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KC-Blätter · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 108

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 108 (sequence 18)
Language
German
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-tf<& WW8WWB8MNWM ihre möglichen Einflüsse auf die Stellung der deutschgesinnten Judenheit. und damit auch des K. C. zur zionistischen Frage ins Auge zu fassen. . Man mag der obigen Erklärung, die von. mancher nicht nur zionistischen Seite für das bedeutsamste Geschehnis der Diaspora betrachtet wird, als Ausfluß vollkommen kühler, sentimentalitatsfeindlicher Diplomatie mit großer Skepsis gegenüberstehen, das eine wird man, gleichviel ob ihr Inhalt Erfüllung finden wird oder nicht, erkennen müssen, daß durch sie die ziynistische, oder vielleicht besser gesagt die nationale Orientierung eines Teiles der Juden prinzipielle Anerkennung und Sanktionierung durch den Böllerbund erfahren hat, und daher die Möglichkeit ihrer Existenz überhaupt in Zukunft kein Gegenstand der Debatte mehr sein kann. Nicht um die so viel erörterte nationaljüdische Auffassung an sich, sondern nur um die Möglichkeiten, die ihr vielleicht der Vertrag von San Remo eröffnet, kann es sich daher handeln. Diese ober wird jeder, auch der Zionist, der nicht durch den Begeisterungstaumel den Blick sich trüben ließ, weit kritischer beurteilen, als sie uns ein oft kindlicher, seelisch ja nur allzu verständlicher Optimismus ausmalen will. Ich hörte kürzlich, der ich stets den Standpunkt vertrat, daß auch der im deutschen Vaterland mit allen Fasern verwurzelte Jude sich um das Geschick seiner östlichen Glaubens- und Stammesgenossen kümmern muß, ein Referat des Dr. Bodenheimer aus Köln, der als Delegierter .an den ersten nach Kriegsbeendigüng in London abgehaltenen Sitzung des Aktionskümmitees der zionistischen Weltorganisation tellgenommen hatte. Wenn Bodenheimer selbst, dessen Rede ausgezeichnet war durch große Objektivität, als Ergebnisse langwährenden Strebens, die vor allen das Bemühen Weitzmanns gezeitigt hatte, anführte: das Recht, Land und Konzessionen für Eisenbahn und Häfen zu erzielen, sowie die Regelung der. Einwanderung, ferner Anerkennung der jüdischen Sprache als eine der. gesetzlichen und der jüdischen Feiertage, wenn Bodenheimer selbst in Anbetracht der 800000 Araber, der augenblicklichen Unfähigkeit des Landes, alle Einwanderer aufzunehmen und der schwerwiegenden Balutafrage vor einem übertriebenen Optimismus vorläufig wenigstens warnte, so wird man für die in den obigen Ausführungen enthaltene Skepsis Verständnis und Berechtigung finden. Ja wer, wozu hier in Köln genügend.Gelegenheit ist, Ostjuden und gerade ihre besten Elemente kennt, wer rein menschlich, ein Verständnis hat für die Begeisterung, Mit der jene armen, ewig Gehetzten, die oft so verknöchert sind in die Materie des rein Greistaren, allen ihren Idealismus opferbereit zusammentragen zu einer Sehnsucht ohnegleichen nach ihrem Mischen Heimatland, der wird, gleichviel ob Zionist oder Antizionist, als Mensch oft mit schmerzlicher Sorge um die Erfüllung jener heißen Wünsche in die Zukunft schauen, an die die Seelen von Hunderttaufenden sich klammern. . Ob sie berechtigt war, jene Sorge, der Lauf der Geschehnisse wird es zeigen. Die etwaigen Einflüsse jener viel genannten Erklärung von San Remo auf unsere Anschauungen als deutsche Juden, sind in kurzen Worten dargetan. Neben prinzipiellen Gegnern hat es von jeher auch in unserem Verbände eine Reihe von Kartellbrüdern, gewißlich guten K.C.ern, gegeben, die der zionistischen Bewegung, soweit sia sich in gemäßigten, nicht