KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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.-Jahrhunderts ist zugleich die Geschichte des Farbenstudententmns. Wenn, auch heute noch, der Couleurstudent, besonders auf kleineren Hoch- Mulen, die ausschlaggebende Rolle spielt und geradezu als Vertreter des deutschen Studenten angesehen wird, so war das vor 100 Jahren unvergleichlich viel mehr der Fall. Zum Studenten gehörte Band und Mütze, und wer' innerhalb und außerhalb her Studentenschaft als vollwertig angesehen werden wollte, brauchte als notwendiges Requisit dazu die Couleur. Eine Voreingenonrmenheit irgend welcher BevölLerungs- Ür-eife gegen diese traditionellen Zutaten des deutschen Studenten ist bis zum Kriege nicht scharf hervorgetreten. Es ist nicht zu übersehen, daß die Beliebtheit des Farbenstudenten in der Wilhelmischen Zeit bedenklich, nachließ; das lag aber nicht an der Tatsache, daß Band und Mütze überhaupt getragen; wurden, sondern an dem Geist, mit dem die .Träger dieser Abzeichen behaftet waren; denn kaum .je hat sich eine Schicht in seinen -Anschauungen und .seiner Stellung zum . Volk mehr geändert, als der deutsche Student der maßgebenden deutschen Verbände, wie wir ihn von den Befreiungskriegen bis zum Weltkrieg verfolgen können. Welchein Unterschied besteht z. B. zwischen dem Burschenschafter des, Wartburgfestes, dem. Burschenschafter von 1848, ja selbst dein Burschenschafter der 60 er Jahre und 'denen, die jetzt offenbar aus der Ehrabschneiderei ein Gewerbe machen und sich zu Beschlüssen hergeben, deren Schamlosigkeit nur durch ihre Dummheit übertroffen wird. Bon einer Vereinigung hochgesinnter junger Leute mit dem Ideal, der Sache des Vaterlandes durch Aufopferung und Hingabe an das große Ganze, zu dienen, wurden die farbentragenden Korporationen in ihrer überwiegenden .Mehrzahl letzten Endes nichts als ein .Studentenklub mit der Aufgabe, für leichte Karriere und angenehme Laufbahn ihrer Mitglieder zu sorgen. Man kann beinahe sagen, daß die einzelnen farbentrageirden Studenten?, verbände. innerhalb des Staats ihre Einflußsphären ^gegeneinander abgegrenzt hatten. Durchschnittlich bekam der S. C. er die besten Posten, dann kam der D. B. er, dann der V. C. er, und! die /übriggebliebenen Reste waren dem L. C. er Vorbehalten. Mit dieser verärgerten Auffassung der Couleurstudenten dem Staat gegenüber ärgerte sich auch in den unteren Bevölkerungskreisen das innerliche Verhältnis zum Farbenstudenten. Der Staatsbürger, der den bevorzugten Kreisen nicht angehörte und von einer zum größten Teil aus jenen farbentragenden Kreisen hervorgWangenen. Beamtenschaft regiert wurde, deren Pflichteifer nicht bezweifelt werden soll, deren Unfähigkeit zum Erfassen großer politischer Gesichtspunkte jehoch stets offenkundig war und durch den uniglücklichen Krieg Brief und Siegel erhielt, sah schon m dem Farbenstudenten den Menschen, dev nur. Kraft seiner Mütze und seines Bandes ohne Nach- 'weis seiner Fähigkeit einen Platz beansprucht underhielt, der dem Durchschnittsbürger bei gleichen Leistungen verschlossen war. Er sah, daß' das, was wir vor dem Kriege als „Geist des Reserveoffiziers" schaudernd erlebt haben, der Geist des Couleurstudenten wurde. Seine Abneigung gegen das, was sich im Besitz einer bunten Mütze oder eines zweifarbigen Rockes besser dünkte als die anderer Staatsbürger, wuchs mehr und mehr, und so war nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges der Boden für eine.offensichtlich hervortreiende. Abneigung weiterer Bevölkerungsschichten gegen das Farben-Studententum bereitet. Die Zeiten .sind jetzt ruhiger geworden, und somit auch das scharfe Zurschautragen jener Abneigung; und. wenn nun in K.C.-Kreisen die Frage zur Erörterung steht, ob die veränderten Verhältnisse in der gesellschaftlichen und allgemeinen Schätzung und Stellung des Farbenstudenten uns zum Nachdenken darüber veranlassen sollten, so muß darauf hingewiesen werdeir, daß wir nie deshalb Couleur trugen, um uns vor unseren Mitbürgern auszuzeichnen, sondern nur deshalb, um unsere jungen Leute zu dem Bekennermut und dem Auftreten zu veranlassen, das sie zu aufrichtigen Staatsbürgern jüdischen' Glaubens machen soll. Der K. C. er steht auch heute noch auf vorgeschobenem Posten, gerade weil er die Farben trägt und gerade weil er mit diesen Farben den Unannehmlichkeiten einer antisesmitischen.Bewegung ausgesetzt ist, die heute stärker und gemeiner als je die deutschen Hochschulen zum Gespött des Auslandes macht. Es ist wohl möglich, daß man auch ohne Farbe einen Mann zum guten K. C. er erziehen kann und tdir alle kennen in unserem Freundeskreise Männer, die auch ohne Couleur dieselben Leute geworden Wären, auf die wir heute stolz sind. Aber: sicher ist sicher, man lehrt jemand eine Veriantwortung tragen, wenn , man' sie ihm offenkundig auflädt; weirn man die eigenartige Tatsache sich vor Augen hält, daß in unseren Korporationen antisemitische Beleidigungen einem Couleurträger gegenüber stets zu den Seltenheiten gehört haben und die meisten antisemitischen Unannehmlichkeiten sich in der couleurfreien Zeit ereignet haben, wird man 'ersehen, welche erzieherischen Wirkungen die Couleur'gehabt hat, auch nach austen hin. - ' .Diese Erfahrungen werden auch durch das Ergebnis der. bekannten Rundfrage ' bestätigt, deren Beantwortung -sich nahezu einstimmig für Beibehaltung der Couleur ausgesprochen hat. .Das bedeutet natürlich nur die kÄellungnahme