KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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nmznsetzen. Es dürfte kaum nötig sein, hierfür Belege beizubringen. In aller Erinnerung lebt das auch in weiteren Kreisen bekannt gewordene Borgehen und die Tendenz der Vereine deutscher Studenten. Wir, die wir noch inmitten des akademischen Lehens stehen, fühlen täglich, stündlich, welche Kluft nns von denen trennt, die wir unsere Kommilitonen nennen. Diese Tatsache ist für nns persönlich bedrückend, beschämend, aber sie erscheint bedenklich und bedrohlich auch für weitere Kreise, wenn wir die Konsequenzen dieser Bcrhältnisse in's Auge fassen. Die akademische Jugend wird als die Hossnnng und der Hort, als die künftige Blüte der Nation betrachtet. Ans ihr ergänzen sich diesen i gen Stände, die auf das gesamte geistige Leben des Volkes den verbreitetsten uub nachhaltigsten Einflnst ausüben. Die akademischen Bürger sind es besonders, in deren Hände einst die Erziehung der Jugend gelegt seilt wird: und wer zweifelt daran, daß die Gegner ihren überwiegenden Einflnst in ihrem <3tmtc geltend machen j werden? Ist dem aber so, dann ist ein Ende dieser - Bewegung gar nicht abznsehen. Vermöge der kon-! ti'.nlierlichen Wechselbeziehungen zwischen der Jugend und ihren Erziehern wird der Nassen hast traditionell werden und in potenzierter Form von einer Generation aus die andere übergehen. Es wird so in nicht zu langer Zeit eine Sumnte voll Spannung angehünst werden, die sich einst mit elementarer Gewalt auf unsere Häupter entladen könnte. Diese Betrachtung lästt aber auch klar bcu Punkt erkennen, wo eingesetzt werden must, um jenen verhängnisvollen Kreislauf wirksanl zu unterj brechen. .Haben die Anschauungen des Stlldenten > eine so groste Bedeutung für die Gestaltung des j späteren Lebens, so wird gerade eine in Studentenj kreisen sich erhebende Reaktion gegen die anti- . semitische Bewegung von tiefgehender und weittragender Bedeutung sein. Dast eine solche Reaktion nicht gerade hier l schon längst eingetreten, ist merkwürdig: dast sie — schon im eigenen Interesse des jüdischen Studenten — eine Notwendigkeit ist. ergibt sich unwiderleglich ans einer Betrachtung seiner sozialen Stellung unter seinen Kommilitonen, die — trotz aller im Prinzip anerkannten Gleichberechtigung der akademischen Bürger — von diesem Ideal noch weit entfernt ist.! WaS des gesellschaftlichen Lebens Grundlage bildet und im - SlndentenleLeu eine so wichtige Rolle spielt, die Vereinigung mit Gleichgesinnten, der Anschluss an ein Ganzes, ist uns entweder völlig versagt oder wird nns in einer Form und unter Bedingungen geboten, die ntdjx für jeden Geschmack und jeden Charakter annehmbar sind. .Ein strenger Abschluß gegen die jüdischen Kommilitionen findet sich besonders bei den Vereinen | für Pflege der Leibesübungen, die von so her- | vorragender Wichtigkeit gerade für den Studenten sind. Gelingt es dem einen oder andern, seine H Ausnahme zu bewirken, weil er gewisse äustere An- |j fordernngcn erfüllt, vielleicht auch seine Abstam J| mnng klug zu verbergen weist, dann sieht er sich „fl gezwungen, um seine Stellung im Verein nicht zu , f gefährden, den Verkehr mit seinen jüdischen Kommilitionen möglichst einznschrnnken, und erkauft < eine zweifelhafte Freundschaft mit dem Opfer seiner g Gesinnung und dem Verlust seiner natürlichsten jj Beziehungen. Eine geringe Anzahl von Vereinen — von den Fachvereinen abgesehen — nimmt allerdings Juden auf und zählt deren vielleicht h eine relativ groste Zahl zu ihren Mitgliedern; >-j} aber hier ergibt sich in Konsequenz der ganzen!§ ungesunden Verhältnisse eine Tatsache, die ebenso unleugbar, als beklagenswert ist: die jüdischen ■/£ Mitglieder wehren sich mit der Zeit selbst gegen H den Eitltritt ihrer Glaubensgenossen, um durch H ein „Überwuchern des jüdisclren Elementes" ihren Verein nicht zu kompromittieren. Kf Wir sind hier an einem Punkte angelangt, der /~ eine eingehende Erwägung verdient, und wobei wir U uns einige bittere Wahrheiten eingestehen müssen. HF Wenn unter den jüdischen Studenten die einen um H die Gunst der Christen buhlen, die andern ihren I eigenen Glaubensgenossen abweisend gegenüber- | stehen, so ist beides ein Beweis, dast diese Eie- -$ mente sich ihres Judentums schämen. Das ist der Grundschaden, der die Lebens- ,v. kraft des Judentums untergräbt. „Hino omnc principium, huc refer exitum.“ -f Es ist, als ob mit dem selbstbewußten Stolze j; des Juden auf seilte Abstammung der belebende Geist ans jenem Organismus gewichen wäre, der;f dem wütenden Anprall der Jahrhunderte Stand f gehalten hat. Wer sich des Judentums schämt, der wird es auch nicht verteidigen, ja er wird es I verlengllen, sich von ihm lossagen, und nrenn diese Gesinnnngelt immer allgemeiner werden, F dann geht das Judentunt seiner Auflösung ent- D gegen. "15 Dast aber die oben geschilderten Zustände nur :| dazu beitragen können, solchen Gcsinnuitgen Borschub zit leisten, ja zu erzeugen, kann keinem | Zweifel unterliegen. | Bor allem beklagenswert ist ihre Wirkung aus | den jungen Studenten, der soeben vom Gymnasinm kommt linb auf der Universität die Berz wirklichung feiner Ideale sucht. Gerade er bedürfte § eines äußeren .Haltes, da sein Geist noch nicht § die Erfahrung, fein Charakter noch nicht die Festig- K teit besitzt, welche erforderlich ist, um die zahl- | reichen Versuchungen und Kämpfe erfolgreich zu ß überstehen. ß