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KC-Blätter · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 39

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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30 hemmte Einstrümen der Ostjnden tatsächlich große Gefahren und gibt der Abneigung neuen Anlaß. Zumal die gebildete sagend findet eS allerwärts unerträglich und hat ihr Urteil rasch bereit. Der Burschenschaft blieb Vorbehalten, ihre Ablehnung in die deutbar schärfste Fornr zu fassen. Daß die Österreicher mit ihren anders gearteten akademischen Verhältnissen jetzt dein Verband angehören, hat zu dieser schroffen Stellungnahme nicht wenig beigetragen. Die Mißbilligung der Heirat mit Jüdinnen mag insoweit einem gesunden Gefühl entsprechen, als damit die meist irr Betracht kommende Geldheirat verdanmrt werden soll. Aber die Fassung des Beschlusses, vor allem die Gleichstellung „jüdisches oder farbiges Weib" enthält eine so g r 0 b e B e le id i g u n gv v nA n g eh ö r ig enunseres Kultnrkreises, daß sie abstoßend wirkt. Schon der grrte Geschmack hätte eine solche AnsdruckSweisc verhirrdenr müssen. Die aktive Burschenschaft macht geltend, daß sie mit ihren Eisenacher Beschlüssen weiter nichts getan hat, als ihre eigenen inneren Angelegenheiten zu ordnen urrd daß ihr dazu das alleinige Recht znstehe. Für studentische Fragen trifft das zrr. Aber die Beschlüsse gehen darüber hinarrS, zrrrrral irr ihrer Wirkrurg nach außen. Die Beschlüsse führerr arrch innerhalb der Brrrschenschaft eure bedenkliche Einseitigkeit herbei. Früher tvaren irn Kreise der Mitglieder verschiedene politische Richtungen vertreten. Jetzt ist der Antisemitismus Programurprrnkt geworden; da er als solcher nur bei einer einzigen politischen Partei arrftritt, so folgt dararrs, daß die aktiven Brrrscherrschaften nur dieser einen Partei, der derrtschnationalen, angehören oder für sie erzogen werden. Der ganze Nachwuchs, der sich nicht auf das Programm dieser einer: Partei festlegen will, Meidet für die Burschenschaft aus. Alle eben erwähnten Nnrstände zeigerr, daß die Beschlüsse auch die Alter: Herrer: der Deutschen Burschenschaft ernstlich airgehen. Diese stehen vor der Frage, ob sie den Dingen stillschweigend ihren Lauf lasser: sollen, weil die Beschlüsse sie ja nicht birrden. Aber Stillschweigen würde den E i r: d r u ck d e r B i l l i g n r: g erwecken. Ein großer Teil, wahrscheinlich die Mehrzahl der Alter: Herren, ist mit dieser schroffer: Stellungnahme nicht einverstanden; das kam: bei der außerordentlichen Eirrseitigkeit, zu welcher nran die Burschenschaft führen rvill, auch gar nicht anders sein. In den letzten stummen: der Bnrschenschaftlichcn Blätter regt sich deutlich der Widerspruch, der freilich durch die von Hern: D. Wehberg eingeleitetc öffentliche Bewegung viel mehr gehcmnrt als gefördert »vird. Denn eine solche Meinungsverschiedenheit muß nran zunächst innerhalb des Verbandes anszntragen versuchen, nicht sofort in die breite Öffentlichkeit bringen. Juden: scheut sich nun jeder als Anhänger eines radikalen Politikers zu erscheinen, dessen Anschauungen den nreisten Burschenschaftern nnannehnrbar sind. Aber dieser Zwischenfall darf die Klärung nicht endgültig verhindern. Einer Mehrheit von Studenten und Berbandsansschüssen kann nicht die Befugnis zustehen, in solchen Fragen allein eine dauernde Entscheidung zu fällen. Die Alten Herren müssen in ihren Vereinigungen Stellung nehnren; erst dann wird auch der Vorort der Alte-Herren- Bereinigungen in deren Namen sprechen können." vr. Kleinschmi»>t hat seine Anschauungen mul) prägnanter auch in den Burschenschaftl i ch e li B l ä t t e r n", dein Organ der D. .B. (5. 2. 