KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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der jetzigen Jugend einigermaßen genähert wurden Es ist auch nicht zu leugnen, daß sie sich, vielfach mit voller 'Absicht dem verschlossen, was .auf alle Jugend eindrang. Mancher junge Studierte hat da einen gar schweren inneren Kampf ausgesuchten, wenn er glaubte, hier nichts von dem. zu finden, was seine Altersgenossen beschäftigte. Übersehen wurde von ihm jedoch, daß keine Mauer zu hoch und zu dick ist, um Nicht Ideen hindurchzulassen. Es kommt meistens Nur darauf an, mit einer gewissen Geschicklichkeit sie aufzufangen und sie' in Einklang zu bringen mit dem, was int übrigen der Geist der Korporation war. N ach dem Kriege hatten die studentischen Kor-, porationen einen schweren Stand. Die Kriegsteilnehmer drängten zum Abschluß ihrer Studien; . den. meisten derer, die neu zur Universität zogen, erlaubten es die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht Mehr, sich einem Leben hinzugeben, wie es früher in den Verbindungen geführt wurde. Schließlich dürste die Zahl derer auch nicht gering sein, die die Zugehörigkeit zu einer Verbindung mit Fechtzwang und Couleur nicht in Einklang bringen konnten mit ihrer politischen Überzeugung. Die Extremsten gewinnen die Überhand. Auf der einen Seite starrster Abschluß vor attm Neuerungen (in den christlichen Verbindungen nimmt man den schärfsten Antisemitismus als bestes Abschluß- und zugleich Lockmittel auf), auf der anderen Seite stößt man alle überlieferten Formen ab und wandelt die festgefügte Korporationen in den lose zusammenhängenden Verein um. Das eine wird sich auf die Dauer nicht halten lassen und vermutlich, je. reaktionärer es sich, gebärdet, üm so schneller zusammenbrechen, das andere wird, daes eben keine Korporation ist, auch Nicht ewig die Mitglieder befriedigen können. Die Dinge sind im Fluß und wir sehen sie gären. Wie der Gärstoff nun aus dem kommt, was in der allgemeinen Jugend wühll, das beweist trefflich die vom Geschäftsführenden Ausschuß des K. C. angestellte Rundfrage. Nicht etwa in der Weise, daß auf bestimmte bezügliche Fragen klare Antworten gegeben sind. Im Gegenteil, wollte man sich auf diese Antworten allein stützen, so würde man vielleicht zu dem gegenteiligen Ergebnis kommen. Die Gesamtstimmung nur, die aus einigen Gutachten, aus Konventsberichten über die Erörterung der Rundstage zu entnehmen ist, läßt erkennen, was am Werke ist. Daß die Fragen, auf die es hier wesentlich ankam, dagegen oberflächlich, ungenau und unbestimmt beantwortet würden, verrät, urie. sehr diese Probleme auch bei uns noch in ihrem Entwicklungsstadium sich befinden, und zwar so sehr, daß nur ganz wenige der jungen Berbandsmitglieder sichbewußt werden, um was es sich denn eigentlich! handelt. Die akademische Jugend ist in der Tat ergriffen von derselben Bewegung, die unsere gesamte Jugend durchzieht. Auch hier das revolutionäre Drängen, das die historischen Zusammenhänge zerreißt,,die Älteren und Alten hinwegschwemmen und nur der Jugend Lebens- und Herrscherrechte zubilligeu will; auch hier ein Entpolitisierungsbedürfnis, nicht etwa in der Form, daß man Staat und Staatsleben als eine unbeachtliche Nebensächlichkeit hinstellen möchte; man will aber über das bisherige Parteisystem hinüber den Staatsgedanken entwickelt sehen; auch hier der Gedanke der menschlichen Erneuerung, in religiöser, sittlicher und körperlicher Hinsicht. Man wird nach beit Symptomen fragen, die zu diesen Feststellungen das Recht geben. Hier sind sie oder wenigstens einzelne von ihnen. Es wird die Abschaffung einer Reihe von. Korporationsformen gefordert; «ä wird nach Mitteln und Wegen gesucht, um die Einmischung der Älteren in das Verbindungsleben zu beseitigen. Beschäftigung mit den Fragen des Staatslebens wird gewünscht, dabei aber auch dem Verlangen Ausdruck gegeben, alle politischen Gegensätze zu überbrücken. Man sehnt sich nach jüdisch-wissenschaftlicher Arbeit und bevorzugt dabei rein religiöse Fragen. Ausbildung der Persönlichkeit soll in unserer Arbeit, eine wesentliche Rolle spielen; körperliche Ertüchtigung soll dringend gepflegt werden, auch hinsichtlich des Sexuallebens werden bestimmte Bedingungen laut. Nicht jeder soll befähigt sein, Leiter der Verbindung und Erzieher der Füchse zu heißen. Gegen die größeren Verbindungen macht sich wachsender Widerstand geltend. Und schließlich soll das Zusammengehörigkeitsgefühl nicht mehr nur auf Bundesbrüderlichkeit basieren, sondern der Gedanke der reinen, menschlichen Freundschaft soll das verbindende sein. Das sind, zusammengefaßt, die wesentlichen Wünsche, die mehr oder minder versteckt, von Majoritäten, Keinen Minoritäten oder gar nur von einzelnen vorgetragen werden. Besieht.man nun diese Ansichten recht, so wird man sehr leicht die Verbindung knüpfen können mit den Problemen, die wir oben als die unserer Jugend heute skizzierten. Es ist schwer, das mit dürren Worten begreiflich zu machen. So recht wird man es erst verstehen, wenn man selbst den Ton hör t, der hier entgegenklingt. i) Es ist mir leider unmöglich, Zitate aus dem Material der Untersuchungskommission anzuführen, da es mir bei Abfassung dieser Skizze nicht mehr vor- . liegt. Wer ich glaube es trotzdem deshalb ziemlich genau zu kennen, weil ich die Rundstage von ihrer ersten Ürsache an miterlebt und später die Eingänge sehr genau durchgeprüst habe.