Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268931-2268932--2656-2271824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

besonders auch den praktischen Palästinaprolemen deutlich erkennbar ist. - — . Haben wir eben in wenigen Zügen die innere Struktur der jüdischen Studentenschaft, und besonders, des K. C., im Laufe der hier behandelten Entwicklung skizziert, so bleibt noch übrig, kurz die Gestaltung des Verhältnisses des K. C. zur Gesamtstudentenschaft in den verschiedenen Stadien dieser Entwicklung zu betrachten. Der Blickpunkt für diese Betrachtung soll die Stellung des K. C. in und zu den Allgemeinen Studenten-Hlusschüssen (Astas) als Vertretungen der örtlichen Gesamtstudentenschaften sein. In der politischen Periode, die ja noch bis in die allerletzte Zeit andauert und an manchen Orten überhaupt noch nicht überwunden ist, war die Stellung ziemlich eindeutig. Da nämlich den antisemitischen Gruppen in den Studentenausschüssen ein neues, fast - allein beherrschtes Betätigungsfeld gegeben war und sie auch, trotz des stäturen-. mäßig garantierten „unpolitischen" Charakters, dieser Ausschüsse, meist Gelegenheit fanden, auf diesem Felde ihren völkisch-reaktionären Leidenschaften freien Lauf zu lassen, mußte ihnen schon aus Abwehrgründen auf dieses Feld nachgefolgt werden, auch wenn sonst kein. Grund gewesen wäre, in die Studentenausschüsse Vertreter zu entsenden. So hielten es denn auch wohl alle K. C.-Verbindungen für ihre Pflicht, es wenigstens zu versuchen, eigene Vertreter in die Ausschüsse hineinzuwählen, und wo es ausgeschlossen schien, wenigstens solche Vertreter, die unseren Interessen gleich- -oder ähnlsch-gerichtete vertraten;, sehr vielen Verbindungen gelang es auch, eigene Vertreter zu erhalten. Man sprang damit scheinbar mit beiden Füßen in die Politik, in Wahrheit erfüllte man nur das ureigene Gebot der K. C.-Tendenz, das Abwehrdes Antisemitismus in der Studentenschaft erfordert. Und man erfüllte dieses Gebot dort am wahrsten, wo man — was auf den ersten Blick'als eine völlig politische Tat aussieht — eine eigene Liste (des K. C. oder „der deutschen Stud. jüd. Gl.") aufstellte, weil man dann die Abwehr als reine Selbstabwehr treiben kann, ohne sich auf Wahl-Kompromisse mit anderen Gruppen -einlassen, also sozusagen politische Tauschgeschäfte machen zu müssen. Diese innere Berechtigung zur aktiven Teilnahme an der Studentenpolitik, die sich aus der K. C.- Tendenz, nicht etwa aus einer ^Politisierung" des K. C. ergab, änderte aber nichts an der Tatsache, daß die Vertreter des K. C. in den Ausschüssen von den übrigen 'Gruppen als politische Gruppe angesehen wurden, weil ihre Betätigung in diesen jedenfalls ihre erste Ursache findet in der Bekämpfung des Antisemitismus, der sich hier auch als politische Erscheinung geltend macht. Die K.C-Vertreter selbst aber dürften und dürfen sich nicht der Erkenntnis verschließen, daß man sich nun einmal in der Äußenarbeit auf politischem Boden befand (mochten die Ausschüsse auch noch so oft in ihren Statuten betonen, daß sie nur Hochschulaufgaben erledigen wollen — die Einflüsse der politischen Erregung waren stärker als alle Statuten!), daß man also auch vor politischen Mitteln nicht zurückschrecken durfte, wo os die Erreichung des -erstrebten Zieles, Abwehr des Antisemitismus in den Astas erforderte. Das bedeutet nicht nur, daß man einzelne Übergriffe, wenn sie vorgekommen waren, mehr oder weniger wirksam 'zurückwies, sondern daß man sich auch in vorausschäuender Weise mit den Gruppen, von 'denen nach ihrer oder ihrer Mitglieder politischer Stellungnahme Unterstützung zu erwarten war, gegen die Gruppen zusammenschloß, deren allgemein politischer Standpunkt ihre antisemitische Einstellung verbürgte, mochten sie sie auch nicht immer offen zur Schau tragen, daß man z. B. jedes Zusammengehen mit ihnen ablehnte, mochten sie auch, wenn es ihnen.paßte, ihre wahren Ziele unter nationalem Mäntelchen verhüllen. Denn der Begriff der parteipolitischen Neutralität ' des K. C., der für die Gestaltung seines Innenlebens ein unverrückbarer Grundsatz ist, darf nicht dazu führen, ihn in der notwendigen Äußenarbeit in der Erfüllung einer tendenzgemäßen Aufgabe, der Bekämpfung des Antisemitismus in der Studentenschaft, rzu lähmen, darf ihn nicht die Augen verschließen lassen vor der Tatsache, daß eben bestimmte Parteien antisemitisch sind und daß, wenn sie oder ihnen nahestehende Gruppen sich in den offiziellen Organen der Studentenschaftpolitisch betätigen, ihnen auch entsprechend entgegengetreten werden muß. Aber abgesehen von den Streitigkeiten, die sich mitunter aus der falschen Auffassung der „politischen Neutralität ergaben, war in der Zeit, in der die Politik die Astas beherrschte, die Stellung des K. C.^ so schwer auch der Kampf war, eine klarere und daher im Grunde leichtere: die Front selbst war gegeben; das Verhältnis zu den einzelnen Elementen des völkisch-reaktionären Teils der Studentenschaft gestaltete sich verschieden nur nach der Jntensivität, in der sie ihre antisemitisch« Gesinnung betätigen. Fast allerorts war und ist noch zu bemerken, daß diese Betätigung am ungezügelsten bei den freistudentischen Elementen war, während sie bei den Korporationen im Verhältnis zu dem gesellschaftlich höheren .oder tieferen' Niveau ihres Menschznmaterials mehr .oder weniger Hemmungen auswies; so verhält sicht z. B. der Kösener S. C. meist etwas zurückhaltend. Biel komplizierter wird die Lage für dar K. C. werden, wenn sich die Entpolitisierung und ihre oben geschilderten inneren und äußerenFolgen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.