21) bckout. Geschichtlich interessant sind folgende Lätze: „Die Urburschenfchaft war in Jena christlich-deutsch unter Ausschluß von Juden; der Gießener Ehren spiegelkreis verfocht denselben Standpunkt. Aber wenn die heutige Burschenschaft sich in diesem einen Punkt auf ihre Urahnin berufen will, so müßte sie ihr vor allem in den viel wichtigeren Ansprüchen auf sittliche Strenge, geistige und leibliche Ausbildung Nachfolgen und bei Nachahmung der Gießener Schwarzen vielleicht auch deren republikanische Gesinnung als wesentlich mit annehmen. Dazu scheint aber nirgends Neigung zu bestehen. Diese Jenaer und Gießener Grundsätze galten jedoch selbst in jenen Jahren nicht überall. Tie Heidelberger Burschenschaft, bis 1828 in glänzender Blüte, nahm die christlich-deutsche Richtung nicht an; in Bonn war Heinrich Heine Mitglied. Hier wie anderwärts überwog schon damals die sogenannte liberale Richtung und sie herrschte dann ein halbes Jahrhundert auf allen Hochschulen und in der ganzen Studentenschaft. Wonach sollen wir uns also richten? Geschichtliche Gründe verfangen nicht, weil die Entwicklung für jeden Standpunkt Beweise ergibt. Selbst für die Zeit, in welcher die Burschenschaft keine Juden mehr aufnahn:, also von den 80 er Jahren bis zum Weltkrieg, läßt sich aus der politischen Haltung ihrer Alten Herren eine tvichtige Folgerung ziehen. Wollte man nämlich die Alten Herren der Burschenschaft aus diesen 30 Jahren nach ihrer Zugehörigkeit zu politischen Parteien ordnen, so würde sich ergeben, daß weitaus die größte Anzahl auf die Liberalen verschiedener Richtung (Nativnalliberale und Fortschrittler) entfielen. Daraus ergibt sich, daß die Mehrzahl in der Kampfstellung zun: Judentum kein entscheidende- Problem sah." Und beachtenswert ist sein Bekenntnis zur Rassensrage: „Wohin soll überhaupt die Untersuchung der Stammbäume bei Neuaufnahmen und gar bei Heiraten führen? Die Deutschen sind ein Mischvolk dritten Ranges" sagt Burte in: Wiltseber. In: Osten bis zur Elbe und Saale fließt slawisches Blut im Volke; im Westen und Süden keltische und romanische Beimischung. Wir zählen unter unseren Vorfahren Hugenotten; wie mancher im Osten hat noch eine slawische Mutter oder Großmutter. Die Vermischung mit Arien: (and) den Todfeinden, Polen und Tschechen?) soll ja wohl nicht beanstandet werden; aber wo fängt da eine sichere Scheidung au? Eine Atmosphäre des Mißtrauens wird auch innerhalb der Burschenschaft entstehen. Aus einem Artikel von Dr. (i. Wieprecht, der gleichfalls Im Grunde antisemitisch ist („Tag" vom 25.3.) seien folgende Sätze abgedruckt: Für die Überwindung von Gegnern gilt inimer noch nur das eine Rezept, das auch die Gründer der alten Burschenschaft bei der Auseinandersetzung mit ihren Widersachern anwendeten: nach außen den Gegner durch die studentische Waffe in Respekt halten (zun:al Verrüfe heute fast wirkungslos find), nach innen aber sich zu überlegener Tüchtigkeit erziehen. Man nützt seiner Sache nichts, wenn man den Inden durch Verruf scheinbar ansschaltet; er ist vorhanden ::nd läßt sich im Leben nachher doch nicht entfernen. Der Jude arbeitet sich im wesentlichen deshalb voran, ivcil er fleißig und energisch ist. Der Germane oder Halbgermane bezähme feine Bequemlichkeit, strebe nach einem inneren Halt, sei arbeitsam, so wird er den Wettbewerb anshalten und sich dafür stählen." „Wenn der Kampf gegen das jüdische SchädlingStum fo geführt wird, daß der Ton nicht auf das „jüdisch" sondern auf daS ,S ch ä d l in g s tuin' gelegt wird, wenn er vor allen: mit vorn eh men Mitteln und in der geistigen Arena ausgefvchten wird, dann wird er den üblen Beigeschmack des, Antisemitismus verlieren und sicher von Erfolg begleitet sein. Was vom deutschen Studenten erwartet werden muß, ist, daß erdieantisemitifcheBewegungadelt, daß er sich fen: hält von allem, was nach Maulheldentum und Rauflust schmeckt. Derjenige, der eine Kulturtat oder vaterländische Tat damit zu vollbringen vermeint, daß er,

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