KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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verpönt war, jetzt mit vollen. Segeln in das politische Fahrwasser hineinsteuerten! Warum sollten sich da nicht auch Bestrebungen geltend. machen, manche korporativen Einrichtungen um der einst verachteten, jetzt befreundeten Finten willen einzuschränken oder gar abzuschaffen? . Allerdings bedeuteten solche Bestrebungen den Versuch einer zeitgemäßen Demokratisierung, aber natürlich nicht in einem Sinne, der dem K. C. und den jüdischen Studenten irgendwie genehm sein konnte. (Im Gegenteil, denn ob nun die Bestrebungen, das Innenleben der Korporationen zu reformieren, Erfolg hatten oder nicht, jedenfalls machte sich als naturnotwendige. Folge der Politisierung eine Zersetzung der Formen des korporativen Außenverkehrs geltend, die dem Kampf mit dem jüdischen Korporationsstudenten erst eine besondere Schärfe verlieh, als Beispiel diene nur, daß ein großer schlagender Verband feine Verrufserklärung gegenüber einer K. C.-Verbindung einfach mit „dem Verhalten der Juden im Krieg" motivierte, ohne sich die Mühe' zu geben, eine auch nur einigermaßen studentisch kommensurable Begründung zu suchen.) Daßdaneben ajuchandere Reformbestrebungen herliefen, daß sich ferner ganze Verbände (wie besonders einzelne katholische) den genannten Gesamtorgänisationen wegen politisch abweichender Stellungnahme ihrer Mitglieder nicht anschlossen, braucht hier nicht erörtert zu werden: die große Mehrheit einte sich im Kampf für das gemeinsame politische Ideal, und dieses Ideal war zunächst die Wiederherstellung der durch die Revolution gestürzten Monarchie, die Restauration, an der der Student dieser Kreise aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen brennend interessiert war/Erst in zweiter Linie saßt neben diesen rein negativen reaktionären Bestrebungen, mit denen 'in Deutschland, nach altem Brauch, immer der Antisemitismus Hand in Hand geht, ohne daß er eigentlich begriffsnotwendig aus ihnen erwachsen muß', der bewußt völkische Gedanke in weiten Kreisen der Studentenschaft Fuß. Aber auch er beschränkt sich anfangs bloß auf das politische Gebiet, auch bei ihm tritt damals .ein allgemeines positives Programm, das sich später doch wenigstens in den Köpfen der Führer herauskristallisiert, noch nicht hervor und so erscheinen seine Anhänger nur als 'eine besonders antisemitische Spielart der reaktionären Richtung, obgleich begrifflich und psychologisch völkische und reaktionäre (monarchistische, deutschnationale,- deutsch - volksparieiliche) Bewegung nichts miteinander zu tun haben.— i Reben die so skizzierte überwiegende Mehrheit tritt eine zahlenmäßig bis auf wenige Orte meist verschwindend schwache gleichfalls nach politischen Gesichtspunkten orientierte Minderheit. Da sind zunächst — von den jüdischen Gruppen soll Hiernach abgesehen werden — alsradikal politischer Gegenpol der Mehrheit die sozialistischen Studentengruppen, in der Mitte die demokratischen Studentengruppen, und m weist enger persönlicher Fühlung mit den Demokraten die Hochschul-. Parteien, die relativ bedeutendste Gruppe der Minderheit, die unter verschiedenen Namen (Hochschularbeitsgemeinschaft, Deutscher Hochschulbund, Fachwissenschaftliche. Gruppe usw.) die Erbschaft der alten Freistudentenschaften angetreten haben, aber durch das Abspringen der politisch Rechtsstehenden in die reaktionären und völkischen Organisationen einerseits, der Sozialisten andererseits auf eine viel schmalere Basis gedrängt sind. Diese entspricht politisch ungefähr der der demokratischen Partei. Sie setzen sich aber von ihr nicht für politische Ziele, sondern für den Kampf gegen die Politik an der Hochschule und für das Zujwenden an seinen Hochschulzielen ein. Mer weil die,e „Unpolitische" den Kampf gegen politische Gruppen führen müssen, die nicht die Politik als solche, sondern eben ganz bestimmte politische Inhalte vertreten, deshalb werden auch sie letzten Endes zur politischen Stellungnahme gegen rechts und links gedrängt. Und gerade dieser verzweifelte Kampf mit politischen Mitteln gegen die Politik, der eine positive Arbeit für Hochschulziele noch gar nicht ermöglicht — wo.sie übrigens doch geleistet wurde, war es fast ausschließlich das Verdienst der Hochschulgruppen — ist der beste Beweis dafür, daß das studentische Leben dieser Periode nur einen Mittelpunkt kennt': hie Politik. - Aber so sehr das Bild der Studentenschaft auch durch die Eindrücke gerade dieser politischen Periode beeinflußt ist, so ist doch bei-näherem Zusehen unverkennbar, daß eine Wandlung eingesetzt hat, deren äußere Kennzeichen schon oben kurz angedeutet worden sind. Hier soll nun in. wenigen Worten gezeigt werden, durch welche Ursachen eine solche Wandlung, die wir, ohne vorerst den Begriff näher zu erläutern, schlagwortmäßig als „Entpolitisierung" bezeichnen wollen, hervorgerufen sein könne, um dann weiter zu fragen, ob und worin sich die Wandlung in der geistigen Struktur der Studentenschaft bemerkbar macht, ob .man also wirklich mit innerer Berechtigung, von ihr sprechen kann, Folgende Momente bilden vielleicht die Ursache: das Zurücktreten der Zeit der großen politischen. Ereignisse aus dem Vordergründe des Erlebens (einerseits. die Friedensratiftzierung, andererseitsdie wenig- .stens äußerliche Stabilisierung des verfassungsmäßigen Zustandes nach dem Ende der Kapp- Unruhen), die allgemeine physische und psychische Ermüdung durch den Krieg, noch gesteigert durch die besonderen krampfhaften Erregungen der un-