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KC-Blätter · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 107 (sequence 17)
Language
German
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WS*, t.i'A 107 sprochen, daß darauf hinzuwirkeir sei,, daß möglichst schnell eine jüdische Majorität i.n Palästina herbeigeführt werde. Wie dem auch sei, auch bei den Zionisten herrscht die Meinung vor, daß in absehbarer Zeit, vielleicht immer, die Mehrheit der Juden außerhalb Palästinas wohnen wird, wie ja schon zur Zeit der Zerstörung Jerusalems durch Titus mehr Juden außerhalb Palästinas lebten als in Palästina selbst. Die Position der Juden in der Diaspora zu stärken, liegt daher im gesamtjüdischen Interesse und der Zionismus der Verwirklichung wird" dem Rechnung - tragen müssen und alle Veranlassung haben, seinen Mitgliedern, so auch den deutschen. Zionisten ans Herz zu legen, dem Wohl des Staates, denvsieangehören, mit reinem Herzen zu dienen und sich! an seinen Aufgaben fördernd zu beteiligen. s flocbwort; Von Dr. Ludwig Holländer (Licariae), Vorsitzender des G.A. d es K. C. ' > , Einer der zur Zeit führenden Männer im zionistischen Lager sagte mir einmal, ein K. C.er könne niemals ein richtiger Zionist sein. . An dieses Wort mußte ich denken, .als ich Blocks Ausführungen las^. Eine Wendung ist, wie ich in meinem Aufsatz „Notizen" schon andeutete, lediglich insofern erfolgt, als jetzt' die Palästinaarbeiit in eine scheinbar — und dieses scheinbar darf leider nicht gestrichen, werden — realere Bahn eingetreten ist. 'An sich wird jeder Jude kolonisatorische Arbeit begrüßen, sofern sie nicht der «Vernichtung des religiösen Judentums und der Schaffung einer englischen Präponderänz in Asien dient. Daß das religiöse Judentum sich bereits jetzt schon schwer bedroht -fühlt, hcwe ich gezeigt. Auch der liberalste Jude hat ein Interesse daran, daß das gesetzestreue Judentum in, keiner Weise bedrückt wird. Jeder religiös empfindende Jude, wird die neue Heimstätte verwünschen, wenn sie in Wahrheit, ein „enitjudetes",' d. h. pon seinem alten Ewigkeitsgehalt befreites, Judentum schasst. Und so scheint es fast? wenn man die Stimmen.insbesondere der Agudah hört. Wir jüdischen Deutschen werden ferner jede Kolonisation bekämpfen, welche den Keim der Möglichkeit einer-Steigerung des englischen Einflusses zuungunsten des. Deutschen in sich birgt. Eugen Fuchs hat erfahren müssen, wie man beschimpft wird, wenn man ausspricht: Wir müssen bei der Kolonisation Palästinas deutsches mit jüdischem Interesse zu vereinen suchen. Ich unterstreiche diese Forderung. Daran wird allerdings die nicht vorhandene Einheit des jüdischen Volkes im politischen Sinne scheitern. Ich bedaure das nicht. Ich begrüße dieses Scheitern im Interesse des Judentums und des Deutschtums. Block wird m. E. die „Wendung" am besten klarstellen,' wenn er sich folgende Fragen beantwortet: ' , 1? Wenn das jüdische Palästina in Konflikt mit deutschen Interessen stehen wird, haben wir K. C.er dann für-Deutschland oder für Palästina zu optieren? 2. Stehen wir K. C.er als Deutsche den übrigen Völkern „Neutral" gegenüber, wenn das „jüdische Volk" im zionistischen Verstände neutral sein muß? 31 Konflikte zwischen zionistischer Auffassung und unserer Auffassung können täglich eintreten. Daß auch Block' die Frage: Wenn -heute durch Nahrungsmittel-' schwierigkeiten gezwungen die Einwanderung - aller Fremden, also* auch der Ostjuden verboten würde und. infolgedessen, um das Verhungern von hundert deutschen Kindern zu verhüten, hundert ostjüdjsche zü Gründe gehen müßten, im * deutschen Sinne entscheiden würde,'weiß ich. Ich nehme auch an, daß er die beiden ersten Fragen in deutsch-vaterländischem- Sinne beantworten und dabei gewiß' sein wird, daß er noch ein besserer Jude ist, als der ärgste Hedadrufer. Aber.was wird die Folge von dem Areopag. des Zionismus sein? Die Feststellung der Tatsache: Aus einem K. C. er wird nie ein richtiger Zionist. €iwU>erung* v Jetzt, da sich die Möglichkeit großzügiger Kolonisation in Palästina bietet, ist es Pflicht aller Juden, dieselbe zu unterstützen. Wenn die religiös empfindenden Kreise sich von der Mitarbeit nicht ausschließen,, so wird die Religion in Palästina nicht bedroht sein. Einfluß auf .die Entwicklung hat.freilich nur, wer mitarbeitet. » Die Schaffung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina kann und darf nicht die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgend einem andern Lande beeinträchtigen. Ihre Pflicht ist es, ihrem Vaterlands zu dienen und im Falle wirklicher Konflikte die Interessen ihres Vaterlandes wahrzunehmen. WaS die deutschen Juden angeht, so müssen sie sich aber bewußt sein, daß nationalistische und chauvinistische Tendenzen den deutschen Interessen den schlechtesten Dienst erweisen, ja daß dem Ausland gegenüber auch nur der Schein vermißen werden muß, als ob hier nationalistische oder chauvinistische Tendenzen obwalten. Wenn etwa aus dem Grunde, weil Großbritannien die Mandatarmacht von Palästina ist oder aus Besorgnis vor Konflikten, die vorläufig gar nicht bestehen, die deutschen Juden sich der Mitwirkung an der Kolonisation Palästinas entziehen, so würde das im Ausland nicht nur nicht verstanden werden-, sondern auch die Bemühungen, im feindlichen Ausland wieder Boden zu fassen, z. B. seitens des deutschen Handels, nscht gerade erleichtern. Die Aufregung, die die verhältnismäßig unbedeutende Einwanderung von Ostjuden bei uns hervorruft, zeigt, wie notwendig es ist, in Palästina Einwanderungsmöglichkeiten zu schaffen und die Wanderer dorthin zu lenken. Daß man gleichzeitig K. C. er und Zionist sein kann,- habe ich durch mein Wirken in beiden Organisationen bewiesen. Daß mich die deutschen Zionisten für einen richtigen Zionisten halten, haben sie gezeigt, indem sie mich in ihren Landesvorstand gewählt haben. Hans Block (Licariae). San Nemo. Die Erklärung der englischen'Regierung auf der Konferenz zu San Remo, die dem Mischen Volke den Boden. Palästinas als nationale Heimstätte versichert, hat in der gesamten Welt Aufsehen, in der zionistischen zumal eine Welle ungeheuerer Begeisterung erzeugt. Der ‘ kühle Schachzug britischer Politik großen Stüs als Tat. höchster Menschlichkeit, ja als Lösung der Judenfrage ohne weiteres in zahllosen Versammlungen gefeiert von guten und auch schlechten Rednern, gibt uns Veranlassung die Bedeutung des geschichtlichen Ereignisses an sich unbs 'll

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