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KC-Blätter · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 3

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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stehen und Mißverständnis des Gewollten haben in vielen Antworten Raum. Aber was am höchsten erwünscht ist: geistiges Streben und der Wunsch, sich durchzuringen, tritt an vielen Stellen stark hervor. Die Einteilung der Rundfrage war so, daß zunächst nach der Stellung der stud'entischen V^erb indung e n überhaupt gefragt wurde. Von /fast allen Seiten wird dazu berichtet, daß in. der Öffentlichkeit eine ziemlich starke Wandlung in der Betrachtungsweise gegenüber den studentischen Verbindungen nicht zu verkennen sei. Von Süddeutschland (Freiburg) wird eine gewisse Feindseligkeit, gegen nord-, deutsche Studenten gemeldet und fast allgenrein betont, daß die Verbindungen als unzeitgemäß, besonders von den Arbeiterkreisen empfunden werden, und daß es infolgedessen auch gelegentlich zu Zusammenstößen gekommen sei; so in Breslau anläßlich des Kapp-Putsches, in Hannover, wo Arbeiter Techniker bei der Besichtigung eines Werkes mit Holzknüppeln beworfen haben; in Heidelberg wird auch vom Katheder (Professor Weber) den Verbindungen gegenüber eine unfreundliche Stellung eingenommen In der Studentenschaft selbst hat sich auf vielen Hochschulen der Geg ens atz-zwischen Finken und Korporation sehr verstärkt, aber es bleibt doch fast' durchweg dabei, daß bje Verbindungen ihre überragende Stellung im Studentenleben beibehalten haben, und daß auch ihre gesellschaftliche Stellung unverändert' geblieben ist. In den meisten Studentenvertretungen geben sie entweder allein oder durch geeignete Koalitionen (in Freiburg mit Klinikern und Vorklinikern zusammen) den Ausschlag. Königsberg und Frankfurt a. M., wo die Korporationen im Vorstand der ,Msta" nur einen einzigen Vertreter haben, find Ausnahmen. Ein organisierter Zusammenschluß der freiheitlich gesinnten Stu-, denten ist ihrer ganzen Veranlagung nach nur in. geringerem Maße erfolgt. Sie sind durchaus nicht imstande, sich mit Erfolg den alten studentischen Verbänden und Korporationen entgegen zu stemmen. Schon im Zeitpunkt der Beantwortung der Rundfräge (S. S. 1920) wurde fast überall berichtet, daß der Geist der Zeit und die Umwälzungen spurlos an den meisten Studenten-; torporationen vorübergegangen seien, daß völkische Tendenzen sich stärker als vor dem Kriege geltend machten, daß die katholischen Berbindungen aber ihre unpolitische Stellung meist beibehalten hätten. Darmstadt hebt eine Vereinfachung der Lebensführung vor; Leipzig meldet Verschärfung des Mensur- und Kommentstandpunkts. Die neuere Entwicklung in den Beschlüssen der Burschenschaften und ähnlichem hat. die schon damals von den Verbindungen richtig erkannten Strömungen innerhalb der Korporationsstudentenschasi zu ungemein verstärktem Ausdruck gebracht, obwohl gerade von der Bürschenschast einige Verbindungen eine Erneuerung erwartet hatten. . -; III. v ■ Der zweite Abschnitt der Rundfrage galt der StellUng der jüdischen Student e.n.' Über den Grad des Antisemitismus wird berichtet, daß die Korporationen durchweg antisemitisch sind. Erklärungen, wie sie im De-- zember 1919 in Darmstadt abgegeben wurdenwonach dem Verband der Korporationen antisemitische Tendenzen durchaus fern lägen, und wo sich die Finkenschaft hem anschloß, sind ganz vereinzelte Ausnahmen und stammen aus einer Zeit, in der die neue antisemitische Bewegung noch nicht zu dem Umfang gediehen war, den sie zur Zeit der Umfrage bereits angenommen hatte, und der sich seitdem nur noch erweitert hat. Auch von katholischen Verbindungen werden ganz tut Gegensatz zu der früheren Stellung dieser Korporationen antisemitische Tendenzen von manchen Orten gemeldet. Im allgemeinengilt von den großen Verbänden der S. C. noch als der maßvollste. Von Leipzig wird gemeldet, daß er dort jede Propaganda-abgelehnthabe;- dagegen hat er in Karlsruhe die Führung, und in Halle beschließt er den Ausschluß der Christen jüdischer Abstammung: Die Stellung der Finke n s ch a f t -dem Antisemitismus gegenüber ist, nach der politischen Gesamtstellung der örtlichen Finkenschaften durchaus geteilt. An einigen Universitäten tritt hei ihr ein besonderer. Antisemitismus nicht zutage. In Heidelberg, wo; die. Finkenschaft sich mit Hakenkreuzen schmückt und in Berlin, das als Herd des Antisemitismus bezeichnet wird, ist er stark, im Durchschnitt jedoch geringer als bei den Korporationen. In Köln, verhält. sich die Finkenschaft dem Antisemitismus gegenüber ablehnend. Von den politisch organisierten Studenten neigen; wie es in der Natur der Sache liegt, die rechtsstehenden dem Antisemitismus zu. Die Führung im Antisemitismus auf den Hochschulen Habens meistens die Korporationen, in Berlin die Finken und der Verein deutscher Studenten, in Freiburg und Darmstadt die Burschenschaft, an manchen Orten auch politische Verbände, wie die Schutz- und Trutzbünde, so in München, Würzburg und Marburg.! . ' ' . . Zu körperli ch e nZus a m m e n st ößen ist es in Breslau mit Arbeitern, in Heidelberg mit Studenten und gedungenen Elementen, wahrschein?--

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