KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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132 rerum höherer Staatsbeamter und ein bedeutender Schulmann geworden war, seinen echt liberalen Anschauungen niemals untreu geworden ist. Ich frage meine Herren Kritiker: Was haben diese Männer, was haben auch die Burschenschaster der vierziger Jahre mit solchen Anschaliuugen gemein, wie sie uns in den Eisenacher Beschlüssen entgcgeutreten? Denn, das; damals auch zahlreiche jüdische Studenten der Burschen? schast angehörten werden sie so gut wissen wie ich selber, und niemand von uns hat, wenigstens in der Burschenschaft, der anzugehören ich die Ehre habe, an der Konfession oder der „Rasse" eines jungen Deutschen Anstof; genommen, der das Unglück hatte, als Jude geboren zu sein: noch bis in die jüngsten Tage hinein hat meine Burschenschast dergleichen Tendenzen abgewiesen. und ihre Vertreter haben sich auch, wenn ich recht unterrichtet bin, bei der Abstimmung über die Beschlüsse nicht beteiligt, die mir mit echt freiheitlichem, echt burschenschastlichem Geiste nie und nimmer in Einklang zu stehen scheinen. 'Ich frage meine .Herren Kritiker auch: Ist es vielleicht nur ein ZujaU, das; in den Parlamenten, im Reichstag und Landtag, die weitaus grösste Zahl der alten Burschenschafter immer in unseren, d. h. den freisinnigen Reihen fas; und nur ausnahmsweise ein alter Burscheuschaster sich zur Rechten, höchstens zur sreikouservativen Partei rechnete? Rein, es bleibt bei dem, was mir ein alter Burschenschafter noch dieser Tage schrieb: „Wenn man uns die alten grossen Leitgedanken nimmt, dann sinken wir herab. Warum dann nicht gleich Korps?" So ift's in der Tat. Und dann frage ich «keine. Herren Kritiker endlich: Wollen sie auch die jüdischen Burschenschaster, die im Kampfe fürs Vaterland ihr Leben in die Schanze geschlagen und oft genug ihre Vaterlandsliebe mit dem Tode besiegelt haben — wollen sic auch diese mit den Eisenacher Beschlüssen aus der Burschenschast ausstosten? Soll das des Vaterlandes Dank, soll es rvirklich im Geiste der alten Burschenschast gehandelt sein? Ich glaube es nicht. Wenn die junge Burschenschaft von heute daher an den Eisenacher Beschlüssen fcsthalten sollte, die dem Geist deä neuen Deutschlands so zuwiderlausen, dann handelt sie sicherlich nicht im Geiste ihrer Väter, die einst unserem Volke ans der Bahn des Fortschritts und der Freiheit voranschritten und sich tmr.cl) nichts in der Wett, auch nicht durch die ärgsten Versolgungen dev Reaktion, von dem Wege ablenken kiesten, aus dem sic ihre Ideale zu verwirklichen strebten. Und nur dann, wenn die jungen Burschenschafter den freiheitlichen Idealen der alten Burschenschaster trenbleiben, nur dann werden sie der Väter wert sein: nur dann auch wird die Burschenschaft in unseren Tagen ein Recht haben, wciterzulcben — zu leben in dem Geistedes deutschen Liedes, des alten Bnrsckenliedcs, der mich auch mit meinen Herren Gegnern eint und alle guten Deutschen immer einen wird: „Einigkeit und Recht nnd Freiheit Sind des Glückes Unterpfand. Danach lastt uns alle streben Brüderlich mit Herz und Hand." Waffenring-) ".Während es eine Zeitlang so schien', als ob der Wasseriring dem Inden überhaupt die Satisfaktion verweigern wolle, hat man sich srhliestlich doch besonnen nnd die Schmach eines „Waidhosener Beschlusses" ist dem reichsdcntschen Namen noch erspart geblieben. Nicht mürber bedenklich