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KC-Blätter · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 35

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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3L Schon auf der Universität hat der jüdische Student reichlich Gelegenheit, die ganze Schwere des Hasses und Hohnes zu erfahren, die jeder Jude aus dein öffentlichen Leben an unfern Gegnern kennt. Will er diesen Anfeindungen die Spitze bieten, will er beit Kamps aufnehmen, so muh er tf)U mit ungleichen Waffen führen. Vor sich hat er einen organisierten Gegner; eigne Vereine sind gebildet, um den Kapf gegen das Judentum wirksam zu führen; selbst aus Kreisen, die außerhalb der Universität liegen, erhalten die Gegner moralische und materielle Unterstützung. Angesichts eurer solchen erdrückenden Übermacht muß der jüdische Student notwendig sein Selbstvertrauen verlieren, und es ist nur begreiflich, wenn er kleimnütig den Kampf ausgibt. Ja, noch mehr! Die Verwerflichkeit des Judentums wird auf jener Seite mit einer Überzeugung und einem Feuereifer gepredigt, das; der Jude an der Gerechtigkeit seiner Sache, an der Berechtigung der Existenz des Judentums selbst irre wird, zumal eine Kenntnis der Prinzipien des Judentums und seiner unbestreitbaren Verdienste um die alte, sowie die moderne Kultur den meisten fehlt. So gewöhnt er sich schließlich an die Auffassung, seine Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme als ein Unglück zu betrachten, das nicht zu ändern und geduldig zu ertragen ist. Er vergisst völlig, daß er nach den Prinzipien der Vernunft und der .Humanität berechtigt und verpflichtet ist, eine Gleichstellung zu verlangen, und verliert mit der .Hoffnung auch das Streben nach Besserung der Zustände. So bilden sich jene schwachen Charaktere, die im späteren Leben nur darauf bedacht sind, wie sie selbst mit heiler Haut durchs Leben kommen, und weder den Gemeinsinn pflegen, noch auch für ihre eigensten Rechte mannhaft in die Schranken treten. Niedergedrückt durch alle diese Ztistände, verbittert durch den fanatischen Hast der Gegner und die Gesinnungslosigkeit der Glaubensgenossen ziehen sich auch diejeriigen unter uns, die sich noch ein Gefühl für Unabhängigkeit und persönliche Würde bervahrt haben, vom allgemeinen Studentenleben zurück, indem sie in ihrer Vereinzelung an der Besserung der Verhältnisse verzweifeln. Wohin wir also unseren Blick richten, überall sehen wir unter unseren Glaubensgenossen Zersplitterung, Abschliestnng, gegenseitige Verleugnung, Mangel an Selbstvertrauen und an Selbstachtung. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Einheit unserer Interessen, ist uns verloren gegangen, und so kommt es, das; der jüdische Student ohne Einfluß und ohne Achtung, haltlos und ohnmächtig dasteht. Kann es nach all dem Gesagten-noch zweifelhaft fein, welches das Mittel ist, um hier Wandel zu schaffen? Wir glauben, nein. Die Tatsachen reden deutlich und laut, die Zergliederung der Ursachen zeigt es klar: es ist die Gründung eines „Vereins jüdischer Studenten", welcher das 'Zeichen des unabhängigen Judentums auf pflanzt und alle, die unsrer Gesinnung find, unter sein Banner versammelt! Dieser Verein wird schon durch fein bloßes Auftreten das fast erlöschende Bewußtsein wieder beleben, daß wir Juden find, daß wir einem großen Ganzen von kulturgeschichtlicher Bedeutung und historischer Berechtigung angehören, und daß diese Zugehörigkeit für die Gegner kein Gegenstand der Mißachtung, für uns kein Grund der Beschämung sein kann. Der Verein wird vor allem, als sittliches Fundament seiner Wirksamkeit, den Wert des Judentums seinen Mitgliedern in Erinnerung bringen. Wir sind der festen Überzeugung, daß die jüdische Religion, so gut wie nur irgend eine andere, imstande ist, zu sittlichem Handeln zu erziehen, den Charakter zu bilden und selbst dem philosophischen Deuker einen Kultus von reinen Formen und tieferem Gehalt zu bieten. Die Mitglieder eines solchen Vereins werden unfern Gegnern eine bessere Meinung vom Juden beibringen, indem sie ihre Abstammung offen und mutig bekennen. Wer sich selbst nicht achtet, wer seinen Glauben und seine Herkunft verleugnet, kann sich nicht wundern, wenn er die Achtung selbstbewußter Gegner verliert. Nur ein Verein jüdischer Studenten, der als solcher mit offenem Visier seinen Feinden gegenübertritt, wird imstande sein, Männer zu erziehen, die im späteren Leben ihre ganze Persönlichkeit, ihren ganzen Einfluß für die Verteidigung des Judentums und feiner Rechte einzufetzen gesonnen sind. Wir sehen die Einwände, die man unserem Vorschläge machen wird, voraus: „Nicht abschließen dürft ihr euch, nicht die Gegensätze hervorkehren; ihr müßt bestrebt sein, die Gegensätze zu verwisckien, euch jenen zu assimilieren." Nun, dieses Mittel ist wahrhaftig nicht unversucht geblieben. Jenes Streben, das oben gekennzeichnet wurde, das Streben, mit christlichen Kommilitonen zu verkehren, ihren Umgang dem der Glaubensgenossen vorzuziehen, ist es nicht der unzweideutige Ausdruck des Wunsches, sich jenen zu assimilieren? Aber diese Bemühungen haben hier, wie in anderen Kreisen, nicht den erwünschten Erfolg gehabt. Statt uns ihre Freundschaft zu erwerben, hat die Verleugnung unseres Selbst nur dazu beigetragen, die Achtung zu zerstören, die ein fester Charakter auch dem Gegner abzwingt. Wie wir uns auch bemühen werden, wir werden es ihnen niemals recht machen. So bleibt uns

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