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KC-Blätter · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November 1920) · p. Seite 130

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Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 11-12 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 130 (sequence 10)
Language
German
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130 beitjen nicht mehr der Burschenschaft angehören können. Wir glauben, das; die walire Liebe zum Vaterlauda ein einmütiges Zusammenleben aller Deutschen zum Zweck des Wiederaufbaus unseres Vaterlandes verlangt und jede Hetze gegen bestehende Gruppen unseres VolkesauSsrblietzl. Wir bekennen uns ferner zn dem Grundsätze, das; die freibeitlicben Traditionen der Deutschen Burschenschaft die Bekämpfung von sozialistischen Ideen durch Ächtung ibrer Vertreter nicht gestatten, das; im Gegenteil der studierenden Jugend -ans Deutschlands Hochschulen zum mindesten ein tiefes soziales Verständnis und ein Mitempfinden mit allen -Schichten des deutschen Volkes not 'tut, damit die lebendige» Kräfte unseres Volkes sich gegenseitig ergänzen, anstatt, sich im Bruderkamps zu zerfleischen. . Wir treten scliliestlich alle dafür ein. das; nur die volllommene Abkehr von der alldeutsche» und nationalistischen Tendenz und eine Politik des Rechts die Zukunft Deutschlands sichern kann, und wir meinen, das; jede Hast- und Revanchepolitik, die gerade in. jugendlichen Herzen so leicht Anklang findet, unser Vaterland nur immer tiefer in unheilbares Glend stürzen wird. Daher erklären wir unter Berufung ans die grosten Traditionen der Deutschen Burschenschalr: Nur die vollkommene Überwindung dieser nationalistischen Richtung und die Aushebung der in der Zeit der Erregung gesastten Eisenacher Beschlüsse kann unS wieder zu dem Glauben bringen, dast auch die gegenwärtige burschenschaftliche Generation ihre Kräfte in der rechten Weise für das Wohl des Vaterlandes einsetzt. und dast sie dieselben freiheitlichen Ideen hochx-i hält, für die einst die ersten burschenschastlichen Vorkämpfer gelitten haben. Nur mit einer solchen Burschenschaft können wir uns innerlich eins fühlen, sind wir brüderlich verbunden in dem Kamps für die Erneuerung des Deutschen Reiches. Der bisherige Weg aber führt aus der Freiheit ivahren Buvschentums hinaus, verletzt die Ehre anderer und beseitigt ohne zwingenden' Grund die so notwendige Einheit aller von der Idee des Vaterlandes begeisterter Burschenschafter." Von bemerkenswerten Prcststimmen veröffentlichen wir einen Teil eines Artikels des Gmunasialdirektors a. D. Or. I. Koch (nicht zu verwechseln mit dem Breslauer Professor Koch, der trotz seiner oft etwas jndenseindlichen Äusserungen von jüdischer Herkunjt ist), der im (.roten) Tag vom '23. November erschien.. „Fassen wir zunächst die vielbesprochenen Beschlüsse des Eisenacher Bnrfchentag.s kurz zusammen, so ergibt sich folgendes: Die deutschen Burschenschaften bekennen sich zum deutsch vältiichen Standpunkte, verpflichten sich, keine Juden anszunehmen und erwarten, das; ihre Mitglieder bei etwaiger späterer Vegheiratnilg mit einer Jüdin freiwillig aus der D. B. ansscheiden. (Dast hier nur von einer „Erwartung" die Rede sein kann, geht schon daraus hervor, dast den aktiven B. keinerlei Gerichtsbarkeit über die Alten Herren znsteht.) Diese Bescbll-s..L 'sollen nach Herrn Prof. Eickhoss den „Traditionen der alten Burschenschaft" widersprechen. Das ist ein geschichtlicher Irrtum. Denn t\\ der Verfassung, die am Ist. Oktober 1818-unter dem Vorsitz Heinrichs von Gagern in Jena von den Abgeordneten der B. von l k deutschen Universitäten unterzeichnet wurde, heistt es wörtlich: „Die allgemeine deutsche Burschen- ') Herr Dr. Koch hat ganz die „Negerinnen" vergessen, zu denen sich überhaupt noch kein alter Burschenschafter geänstert hat. So sehr wir diese Scham nachempfinden, wäre es uns doch interessant zu erfahren, wie man sich zu dieser Glanzleistung der jungen Herren gestellt hat. ' Die Red. d. K. E.