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KC-Blätter · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 10

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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Mittelbaren: Nachkriegszeit. Zu.diesen allgemeinen Momenten stritt bei den Kreisen, die die Mehrwert der Studentenschäst auswachen, eine - allmählich wachsende Enttäuschung und Abstoßung durch die rein Negativs Natur ihrer Bestrebungen, zumal sich die Erkenntnis immer mehr Hrrchriflgt, daß die wirtschaftliche Not, die bei Mr vielen den Antrieb zu ihrer Stellungnahme ^gebildet HMe, durch politische Mittel nicht ge- Kckben werden kann. Dazu kommt, daß für die Wesamtstudentenschaft das Arbeiten an der positiven Ausgestaltungihrer offiziellen Organisationen immer notwendiger wird (Studentenrecht, allgemeine studentische Ehrenordnung usw.), und daß unter diesen die F.achschaften, also unpolitische Orgaeisationen, eine immer bedeutendere HtÄlung einnehmen. ''Die Folgeerscheinungen dieser „Entpoliti- >. sierungsmomente^^ sind bei den.einzelnes Elementen der Studentenschaft verschieden: Bei der großen Masse:der völkisch-reaktionären Waffenstudenten äußern sie sich rein negativ als steigende Uninteressiertheit an der politischen Tätigkeit, verbunden mit einem immer stärker werdenden Bedürfnisse, wieder in den Rahmen des alten korporativen Lebens zurückzukehren. Dagegen macht sich bei deU Vertretern der 'studentischen. Mehrheit, die sich die ihrer politischen Stellung M - Grunde liegenden Ideen . wirkliche geistig zu. eigen gemacht haben, das Bestreben geltend, diese auch positiv auszugestalten. Es sind dies diejenigen, -die dem völkischen Gedanken auch losgelöst von der Verbindung mit einer bloß negativen Reaktionspolitik anhängen und die ihn überhaupt über die enge Begrenzung eines parteipolitischen.Programms hinausheben sollen. Daß der völkische Gedanke einer solchen Ausbreitung fähig ist, .daß er, um nur zwei Gebiete %u i nennen, besonders bei Gestaltung des Wirtschaftslebens (Organisationsformen!) eigene Wege weisen kann, wie auch in Fragen der Jndividualkultür ein selbständiges mrd in sich geschlossenes . Erziehüngsideal erstehen läßt, das " darf auch ' -nicht von dem bezweifelt werden, der ihn für sich «cklehnt. Aüf eine sachliche Auseinandersetzung mit ihm soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Betont werden soll nur, daß er nicht — wie es »seine Anhänger gewöhnlich tun — mit' dem nationalen Gedanken, zu dem auch wir uirs bekennen, idendifiziert werden kann, eine selbstverständliche Feststellung, deren Berechtigung sich inoch am Ende dieser. Zeilen erweisen wird. Es mag auch noch darauf hingewiesen werden, daß die, die sich hMte völkisch' nennen, .einen Grundfehler, wenn sie die völkische Idee fesseln an gewisse unklare ja unsinnige rassisch-blutmäßige Voraussetzungen und nicht erkennen, daß ihre Idee, eben weil sie allgemein menschlichen Inhalts und Wertes ist, von jedem Menschen, ganz gleich welcher Abstammung und welchen Blutes p erfochten werden kann. Vielleicht dringt im weiteren Verlauf einer Entwicklung zur Verinnerlichung auch diese Erkenntnis bei den „Völkischen" durch. Ob allerdings diese Entwicklung überhaupt schon von einem größeren Teil der völkischen Studentenschaft. verstanden und mitgemacht wird, ist eine äußerst skeptisch > zu beantwortende, ja wohl zu verneinende Frage; sicher aber ist es, daß sie von den wahren geistigien Führern erstrebt wird und daß jedenfalls die Paroke „Heraus aus der Parteipolitik", die z. B. auf dem Göttjinger Studenlentag aus den Reden denkender völkischer Studenten herausklang, auch bei einem großen Teil ihrer Anhänger Anklang findet. — — An dieser Stelle muß einer Gruppe besondere Erwähnung getan werden,. die weder zur Mehrheit noch zur demoftatisch-sozialistischen- „unpolitischen" Minderheit gehört, und. die gerade/ weil sie in dieser. Mittelstellung sich allmählich eine so bedeutende geistige Stellung iim studeirtischen Leben erworben hat, selbst den stärksten Beweis für die Entpolitisierung darstellt, für die sie gleichzeitig Faktor und Produkt, Motiv und Moment bedeutet: die Gruppe der Freideutschen. Sie kann man vielleicht als. die wahren Träger des völkischen Erziehungs-', ideals bezeichnen; denn sie lehnen seine Bindung an rassisch-blutsmäßige Voraussetzungen ab und vermeiden damit den durch die Verquickung mit der antisemitischen Tagespolitik bedingten Grundfehler der offiziellen „Völkischen". Auch auf ihr Programm — wenn man überhaupt von einem solchen bei ihnen sprechen darf — kann hier nicht in seinen Einzelheiten eing eg äugen -w erden, zumal sie absolut .nicht in allen Punkten eine Einheit bilden, im Gegenteil stark divergierende Elemente umfassen. Es mag daher nur erwähnt werden, daß trotz ihrer völkischen Einstellung in individualkulturellen Fragen sie sich nie dem verhetzenden. Treiben der völkisch-reaktionären Kreise angeschlossen, ja. dasselbe, wie jede politische Betätigung der Studentenschaft als solcher; verurteilt haben, daß sie politisch überhaupt nicht auf eine Formel zu bringen sind, weil sie K. T.' Extreme von links und rechts in sich' Vereinen, daß sie in wirtschaftlichen Fragen sogar zum großen Teil sozialistischen Forderungen nahestehen — ihre große fördernde Bedeutung für die Entwicklung der Studentenschaft .und darüber hinaus für die gesamte Jugendbewegung liegt nicht im Gehalt, im „Was" ihrer Bestrebungen, sie liegt jn einem „Wie" der Form, in der sie diese auswirken. Sie liegt zunächst darin, daß sie nach dem gestaltlosen Chaos der politischen Kämpfe der Form als solcher wieder Geltung verschaffen, nicht der Form, die bloße

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