KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 ohne selbst angegriffen zu sein, einen Juden verprügelt oder bei einer mißliebigen Theatervorstellrmg auf Harrsschlüsseln pfeift, der schadet der guten Sache nur, gibt dem Gegner Waffen in die Hand und ist nicht wert, in der Kampffront der deutschen Studenten für deutsche Ideale zu stehen. Ihr sollt nicht demonstrieren, deutsche Studenten, ihr sollt arbeiten! Arbeiten für die deutsche Genesung, mit Aufbietung aller Kräfte und allen Opfermuts, aber mit zusammengebisscucn Zähnen und ohne Lärm, wie es zum Wesen erirster Arbeit gehört. Und sprechen von dem, was ihr denkt und wollt, sollt ihr nur, um andere zu belehren und durch Überzeugung für cutc Sache zu gewinnen, oder um sie dreisten Angriffen gegenüber zu vertreten und mutig zu bekennen, wo solch Bekennen eine Tat ist. Darum seid auch vorsichtig mit Beschlüssen, die ihr faßt und öffentlich verkündigt. Es sei euch zugegeben, daß die heutige Zeit nicht dazu angetan ist, jüdische Kommilitonen in die Reihen eurer Korporationen aufzunchmen. Denn wenn euer Mißtrauen und errre Ablehnung auch manchen Unschuldigen mit treffen, beide fiiib nach den Erfahrungen der jüngsten Jahre grundsätzl'ch allzu berechtigt. Aber ein solcher Grundsatz läßt sich doch auch in der Stille durchführen und braucht nicht in die Welt hiuansposaunt zu werden. Ihr stoßt ja damit nur diejenigen vor den Kopf, die innerlich euren Bestrebungen nahestehen und vielleicht Hand in Hand mit euch arbeiten möchten. Ihr sollt nichts von eutcii Idealen und euren Zielen aufgeben. Ihr könnt auch vom Juden zunächst den Beweis fordern, daß er wirklich um der Sache willen eure Bestrebungen teilt und innerlich von dem abgewandt ist, was ihr bekämpft. Aber macht ihn» den Beweis und vor allein: macht ihm die Tat selbst nicht u n n ö t i g s ch w e r. Helft durch euer Borgehen dazu, daß die reinliche Scheidung zwischen gut und schlecht sich möglichst schnell und möglichst glatt vollzieht. Dann könntihrerst wirklich schneidigeWaffen gegendie Schmarotzer am deutschen Bolkskörper und alle diejenigen führen, die diese Schnrarvtzer schützen, oder denen das Solidaritütsgefühl mit ihnen über die Zugehörigkeit zum deutschen Volke und deutschen Baterlande geht." Von einem sehr ironisch-b!oshasten Standpunkte aus betrachtet Thomas Wehrt in im „T a g e b u ch" (zitiert nach dem Kölner Tageblatt v. 20. 2. 21) den Beschluß. Aus seinen scharfen spöttischen Ausführungen seien folgende Sähe aufgeführt. ' „Vielfach ist die Meinung aufgetaucht, der Beschluß der Burschenschaften, der nur die Heirat mit einem farbigen oder jüdischen Weibe verbiete, brauchte noch eine Erweiterung in dem Sinne, daß nicht nrrr die Ehe, sondern jede Verbindung mit einem fremdstämmigen Weibe untersagt wird. Für einen Airgenblick sei hier die Beziehung zur Jüdin ausgeschaltet rrnd eurem besorrderen Abschnitt Vorbehalten. Hätte in dem erwähnten hochanzuerkerrnenden Beschluß nicht wenigstens jede Verbindung mit einem farbigen Weibe verboten werden können? Darauf erwiderten Kenner der Burschenschafterpshche, daß dieser Wortlaut des Beschlusses mit vollem Bedacht gewählt worden sei. Bot allem hat die Praxis wiederholt ergeben, daß der deutsche Burschenschafter zwar meistens die Verantwortung dafür übernehmen könne, mit wem er vor den Traualtar trete, keineswegs aber in allen Fällen dafür, mit wem er den Beischlaf übe, denn oft genug vollzieht sich dieses Ereignis in einen: Zustande, in welchen» auch der Burschenschafter, rrnd gerade er, die volle rechtliche und sittliche Verantwortung für sein Tun nicht zu übernehmen imstande ist. Es muß auch fcstgchalten werden, daß