KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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religiösen Empfindens begründet, daß keine Instanz errichtet wurde, noch je errichtet werden wird, die die seelischen Voraussetzungen für den Eintritt in unsere Verbindungen prüft.' Sie sind Gewissenssache, und wer in eine „Verbindung deutscher Studenten jüdischen Glaubens" eintritt, muß selbst mit sich abmachen, warum er sich einer Vereinigung mit dieser Bezeichnung und Voraussetzung anschließt. Ohne weiteres sei zugegeben, daß man im allgemeinen recht flüchtig über diesen Punkt hinweg gegangen ist. Der Ruf nach positiver Tendenz ist aber das Zeichen der Selbstbesinnung. Man prüft die Grundlagen seines eigenen Standpunktes und kann dies natürlich nur tun, wenn man Sinn und Zukunft des Judentums selber richtig .zu deuten weiß. So führt die Sehnsucht nach positiver Tendenz folgerichtig zu dem, was wirklich not tut: zur Vertiefung und Positivierung der Ausbildung! Wissen vom Judentum, von seiner Vergangenheit, seiner Lehre, seiner Zukunst! Das fehlt tatsächlich. Wo es sich aber einstellt, bedeutet es unfehlbar den Weg zur Religion. Und wenn ein Blick in das Verbindungsleben uns heute allenthalben das Bewußtsein von der Notwendigkeit ausgedehnten jüdischen Wissens zeigt, so bedeutet das in Wahrheit einen gewaltigen Schritt auf dem Wege zur religiösen Vertiefung, Das Judentum ist nach dem Kriege verschont geblieben von schwärmerischer Mystik, die in auflodernder Glut die Seelen zur Höhe reißt, um sie bald wieder matt und ausgebrannt zur Erde sinken zu lassen. Das Scheinleben der tollen Ekstase, das in Zeiten der Gefahr so oft Bestand und Zukunft unserer Gemeinschaft gefährdet hat, ist kaum aufgetreten, wenn rnan nicht etwa — es geschähe aber mit Unrecht — die ebenso unjüdischen wie unverständlichen, ausgeklügelten mystischen W.'isheiten mancher Zionisten des Westens dazu rechnen will. Man darf darin ein gutes Zeichen sehen. Jüdische Religiosität ist nicht mit dem Maßstabe arwerer Religionen zu messen. Sie ist weder reine Hingebung, noch reines Gefühl. Sie kann nicht losgelöst werden vom Boden der Geschichte; trotz des Kopfschüttelnd derer, die an christlichen Ideen ihre Ideale messen, muß es wiederholt ausgesprochen werden, daß die Vertiefung d's Religiösen mit der Vertiefung des Wissens Hand in Hand geht. Mehrung des Wissens bedeutet noch nicht die Schaffung der rein religiösen Werte, aber sie ist der Weg dazu. Und wenn im K. C der Wunsch nach dem „Positiven" immer reger wird, so gibt es für ihn seiner Stellung und Aufgabe als deutsche Studentenverbindung gemäß keinen anderen Weg, um ihn zu befriedigen chs die Mehrung der jüdischen Kenntnisse seiner Mitglieder. Der K. C. kann und darf in Frage religiösen Denkens und religiösen Handelns keinen Zwang ausüben, die Grundlage des Wissens aber darf er und muß er schaffen. Der Krieg, der den Vernichtungswillen gegen das Judentum aufs neue gebar, schuf auch das Heilmittel, indem er indirekt zur Selbstbesinnung, zur Rückkehr zum religiösen Urgründe des Judentums zwang. Aufgabe des K.C. wird es sein, zu seinem Teile an der religiösen Erneuerung wenigstens dadurch mitzuarbeiten, daß er die hier angedeuteten Wege im vollen Bewußtsein ihrer Bedeutung geht. Die couleurkrage in der nackrevolulionären Zeit. Bon Dipl.-Jng. Hans I. Remak. (Sprev., Biad.-D.) Auch in unserem Verbände hat man sich in deil Jahren nach der Revolution dauernd unÄ eingehend mit der Frage beschäftigt, ob in der heutigen Zeit für unsere Verbindungen das Couleurtragen angebracht sei oder nicht. Man darf sagen, daß, soweit von einer Aktualität dieser Frage die Rede fein kann, sie erst nach dem Kriege aktuell geworden ist, denn vor dem Kriege gab es Mr den K. C. er eine Couleursrage überhaupt nicht mehr. Sie hat vielleicht, in geringem Maße in jenen Tagen bestanden, als die 7 alten K. C.-Verbindungen ins Leben gerufen wurden. Bei jenen Gründungen tauchte jedesmal die Frage auf, ob Couleur aufgesetzt werden sollet, oder nicht. Die Entwicklung vollzog sich dann in der Weise, daß im allgemeinen die alten Verbindungen als schwarze Verbindungen ins Leben traten, dann -aber nach einigen Semestern Couleur aufsetzten. Der Erfolg der Couleur war dann augenscheinlich der, daß bei den darausfolgenden zahlreichen Neugründungen von K. C.-Verbindungen die Frage des Couleurtragens von vornherein bejahend ''entschieden wurde, wenn auch aus besonderen Rücksichten mit dem Aufsetzen der Couleur in einzelnen Fällen noch kurze Zeit gewartet wurde. Die verfassungsmäßige Festlegung der Auffassung, daß eine K. C.-Verbindung ohne Couleur nicht denkbar sei, erfolgte dann im K. C.--Statujt. Es ist bekannt, mit welcher Zähigkeit die Forderungen der Couleur für unsere Verbindungen festgehalten wurde, und man erinnert sich der Fälle, daß die Aufnahme außenstehender, uns wesensverwandter Korporationen an der Couleurfrage sich zerschlug. - Welches wären die Gründe, aus denen heraus die Couleur für den K.C. er erforderlich wurde? Die Geschichte des deutschen Studenten auf deutschen Hochschulen seit Anfang des vorigen