chauvinistischen Bahnen hielt, sympatisch gegenübetstanden, schon allein deswegen, weil sie in' der Fürsorge für ihre armen und verfolgten Glaubens¬ und Stammesgenossen aus dem Osten eine Frage der Menschlichkeit erblickten. Ja, wenn man den Begriff des Zionismus auf die Gesinnung derjenigen beschränken könnte, die den sich als nationale Einheit fühlenden Juden, vor allem den östlichen naturgemäß, auch den Auf- oder Weiterbau einer eigenen Kultur auf eigener Erde irr Palästina ermöglichen wollen; dann würde ein solcher Zionismus fürderhin nicht mehr Sache der Nationaljuden allein sein, sondern auch die gesamten deutschen Juden angehen wegen seiner moralischen und materiellen Unterstützung, um so mehr als, wie schon oben gesagt, nach seiner tatsächlichen Anerkennung als geschichtliche Erscheinung es eine Bekämpfung seines Prinzips an sich nicht mehr geben kann.*) Um so stärker aber muß auf der anderen Seite ohne jede verletzende Wendung, rein aus der Notwendigkeit der geschichtlich verschiedenen Entwicklung der Unterschied zwischen deutschen Juden und Nationaljuden betont, um so schärfer muß der trennende Strich gezogen werden. Und darin liegt meines Erachtens die Richtlinie und auch gleichzeitig noch die . Schwierigkeit unserer Einstellung zum Zionismus.' Denn der Erkenntnis.muß auch bei allen NationalMen die Bahn eröffnet werden, daß man unsere Jahrhunderte lange Seßhaftigkeit auf deutschem Boden, unser allen Anfeindungen trotzendes Berwachsensein mit deutscher Geschichte und deutscher. Kultur, unsere seelische Anteilnahme an deutschem Gefühlsleben, frei von allem Hurrapatriotismus, kurz unser ,Deutschsein nicht mit dem verächtlichen Wort der Assimllation abtun kann, sondern daß die Konsequenz der verschiedenen geschichtlichen Entwicklung von nationalen Ostjuden und deutschen Juden Anerkennung verlangt. , Wenn so von unserer Seite der praktische Gedanke des Zionismus der Förderung und Unterstützung versichert sein darf, wiederum aber auch die Anrechte der deutschen Juden auf ihr deutsches Vaterland in den Augen der NationalMen Verständnis finden, so wird eine erfreuliche Einigung zu fruchtbarer gemeinsamer Arbeit möglich sein. Walter Heimann-Hatry. - *) Wer, aber! Nach dieser Logik dürfte es eine Bekämpfung der Sünde nicht mehr geben, nachdem an der Tatsache der geschichtlichen Erscheinung nicht gezweifelt werden kann. j G. akademische und allgemeine Nachrichten. Das Frauenstudium in Deutschland. Die Zähl der an den.Universitäten des Reiches eingeschriebenen Studentinnen beläuft sich zurzeit auf 8000 gegenüber 8200 im Winter 1919/20, 3914 vor fünf und etwa 2000 vor »10 Jahren. Nach dem unaufhaltsamen Zudrange der Frau -zu den höheren -Studien ist demnach jetzt ein Stillstand eingetreten, zweifellos eine Folge der trüben Aussichten der Akademller und des scharfen Wettbewerbs zwischen Mann und Frau auf den verschiedensten Gebieten. Der verhältnismäßige Anteilder: Frauen am Universitätsstudium ist seit 1910 von vier, auf zehn Prozent gestiegen. Auf die einzelnen Stud ienfäch er vertellen sich die Studentinnen folgendermaßen: Philosophie, Philologie und Geschichte studieren etwa 3100 gegen 2000 vor fünf Jahren, Medizin 2300 . gegen 944, Mathematik und Naturwissenschaften etwa 1200 gegen 691, Rechtswissenschaft und Staatswissenschaften 1300 gegen 186, Zahnheilkunde 230 gegen 65, Pharmazie etwa 150 gegen 16. Die neueste Entwicklung trägt demnach den ungünstigen Anstellungsaussichten der Frauenim höheren Lehramt deutlich Rechnung. Bon diesem Studienfach rücken die Studentinnen mäklich.ab. Die Zahl der Lehramtsanwärte-

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