hätte früher ein gemeinsames Arbeiten auf unser allerZiel, dasWohlunseres Vaterlandes, fürunmöglich erklärt? Oder sind wir schon so weit gesunken, daß die trübsteil Zeiten mittelalterlichen Ketzerglanbens mit ihrer furchtbaren Verblendung wiedcrkehreu? Als ich den roten Stürmer aufietzte, unrßte man, daß meine Mutter Jüdin sei, und man lachte ob meiner Bedenken. Einmal tat ein Bundesbrnder eine ungehörige Äußerung, aber er wurde von den übrigen so derbznrechtgcwiesen.daß er es nichtein zweitcsMal wagte. Es gibt unter den Juden Kreise, mit denen kein anständiger Mensch in Berührung kommen will. Aber gibt es die nicht auch ,urtcr uns Christen? Meiner Meinung nach zeugt es immer von eurer Unfreiheit rurd Beschrürrkthcit des Denkens mrd geistiger Trägheit, wenn man alles in einen Topf wirft rurd individrreller Scheidung arrs dein Wege geht. Warrrm will marr die anständigen und ehrenhaften Jrrden, die es in großer Zahl gibt, ohne weiteres mit der« polrrischen und galizischen Gesindel identifizieren rurd sie in gleicher Weise bekänrpfen? Den Zionisnrns z. B. bekämpft der farbentragende Jude ebenso scharf wie wir. Denn der K.-C. hat folgendes Prograrrrrn: „Die Verbindrrngen irn K.-C. stehen auf denr Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung. Sie haben zrrm Zweck den Kanrpf gegen deir Antisenritismus in der deutschen Strrdenleirschast urrd die Erziehrrng ihrer Mitglieder zrr selbstbelvnßterr Jrrden, die inr Bewrrßtsein, daß die derrtschen Inden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgcrneinschast mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutretcn." Schärfer kann man sich doch wohl nicht zrrm Deutschtum bekennen. Und nrrn ist man an manchen Universitäten so weit gegarrgen, selbst dem ehrenhaftcrrsien jüdischen Studenten die Satisfaktion zu verweigern. Das ist nicht vornehm, denn wo bleibt da unsere Ritterlichkeit, auf die wir mit Recht so stolz sind? Und noch eine Frage? Wie läßt sich das mit unseren Grundsatz der Freiheit vereinigen? Führen wir unseren We.hlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland!" als Firmenschild oder ist es unser Leitsatz fürs Leben? Kein Burschenschafter soll die Ehre eines Menschen leichtfertig antasten, weil sie ihm selbst heilig ist. Dennoch tun wir es, wir sprechen einer ganzen Glaubensrichtung lediglich ihrer Abstammung wegen die Ehre ab, obwohl wir wissen, daß wir einem großen Teil damit bitter unrecht tun. Wir dürfen auch nicht vergessen, was Männer jüdischer Abstammung unser«: Vaterland an unvergänglichen Werten gegeben haben. Der Musiker Mendelssohn, der Philosoph Börne, die Physiker Einstein rurd Haber, die Arzte Ehrlich und Wassermann — um nur einige zu nennen —, sie alle gehören zrr denen, die unsere Kultur gefördert haben. Die Frankfurter Universität ist zum großen Teil von Inden in selbstlosester Weise gestiftet worden. Das sind nur einige Beispiele. Wann« sagte denn Friedrich der Große: „In meiner« Staate soll jeder nach feiner Fasson selig werden!", warrrnr kannten Geister, wie Goethe und Bismarck keinen Rasseuantisemitismus? Weil sie groß dachten rrnd jeden einzelnen Menschen so beurteilten, wie er es verdiente. Ein Weiteres: Wie viele von denen, die an der Fassung jener Beschlüsse mitgewirkt haben, mögen — Hand aufS Herz I — selbst jüdisches Blut, sei cs auch noch so verdünnt, in ihren Aden, fließe,» haben. Zeigt uns doch der bereits vor dem Kriege erschienene „Semi-Gotha", wie wenig selbst in den Kreisen unseres höchsten Adels von Ariertum und „deutscher" Abstanurrnng die Rede sein kann! Ein Bott, über das Völkerwanderungen hinweggegangen sind, an dessen Grenzen — denkt arr die „Germanisiernng" der gesamten ostclbischen Lande! — Kelten, Gallier, Wallonen, Slarven wohnten rurd sich zahllos mit ihn: vermischten, ist in seinen Blntströrnen nicht niehr rein inr Sinne der Rassenfanatiker. Und da wollen wir, deutsche Burschenschafter, einen Teil deutscher Staatsbürger, die so wenig deutscher Abstammung sind, wie alle die polrrischen oder hugenottischen Blutes, die unter uns leben, lediglich ihrer Abstammung wegen für rnindcrer Art, für rnirrderer Ehre halten, auch wenn sie noch so sehr als Deutsche sich fühlerr und als Deutsche zu wirken sich bestreben? Das ist ein Gebühren, das wir von unseren „russischen Knlturbringern" gelernt haben. Bei anderen Völkern, in England, Anrerika, Frankreich, Italien usw. ist so etwas rrnbekarrnt und unbegreiflich. Der französische Jude z. B. ist auch nicht französischer als der deutsche Jude deutsch. Das Krasseste aber ist der Paragraph, in dem von einer „Heirat mit einem jüdischen oder farbigen Weibe" geredet wird. Es ist wirklich so weit gekommen, daß die Burschenschaft weiße deutsche Frauen — sei es auch nichtdcutscher Abstammnng — in einem Atem nennt mit den schwarzen und farbigen Horderr, die im besetzten Gebiet unsere Frauen und Mädchen schänden und sich mit Stolz französische Armee nennen. Versteht Ihr, wie uns das treffen muß, die wir in langer Gefangenschaft unter diesem Auswurf der Menschheit litten? Meine Mutter, die mich geboren und erzogen, die ruich irr Krankheit und Verwundung aufopfernd pflegte, die stolz war und nie klagte, wenn ich oft nach notdürftiger Heilung wieder an die Front ging, die soll ich mir so ver: nglirnpfeu lassen? Urrd die Burscherrschaft glaubt es mit ihrer Würde vereiirbaren zn können, eine solche Frau mit Lustmvrderir und Mädcheuschändern auf eine Stufe zu stellen? Geschärirt habe ich ruich bis ins Innerste hinein, als ich nrit ihr darüber sprach. Kein Wort der Entschuldigung oder Verteidigung kann ich für eine so unbegreifliche Verirrung finden. Biele Juden sind für unser Vaterland gefallen, der Prozentsatz ist nicht gerirrger als bei den Andersgläubigen. All die deutschen jüdischen Frauen, die ihr Liebstes Hingaben, deren Männer uns Söhne in feindlicher Erde ruhen, wollt Jhrso schmählich behandeln? Wie könntJhrdas mit burschen iüi aHüMMHa

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