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KC-Blätter · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 18

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
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18 der Religion „segnen" lassen. Der Krieg ftritt -— von den Ausnahmen, da er gewissermaßen als Strafmittel dienen soll, um wirklich dem verletzten -Rechte'Geltung zu verschajfen—auf dem Wege der Gewalt ausmachen, was nicht durch gütliche Übereinkunst zu regeln ist, er geht souverän über siitllche Prinzipien hinweg, und wenn durch die Kanonen— die alten preußischen trugen die Inschrift: ultima ratio regum — die endgültige Entscheidung herbeigeführt ist, so ist es nichts wie widerliche Heuchelei, wenn der siegende Teil in seiner offenkundig gewordenen materrellen Überlegenheit, eine Bestätigung der Gerechtigkeit seiner Sache und des Wohlgefallens Gottes erblickt. Wahre Religion darf nicht zur Umhüllung für das Prinzip der Vergewaltigung dienen. Denn Religion ist untertan dem doppelten Grundsatz des absoluten Rechts und der Einheit des Menschengeschlechts, sie ist darum unbedingt pazifistisch und - erstrebt als Endziel der Entwicklung die Einigkeit aller Nationen, die Menschenverbrüderung und d.en Völkerbund. Und ordnen sich zuweilen manche Religionen den politischen Anschauungen unter, die der Staat vertritt, so kann doch kein Zweifel darrüber sein, daß jede religiöse Gemeinschaft durch die Stellung als Staatsreligion berabgewürdigt wird, und daß eine „nationale" Religion einen Widerspruch in sich bedeutet. v Der Krieg als Ausdrucksmittel staatlicher Bestrebungen spiegelt das Sein der Menschheit wieder, die Religion hingegen weist ihr das So llen! Man kann das auch anders ausdrücken. Es ist bedauerlich, daß das Wort Nationalismus so vielseitig und zweideutig ist. Man müßte unterscheiden zwischen dem „K u l t u r n a t i o n a l i s - m u s" als notwendigem Lebensgrundsatz der Völker und dem „Macht n a t i o n a l i s m u s " als dem Ausdruck der Kriegsliebe. Kulturnationalismus geht von der Tatsache aus, daß die Menschbeit sich in deutlich' erkennbare Gruppen teilt, und sieht ein, daß nationaler Zusammenschluß, Pflege der nationalen Eigenart, sofern sie zu der übernationalen Sittlichkeit nicht in Gegensatz tritt, das beste Mittel ist, um die in der betreffenden Volksgemeinschaft schlummernden Kräfte in den Dienst der Menschheits aufgaben zu stellen. Nicht universalistische Verschwommenheit, nicht theoretisierende - Verkettung von Menschen, die wegen der inneren Verschiedenheit der Anlage und der Anschauung zu fruchtbarer Arbeit gar nicht vereint werden können, fördert die Wätkultur, sondern Nutzbarmachung der Kräfte in den einzelnen nationalen Gruppen gemäß ihrer Eigenheit. Und eine Machtvergrößerung — nicht alle Nationen sind ja gleich an innerer Kraft — ist hier nur denkbar ocks friedlicher Sieg der Tüchtigkeit und des sittlichen Geistes. Während so der Kulturnationalismus die Macht . des einzelnen Telles auf Vertiefung und Selbstzucht sich aufbauen läßt, denkt jedoch der Machtnationalismus nur an die Überschreitung der dem einzelnen Miede gegebenen Grenzen auf dem Wege der Gewalt. Durchdrungen vom Bewußt-: sein eigener Vollkommenheit sieht er in hoch-, mütiger Selbstüberschätzung den Sinn der Weltkultur im Siege der von chm vertretenen Eigenart und er greift,, da er ein höheres stttliches Gesetz als die Notwendigkett dieses Sieges nicht kennt, zu allen tauglich erscheinenden Mitteln, unter denen naturgemäß, da aridere Nationen sich den Ansprüchen widersetzen, an erster Stelle der Krieg erscheint. Kulturnationalismüs ist mit der Religion wohl vereinbar, nicht aber der Machtnationalismus. Erbedeutet ewigen Krieg, wahre Religion will ewigen Frieden! Krieg und Religion sind unbedingte Gegensätze! Kann man ollso die Frage überhaupt aufwerfen, ob religiöser Sinn durch den Krieg vertieft werden kann? Es gibt vielleicht Fälle, die solches zeigen. Wenn ein Volk , zu den Waffen greift, um frechen Überfall abzuwehren, wenn der ungerechte Feind durch starke Schläge überwunden wird, wenn also der Krieg seinen Ursachen nach zur Unterstützung einer religiösen Forderung unternommen und wenn durch s einen Verlauf d emstttlichen Gebote zu seinem Rechte verholfen wird, dann mag die große Masse darin ein sichtbares Eingreifen der Gottheit erblicken und die dadurch bedingte Stävkung des Gerechttgkeitsgefühls und des Gottvertrauens ist als eine Vertiefung zu bezeichnen. Jrymerhin wird aber auch dieser Zufallserfolg nur dann eintreten, wenn nicht durch die Länge des Kampfes Nebenerscheinungen hervorgerufen worden sirrd, die jeder Verinnerlichung entgegenwirken. Man muß hier die Wirkung auf die Masse von der auf die Einzelseele. unterscheiden. Das Volk in seiner Gesamtheit wird fraglos durch jeden längeren Krieg zur Verrohung geführt. Die wilden und grausamen Naturinstinkte werdenwach uw» offenbaren sich zunächst im Verhalten gegen den Feisid. Alle Reste religiöser Erziehung gehen hier verloren, und die, l durch die Dauer des Kampfes moralisch geschwächte Soldateska — man denke an die fast sadistisch anmutende Behandlung der Kriegsgefangenen in Frankreich und an-das Wüten der verschiedenen Heere gegen die unglücklichen Juden in der Ukraine — sinkt oft auf die Stufe des Raubtiers hinab. Daß damit Hand in Hand die Zeiten eines starken. Aberglaubens gehen —.nie blüht das Unwesen der schützenden Amulette mehr als zu solcher Zeit — beweist mrr noch mehr den Mangel an religiösem Sinn. Die Masse verliert jedes Gefühl für Recht und Unrecht, vor keinem der vier Grundgüter des Menschen macht der vertierte Sinn Halt/ weder vor dem Leben, noch vor der Ehre, der Familie und dem Eigentum! Das Beispiel des Dreißigjährigen Krieges zeigt,.

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