der schwarzen Schmach, nnter der im besetzten Gebiet deutsche Frauen zu leiden haben, praktisch am besten durch die weiße Schmach begegnet wird, d. h. durch die Klassifizierung des farbigen Weibes auf der untersten Stufe des Menschentums. Im Interesse der nationalen Würde kann gelegentlich dieses Aufskniezwingen des farbigen Weibes gelegen sein. Anderseits hatte diese völkische Demonstration mich ihre Schattenseite, weil die afrikanische Sriphilis besonders verheerende Formen annimmt. Der deutsche Student, von dem leider anzunehmen ist, daß jeder dritte an Geschlechtskrankheiten leidet, sollte' sich mit den heimischen Krankheitssormen begnügen. Aus diesem rassehhgienischcn ÖJnutb hätte man gewünscht, daß der Beschluß der Burschenschaften sich nicht nur auf die Heirat, sondern auf jede Beziehung zu einem farbigen Weibe beziehe." Am interessantesten wirkt nun die Nummer 6 der „Burschenschaftlichen Blätter" vom 3. März 1921, die neben einem Artikel des Pazifisten Dr. Wehberg und einer Erwiderung von Hermann Haupt gleich zwei Artikel zur Judenfrage auslveist, die gegen die Eisenacher Beschlüsse Stellung nehmen. (Ein dritter Artikel von Neg.-Baumeister Erwin Barth verteidigt zlvar die Eisenacher Beschlüsse im Ganzen, ohne jedoch auf die „farbigett Weibel einzugehen.) Leider könnet! wir die Äußerungen nicht vollständig abdrucken, geben hier aber die wichtigsten Stellen wieder: 1. Aus dem Artikel „Auf falschen Wegen" von Neichstagsabgeordneten Dr. Otto Hugo: „Soweit ich unterrichtet bin, haben sich die Kreise der jüdischen Akademiker seit Jahrzehnten nicht zur Deutschen Burschenschaft hingezogen gefühlt und hingedrängt. Auch hat seit langem bei den Burschenschaften das ungeschriebene Gesetz bestanden, jüdische Akademiker nicht anfzunehmen. Mir ist jedenfalls unte den Aktiven niemals ein Jude begegnet. Ich habe auch icht gehört, daß junge Burschenschafter einen besonderen Drang bewiesen hätten, sich aus jüdischen Kreisen ihre Bräute zu holen. Wenn deshalb das innere Bedürfnis für die Burschenschaft zur Abwehr nicht vorhanden ist, so bleibt nur der Drang der An g r iff s a b s ich t übrig. Die Burschenschaft folgt hier der Methode, mit der der politische Antisemitismus in Deutschland glaubt, gegen irgendwelche Einflüsse des Judentums erfolgreich wirken zu tüimcii. Bon vornherein möchte ich sagen, daß ein Erfolg in dieser Methode nicht liegt. Die Geschichte deS Antisemitismus hat es bewiesen. Jur Gegenteil, der provozierende Antisemitismus gibt gerade denjenigen Kreisen, die man bekänrpfen will, nur neues Oberwasser. Bei allen objektiv empfindenden Menschen muß die beleidigende Gleichstellung jüdischer Töchter derrtscher Staatsangehörigkeit mit farbigen Mädchen überarrs abstoßend wirken. Es ist eure völlig falsche Spekulation, zu glauben, daß mit solchen Mitteln dem Ge.'ste, dem mmr beikonrmen will, Abbruch getan wird. Schließlich ist doch der jüdische Einfluß auch dort, wo er zersetzend wirkt, wie in den radikalen Partei« bewegrrngen, in einem Teil der Presse usw. eine geistige Bewegung, und geistige Bewegungen lassen sich mit unfruchtbaren Schlagworten niemals überwinden. An den Phrasen des Antisemitismus stirbt kein zersetzender Geist. Eher erholt er sich daran. Geistige Bewegungen wollen mit geistiger Kraft überwrurden werden. Englmrd kemrt feine Judenfrage aus dem einen Grunde, weil das englische Volk die nationale Kraft besaß, sie zu überwinden. Sollte unser 60 Millionenvolk wirkt ch nicht mehr die geistige und nationale Kraft besitzen, sich vor einer Gefährdung durch 600 000 jüdische Mitbürger zu schützen? Ist dieses 60 Millionenvolk nicht stark genug, aus nationalem N