KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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-aber ihren neuen völkischen Prinzipien vielleicht euch ihrem Ruhebedürfnis, nicht mehr gemäß er- : scheint, den jüdischen Studenten zu „ignorieren" — man hat ja -auch ein so bequemes Mittel : den Verruf, — dabei allerdings auch je nach dem Maß ihrer mehr, oder minder guten Korporationserziehung Provokationen ihrerseits möglichst zu vermeiden.) Ferner ist die „Entpolitisierung" aber auch keine Aufgabe von politischen Inhalten, Nw solche vorhanden sind. Sie ist nur Abkehr von dem Zustand der Beeinflußung der Lebensform des Einzelnen und besonders auch der Gesamtheiten durch die Politik, pon der Politik als Mittel der Weltbetrachtung. Wer Student soll nicht mehr wie früher ein. £<öov anohnxov werden, der als vergnügter Zecher ein „politisch Lied" prinzipiell als „garstig Lied" verabscheut, aber er soll sich auch nicht um die Politik als Mittelpunkt bewegen (die politischen Gruppen verschwinden nicht, aber sie resorbieren ihre Angehörigen nicht mehr völlig). Für jeden, der überhaupt gemeinschaftsmäßig und nicht rein individualistisch empfindet, tritt eine Gemeinschaft in den Mittelpunkt seines Wirkens, die /für ihn einen Selbstzweck bedeutet, der er mit der Ganzheit seiner Person angehört: seine? Gemeinschaft, mag sie nun Korporation, Bund, Gilde öder Fachschaft sein. Der aber, der wahrhaft an die Aufgaben der Gesamtstudentenschaft selbst herangeht, der erkennt es für sich und erstrebt es für die anderen, daß tiefster Kern des studentischen Lebens die Hochschule selbst ist, als zentrale Gemeinschaft ihrer Angehörigen *). So wird der formale Gedanke der Gemeinschaft züm Berührungspunkt aller geistig interessierten /Kräfte der Studentenschaft. . ' Es ist bis fetzt unterlassen worden, die besondere Einwirkung der hier geschilderten Entwicklung auf den jüdischen Studenten zu betrachten. Das Bild ist und war bei beiden Gruppen der jüdischen Studenten, in die man sie in diesem Zusammenhang am besten einteilt, bei bewußt jüdischen Studenten (K.C. K. I. V.) und bei denen/ die es nicht sind (Freistudenten, B. C., - Akademische Vereinigungen) das fast völlig entsprechende; und zwar nicht nur, weil der jüdische Student — das gilt in diesem Sinne auch vom Nationaljuden — jns Bild der deutschen Studentenschaft hineingehört, sondern auch aus speziell-jüdischen Momenten heraus. Nur schließt, sich hier infolge der dringenden Notwendigkeit, sich mit den gerade damals besonders brennend gewordenen innerjüdischen.Fragen (Palästinafrage) 3) BewtziS dafür bilden die z. T. an kleinen Hochschulen schon verwirklichten Bestrebungen der Gründung von gesamt-studentischen Genossenschaften, zunächst allerdings nur mit wirtschaftlichen Aufgaben, die aber weiter auSgebaut werden sollen. auseinanderzusetzen, die politische Periode fast unmittelbar an den Kriegsschluß an, wenngleich sich die äußerdn Unruhen natürlich auch stark hemmend bemerkbar machten. Auch hier ist diese Periode charakterisiert durch den Drang, sich zu organisieren und das Bestreben, bestehende Organisationen mit anderen politisch gleichgerichteten Organisationen in 'Überorganisationen (Arbeitsgemeinschaften usw.) zu vereinigen. Daher füllen sich die bestehenden Organisationen, also die Korporationen des K. C., K.J. V., die paritätischen und wissenschaftlichen Verbindungen und Vereine, und zu ihnen und über sie gesellet sich neue. Jedoch ist zu bemerken, daß wenigstens bei den bewußt jüdischen Organisationen die politische Epoche (W. S. 1918/19) in Sonderheit durch die mit politischen Mitteln (z. B. stürmische Versammlungen!) geführten Auseinandersetzungen über i nn erj üd i sche Fragen, durch den Meinungskampf zwischen Nationaljuden und ' nationaldeutschen Juden gekennzeichnet wurde, während der dann später mit der Politisierung der Gesamtstudentenschaft einsetzende Kampf gegen den Antisemitismus von den bewußt jüdischen Korporationen, die das Postulat des „selbstbewußten Juden" aufstellen, eben weil dieses ^Postulat kein politisches, sondern ein menschliches, ein Erziehungsideal ist, nie als ein rein politischer geführt wurde und geführt wird. Aber natürlich schneidet auch die Auseinandersetzung mit den Antisemiten noch in die politische Periode hinein; so äußerte sich' bei den paritätischen Organisationen gerade der Einfluß, der Politisierung dadurch, daß sie sich zum Teil bewußt in den Kampf gegen den Antisemitismus einstellten, was sie früher abgelehnt hatten. Und die jüdischen Studenten, die mit speziell jüdischen Fragen möglichst gar nichts zu tun haben wollten, verschlossen sich auch der allgemeinen politischen Zeitstimmung nicht und organisierten sich entweder bei einer linkspolitischen Studentengruppe oder bei .den „Unpolitischen". - Die „Entpolitisierung" macht sich bei den jüdischen Studenten aus denselben Motiven, wie bei der Gesamtstudentenschaft geltend. Wie schon oben erwähnt, kommt hier aber noch der überaus heftige. Kampf gegen den Antisemitismus hinzu, der den innerjüdischen Kampf wenigstens äußerlich aufhören ließ. Als Folge der Entpolitisierung zeigt sich besonders bei den jüdischen Korporationen ein stärkeres Besinnen auf die inneren Aufgaben, das sowohl im K. C. als Bestreben, nach der Zeft der politischen Außenbetätigung, die Gemeinschastsformen wieder stärker zu wahren, sich dabei aber natürlich immer der aus der K.C- Tendenz erwachsenden Aufgaben. bewußt zu bleiben, im K.J.V. als eingchendere Beschäftigung mit der Frage der inneren Ausgestaltung,