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KC-Blätter · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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* M und Sich-Organisieren; man schlüpfte da unter, - Uno Man Unterschlupf fand. Neben der Stauung der Semester ist das die Ursache des! 'übermäßigen Mnschwellens der Korporationen in den ersten Monaten nach Kriegsende. Aber in diesem Sichorganisieren des einzelnen lag nichts anderes, wie has Nachgeben gegenüber einer, fast physischen /Notwendigkeit (eben dem Hilfsbedürfnis), nicht etwa ein Verfolgen irgendwelcher geistiger Zwecke und Ziele. Dazu fehlte eben das Bewußtsein der -Erfordernisse der Zeit, der die Massen leitende ..geistige Wille. . . Er kam notwendigerweise zu dem Moment, in dem die drängendsten Gefahren des Chaos Nachließen, die die innere Sammlungverhindert Hatten And damit setzte — ungefähr Ostern . 1919 — die zweite Periode ein, die das Bild der Studentenschaft schuf, das sich dem Blick so rinprägte, daß wir es noch heute zu isehen glauben, obwohl es nunmehr den Tatsachen, nicht mehr -voll entspricht: das Bild der politischen Studentenschaft. Und zwar war diese Politik jedenfalls. bei dem- Teil, der am stärksten die Augen aufsich lenkte, vielleicht' aber, in Wahrheit nie so stark „und ausschlaggebend war, wie er es zu sein schien, eine Politik der radikalen Reaktion, jallmählich stark beeinflußt von völkischen Gedanken, eine Politik, die für uns ihren auf- . fälligsten Ausdruck fand in einem ungezügelten Antisemitismus. Es braucht hier in diesem Zusammenhang keine Schilderung dieser Epoche gegeben zu werden, jeder von uns hat sie, dort früher, dort später, mehr oder weniger intensiv miterlebt. Das Bild der Gesamtstudentenschaft dieser Epoche trat mir persönlich am erschütterndsten auf dem Dresdener Studententag im' Mai 1920 vor Augen, als nach langen stürmischen, durch leidenschaftliche Hetzreden entfachten Debatten in namentlicher Abstimmung entschieden wurde, ob Juden zur Deutschen Studentenschaft „zugelassen" . werden sollen. Es war ein Höhepuntt politischer Erregung, aber man konnte, -rls der Antrag mit überwältigender Mehrheit abgelehnt wurde, sich . auch nicht dem Gefühl verschließen, daß es auch ein Wendepunkt war. Beweis dafür war nicht nur der bedeutend sachlicher verlaufende Göttinger Studententag, sondern auch die Gestaltung der Verhältnisse an den einzelnen Universitäten. Ln der letzten Zeit, ungefähr seit den Sommermonaten 1920 nach den Reichstagswahlen. Die antisemitischen Radauszenen in Studentenversammlungen und -ausschüssen lassen nach und .. auch andere Symptome allerorts beweisen, daß das studentische Leben allmählich aus dem politischen Strudel wieder in ruhigere Formen zurück- ' kehrt. Ob diese dritte Periode aber nichts weiter ist als der Beginn einer allgemeinen Interesselosigkeit am studenttsch-öffentlichen Leben, oder ob sie auch durch positive innere Ursachen zu deuten ist, soll im folgenden besprochen werden. Wir finden diese Deutung, wenn wir uns von der Betrachtung der äußeren Entwicklung der Studentenschaft zu der ihrer inneren Struktur in den einzelnen Epochen dieser Entwicklung zuwenden. Die erste, oben geschilderte Periode, die unmittelbar auf den Krieg folgte, scheidet hier aus. Was zu ihrer Charakterisierung gesagt werden kann, ist schon gesagt worden; was sie kennzeichnet, ist eben der Mangel einer einigermaßen in festen Linien zu. zeichnenden inneren Struktur, sie ist geistig sozusagen noch „tote Zeit". ' Aber natürlich enthält sie alle Keime zur kommenden Entwicklung. Gerade der in ihr so sehr bemerkbare allgemeine Drang zum Sichorganisieren schafft die Beziehungen zu der zweiten Periode, die man als das politische Stadium der Deutschen Studentenschaft bezeichnen kann. Denn auch diese Periode kennzeichnet eine förmliche Organisationswut; nur vollzieht sie sich jetzt. unter einer bewußt' politischen Zweckeinstellung. Daher kommt in diesem Zusammenhang weniger das — noch unvermindert anhaltende — Anschwellen der alten Korporationen in Betracht als vielmehr die Gründung neuer Organisationen und Organisationsformen. So vereinen sich die Freistudenten in meist völkisch orientierten Finkenschaften, also nicht wie früher zur Wahrung .freistudentischer Interessen, sondern unter bestimmten politischen Gesichtspunkten, oder sie vereinen sich unmittelbar in polttischen Gruppen; und die Korporationen der großen Verbände vereinen sich wiederum mit den ihnen nahestehenden polttischen Studentengruppen (also den deutsch-nationalen und deutsch-volksparteilichen) und Finkenschaften in gemeinsamen Gesamtorganisationen (z. B. im Hochschulring deutscher Art). Gerade das Einschwenken der Korporations- und besonders der Waffenstudenten in diese studentische Gesamtorganisationen ist für^ die Beurteilung ihrer „Politisierung" äußerst interessant. Hier sind sie in enger Mitarbeit vereint mit Freistudenten, die dem Korporationsstudententum als solchen, besonders auch der Satisfaktion, zum Teil durchaus ablehnend gegenüberstehen. Aber die politisch leitenden Köpfe in den großen Verbänden sind bemüht, Reibungsflächen, wo sie sich finden können, zu vermeiden im Interesse des gemeinsamen politischen Ziels. Meistens führten wohl diese polttisch motivierten Ausgleichsbemühungen gegenüber den gleichgesinnten Freistudenten zu den Reformbestrebungen in den Verbänden, von denen so viel die Rede war, ohne daß man etwas Genaues von ihnen wußte. War es doch schon die bemerkenswerteste Reform, daß die Korporationen, in denen zunächst vor dem Krieg jede.Polttik

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