-Bl. schast als freies Gemeinwesen ste.lt als den Mittelpunkt ihres Wirkens folgende, allgemein anerkannte Sätze auf: 1. Einheit, Gleichheit und Freiheit aller Burschen untereinander, Gleichheit aller Rechte und Pflichten. 3. Ehristlichbentsche Ausbildung jeder geistigen und leiblichen Kraft zum Dienste des Vaterlandes." Deutlicher kann doch wvhl die Tatsache nicht erhärtet werden, dast die „alte Burschenschaft" eine Bereinigung deutscher (also arischer- und christlicher (also nirhtjüdisrher' Burschen sein »vollte. Die heutige Blirschenschast greift also mit ihrem Eisenacher Beschlüsse ganz bewustt auf die -„Traditionen der a. B." zurück. Freilich hat Eickhoff nicht unrecht, 'wenn er daran erinnert, das; später nicht selten «auch jüdi'che Studenten in die B. ausgenommen wurden:mber das geschah erst, nachdem die Unznsriedenheit mit den trostlosen politischen Vcrhültuisien und die sinnlose Versolgung der burscheniclrastlirhett Ideen und ihrer Anhänger die B. in die Arme des aus den „Demokraten des Westens" stammenden Liberalismus getrieben hat. Dieser jüdisch-demokratische Liberalismus, der sich zum unendlichen Schaden der fortschrittlichen Entwicklung unserer politischeit Verhältnisse an die Stelle eines edlen deutschen Liberalismus setzte, hat ßn der mittleren, Periode der B. hier und da Platz gegriffen, und wenn auch in dieser Zeit treffliche und verehrnngswürdige Männer ans der B. hervorgegangen -sind, so ist sie doch die nnsrnchtbarstc Zeit der B. gewesen: .an der Stelle der Tat herrschte die Phrase! Die junge..' Burschenschaft aber, die. man etwa von der Begründung des Deutschen Rcichs datieren kann, hat schon zu meiner Zeit, b. h. vor einem Menschenalter, die Ausnahme von Inden durch stillschweigende Vereinbarung wieder beseitigt, so dast der jetzige Beschlust im wesentlichen nur den Tatbestand satzungsmästig festlegt. Nun sagt Herr Eickhoss weiter, .die Eisenacher Beschlüsse versticsten gegen den Grundsatz der „Freil)eit", die die B. in ihrem -ehrwürdigen Wahlsprnche neben Ehre und Vaterland gestellt hatmnd mit der sich „Antisemitismus" nicht vereinbaren lasse. Gewist haben die ältesten Burschenschafter, olnvohl in der angeführten Verfassung vvn 1818 cgisschliesstich von der studentischen „Gleichheit und Freiheit aller Burschen" die Rede ist. auch schon an den bürgerlich politischen Begriff der Freiheit gedacht, wie die von ihrem treuen Berater, dem Geschichtsprosessor Heinrich Luden, -stark beeinflussten, von edelstem liberalen und.vaterländischen Geiste getragenen „Grundsätze und Beschlüsse" jenes 18. Oktober zeigen: aber es ist stets nur aus Deutsche und Eh eisten Bezug genommen. Wenn später unter dem Einflüsse der westlichen Demokratien und nicht zuletzt durch Vermittlung von Juden (man denke an Heine und Börne) die Begriffe Freiheit und Gleichheit sehr bedenkliche Beimischungen erhielten und die B. zeitweise den Lockungen falscher Sirenen-klänge folgte, so ist cs doch wahrlich der heutigen Jugend, die am eigenen Leibe erlebt, lvohin uns diese Freiheit geführt Hat, nicht zu verdenüen, wenn sie die Irrwege eines mistleiteten Idealismus und Illusionismus ihrer Vorgänger verlässt. -Beziehen wir aber das vieldeutige. Wort auf die sittliche Freiheit eines Kant und Schiller, so frage ich: wer ist freier,-derienige, der ans Rücksicht ans Famitienbeziehnngen oder Freundschaften, aus seine politische Partei oder geschäftliche Vorteile, auf doktrinären Idealismus, weichliche Humanität oder gar Bequemlichkeit, einer heiklen Frage ans dem Wege geht — und das ist, seien lvir doch ehrlich, in der Audensrage beim deutschen Bürgertum meist der Fall! —, oder derjenige, der ohne Rücksicht auf die möglichen Folgen sich offen zu dem bekennt, was er für Wahrheit erkannt zu haben glaubt und zu verfechten bereit ist?

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