freilich ist der *) Bgl. auch den Leitartikel. , Beschluß, der gefasst wurde und dessen Urheber (nach der Nnnuner 9/lO der Deutschen CorpSzeilung) der L. E. ist: „Getretl seinem d e u t s ch v ö l k i s ch e n Grunds a tz nimmt der A. D. W. (Allgemeiner Deutscher Wasfenring) dem Judentum gegenüber folgenden Standpunkt ein: Die Waffen der jüdischen Verdi n b it« g c « werden nicht anerkannt, jedoch erhält der einzelne.Jude als Förderer und Geforderter unbedingte Genngtuung, sofern er bei einer der dem A. D. W. «»gehörenden Verbindungen Waffenschuh belegt." Die „Deutsche Corpszeitung" gibt hierzu folgenden anmutigen Kommentar. „Nach verhättnisnlästig kurzer Verhandlung wurde dieser Antrag angenommen: nach den übereinstimmenden Aussührungen der dazu sprechenden Vertreter hatte man bei den Waffenringen auf Grund vorliegender Tatsachen die Überzeugung gewonnen, das; die jüdischen Verbindungen als Paro» dieett auf altes deutsches Korporationswesen nach den bei ihnen herrschenden Anschauungen und Gepflogenheiten lediglich dazu dienen können, dem wassenstttdeittlichell Gedanken Abbruch zu tun, nnd dast sic deshalb nach Möglichkeit zu bekämpfen nnd zu beseitigen wären. Gleichzeitig beschlos; man, alle diese Amchaunngen bestätigenden nnd ans dem Waffenstudentelttag z. T. vorgebrachten Unterlagen zu sammeln und zu sichten Diesem Beschlüsse gcmüs; sind alte einschlägigen Tatsachen und persönlichen Erfahrungen an Herrn o;mcl. Thicine, Karow b. Berlin, Kerkowstraste ll) mitznteilen." Dast die jüdischen Verbindungen (lies: K. C.-Verbindungen, da neben den fünfundzwanzig K. E.-Korporationen für das Wassenstlidententnm als jüdische Verbindungen wohl nur noch Beda-Würzburg, Tahlemia Berlin und eventuell Teile des zionistischen B. Z. K. in Betracht kommen) manchem Ritter vom Hakenkreuz sehr nnbeguem geworden sind, geben wir gern zu, und wenci man den mannhaften Kamps überschaut, den wir K. E.er gegen den wichtigsten Faktor in den Tendenzen der Waisenringkorporationen, gegen« den Antisemitismus ''geführt haben und führen, so begreift man den Zorn. Ans die „vorgcbrachten Untersagen" sind wir mastlos neugierig, nur fürchten wir stark, das; unsere Neugierde kaum desriedigt und dast das Archiv des .Herrn Kavow niemals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird. Dast sich die Aufsassungen der K. E.-Berbindungen in manchen Fragen von denen gewisser Wasscnringlvrporationen unterscheiden, sei insofern zugegeben, als man Hei uns Anschauungen von Ritterlichkeit nnd Anstand hat. Hie sich tatsächlich dort nicht finden. Und wir wollen unsere Unterlagen ö f s e n t l i ch vorlegcn, angefangen von den skandalösen Vorgängen beim Rostocker Universi-. tätsjubiläuin bis zu den „Negerinnen" der deutschen Burschenschaft. Wir meineil. das; zuweilen die Grundsätze unserer K. C.-Vervindnngen mehr dem Ideal der deutschen Ehre entsprechen als die der Ritter vom Hakenkreuz. Selbstverständlich kann aber hier noch nicht Stellung genommen werden, bevor der G. A. nnd der K. C.-Tag gesprochen haben. Wir hoffen in der nächsten Nummer ans bernsencr Feder eine. Abhandlung über die Satissaktionssrage in ihrer' Gesamtheit bringen zu können. Ausländerfrage. : Die unheilvollen Folgerungen aus den Gättingec Beschlüssen werden bereits gezogen. Haben sie auch die Stellung des deutschen Staatsbürgers jüdischer Glaubens nicht anzutasten gewagt, so lassen sie doch freien Spielraum, um. den aus dem Auslande stam