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KC-Blätter · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Schablone, bloßes Produkt der Sitte ist — gerade diese bekämpfen sie erbittert — sondern/, der Form, die dem Stoff organisch verbunden ihn' bändigt, aus dem sie .organisch erwächst, weil sie Eigenschaft des Gestaltenden ist: stete Selbstbesinnung. Und .d-iefe Form ist ihnen der auf engster persönlicher Fühlungnahme von Mensch zu Mensch aufgebaute Zusammenschluß Gleichgesinnter, die Gemeinschaft, die für sie der Rahmen ihres Wirkens ist und das Medium, durch das es sich der Austenwelt mitteilt. Daher ist stets ihre nächste Aufgabedie Sorge für die Ausgestaltung dieses Zusammenschlusses. Meist konzentriert sich das Gemeinschaftsleben in einer bestimmten gemeinsamen Tätigkeit, die sich als sein förmliches Symbol harstellt; ein solches .Symbol, ist z. B. das Wandern. Die Pflege dieses Symbols und damit des durch dieses dargestellten Gemeinschaftslebens wird zum Selbstzweck, aber natürlich nie zum Alleinzweck (das zeigt ja die obige kurze Skizierung>. ihrer Bestrebungen); der b l o ß e Freundschaftsbund, das Ideal der meisten Korporationen vor dem Kriege, für den es Selbstzweck ist und der somit eigentlich zur bloßen Form ohne Gehalt wird, ist Don ihnen ganz verschieden:. Aber natürlich ist in dieser Gemeinschaftskultur die enge Verwandtschaft mit anderen Bestreb!ungen unverkennbar: die Idee!der alten Landsmannschaft, die Idee der Wanderbewegung, aus der die Freideutschen fast alle hervorgegangen sind, taucht auf. Es zeigt sich, daß der auch gerade in unseren Reihen bei der Frage der Gestaltung dev Verhältnisses des K-C. Kameradenbewegung so qft von beiden Seiten betonte „Gegensatz" zwischen dem Couleurstudenten und dem „freien, nach Ungebundenheit strebenden - Wanderkameraden" in Wirklichkeit keiner ist, jedenfalls keiner sein soll: denn wie das Wandern, so ist auch jdie Couleur, ist jede andere sinngemäß verstandene und geübte Korporationseinrichtung ihrem .wahren Kern nach, nur Symbol, Symbol der Gemeinschaft, deren Pflege auch in der studentischen Verbindung Selbstzweck -sein soll, wenn auch besonders in' unserem Verbände nie Alleinzweck sein kann; Beweis für diese innere- Verwandtschaft ist die Tatsache, daß meines Wissens nach die meisten K. C. er, die den „Kameraden" tätig angehören, Wanderkameraden sind und daß, um wieder auf die Gesamtstudentenschaft zurückzukommen, auch viele Korporationsstudenten innerlich dem freistudentischen Gedanken nahe stehen. Diese Wesensgleichheit der freideutschen Gemeinschaftsideen mit anderen Bestrebungen zeigt eben, daß die Be-, deutung der -Freideutschen für die Entwicklung der Studentenschaft nicht darin besteht, etwas Neues geschaffen, sondern Formen wieder zu Ehren gebrächt zu haben, die in der Periode der allgemeinen Politisierung versunken zu sein 'schienen: in dieser war jede kleine..Gruppe, ja jede Individualität nur bestrebt,, sich nach' außen auszuwirken, ohne eine Form und einen Rahmen ihrer Tätigkeit zu suchen, in ihr blühte statt der auf Jnnenarbeit gestellten Gemeinschaft die politische „Organisation", die ihre Mitglieder 'nur zu einem bestimmten Zweck in sich vereinte,, ohne ihnen. innerlich etwas zu bedeuten. — — Weiter liegt die Bedeutung der freideutschen Gruppe für die studentische Entwicklung, auch darin, daß fie, innere Beziehungen zu fast allen anderen Gruppen der Studentenschaft unterhält und damit» selbst - der beste Verbreiter ihrer Ideen ist: schon erwähnt sind ihre Beziehungen zu den Völkischen, zu den \ Sozialisten, auch die rein wirtschaftlich interessierten Kriegsteilnehmerverbände (K. T'. V.) stehen ihnen nahe. Natürlich sind auch persönliche Anknüpfungspunkte zu den 'demokratischen Studentengruppen vorhanden. Mit den „un-? politischen Gruppen" treffen schon auf der gemeinsamen Grundlage des Kampfes gegen die Politisierung der Hochschule sie sich; auch sind ja meist die „Unpolitischen" die Verfechter der Bildung von Fachschaften, also von Gemeinschaften, die in ganz besonders enger Beziehung zur Hochschule'stehen. - I So stellt sich das gegenwärtige Bild der Studentenschaft dar; es soll noch einmal bemerkt: werden, daß sich die Darstellung auf subjektive Eindrücke stützt, daß sie schon deswegen nichjs völlig objektiv zutreffend sein kann, weil sie notgedrungen eine gewisse schematische Einteilung benutzen muß. Keinesfalls darf aus der Schilderung her mißverständliche Schluß gezogen werden, daß die „Entpolitisierung", weil sie eine Reaktion gegenüber dem politischen Überschwung mit seinen antisemitischen Exzessen darstellt und sich, auch in einem Nachlassen dieser letzteren äußert, unmittelbare Einwirkungen auf das innere Verhältnis der völkisch-reaktionären und der jüdischen Studenten haben-wird. Denn die hier geschilderte „Entpolitisierung" ist zunächst einmal nirgends ein Aufgeben von Grundtendenzen, die jenseits von politischen Tagesnotwendigkeiten tiefer im Wesen einer Organisation verankert' sind, ihre „selbstverständliche Grundlage" bilden. (Das beweist u. a. das Beispiel der großen schlagenden Verbände, jür die der'Antisemitismus ja leider so eine Art Grundtendenz darsteM Mögen sie sich auch aus der radikalen politischen Betätigung wieder zurückziehen und auf ihre rein korporativen Formen besinnen—, ihre sachliche Einstellung zur Judenfrage bleibt die gleiche; macht sich doch an sehr vielen Orten "bei ihnen das" Bestreben, geltend, da sie nach einer politischen Auseinandersetzung kein Bedürfnis ''mehr haben, eine waffenstudentische Auseinandersetzung

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