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KC-Blätter · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 103 (sequence 13)
Language
German
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Man habe auch den Mut, die Mische Vorherrschaft zu brechen. In diesem. Streben finden wir die Unterstützung einsichtiger Juden, die mit uns die Judenfrage als Rassenfrage erkannt haben. Die zionistische Verbindung „Jvria" zu Heidelberg hielt am 28. 6. 2V zu Heidelberg einen Vortragsabend ab, auf dem Dr. Nahum Goldmann Gedanken vortrug, die wir durchaus billigen können. Er legte in seinen Ausführungen dar, daß das Judentum nach Rasse, Geschichte und Kultur mit dem Deutschtum nichts gemein haben könne, daß die Deutschen ein Recht hätten, in ihre völkischen Angelegenheiten sich ein Hineinpfuschen der. Juden zu verbitten. Denselben Anspruch erhebe er für das jüdische Volk gegenüber den Deutschen. Er streifte die Tragik, die. in der Notwendigkeit des derzeitigen. Zusammenlebens unter einer Staatsangehörigkeit beider Völker liege, und bedauerte, daß man noch keine allgemeine Regel aufstellen könne, wie den Juden zu ihrem Staate in Palästina zu verhelfen sei. Auch über das Verhältnis beider Völker zueinander ließen sich keine allgemeinen Regeln aufstellen. Er teilte die Juden ein in solche, die offen erklären, daß sie eine besondere Menschengattung mit jahrtausendlänger Bolksentwicklung seien, und solche, die es nicht zugeben. Die letzteren treffe der Ajakel der Unehrlichkeit. Dr. Goldmann gab zu, daß die Teilnahme der Juden an Umstürzen und auch am deutschen Umstürze im Nebelung 1918 außerordentlich stark gewesen sei. Er bedauerte dies, w«l dadurch dem Judentum Kräfte für seine eigenen völkischen Aufgaben verloren gingen. Die Frage „Deutsche und Juden" lasse sich nur einer Lösung entgegenbringen, wenn die völkisch gesinnte Öffentlichkeit dieser Völker ernst und sachlich ohne persönliche Gehässigkeit mm die Lösung der Ausgabe ringe. U. E.chesteht der erste wichtige Schritt hier in der Ausschaltung der Juden aus der Presse und den .Ämtern, womit Ungarn jetzt beispielgebendvorangegangen ist." Kommentar überflüssig! „Denn wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten!" ver €infteinbrtef. Der Zentralverein hatte im Anfang dieses Jahres die jüdischen Dozenten der Berliner Universität zu einer Besprechung eingeladen, in der die Möglichkeit einer Bekämpfung des starken Antisemitismus auf den Universitäten, erörtert werden sollte. Auch an Einst.ein erging eine Einladung, auf die eine Absage erfolgte. Obwohl Einsteins Brief an den Zentralverein zu einer Antwort und einer Erörterung herausforderte, hielt der Zentralverein esmit vollem Rechte aus den verschiedensten Gründen für unzweckmäßig, eine Erwiderung, zu übersenden, solange es sich um einen Privatbrief handelte. Einsteins Brief ist nun inzwischen von einer Einstein nähestehenden Seite in tausend en von 5. zionistischen Kreisen verbreitet worden und zwar smiW Fortlassung eines Satzes durch den sich die OrthosÄ doxie hätte verletzt hätten können. Auch in der zionistischen Presse Deutschlands wie des Auslandes istermits einem gewissen Behagen abgedruckt worden, so daß er der Öffentlichkeit angehört. Nachstehend sei — ganz unabhängiM von der Stellung, die der Zentralverein einnehmen wiL — der Brief vollinhaltlich nebst ein«: offenen Antwort:- abgedruckt. - Emstems Brief. Anden ' ' ' 3- *- 1920- . Zentralverein deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens B erlin. Ich erhalte heute Ihre Einladung zu einer Sitzung am 14. d. Mts., welche der Bekämpfung des Antisemitismus - in akademischen Kreisen gewidmet sein soll. MH würdegern kommen, wenn ich an einen möglichen Erfolg eines derartigen Unternehmens glaubte. Zuerst aber müßte der ' Antisemitismus und die knechtische Gesinnung unter uns Juden selbst durch Aufklärung bekämpft werden.- Mehr. Würde und Selbständigkeit in unseren Reihen! Erst wenn wir es wagen, uns selbst als Nation anzusehen, erst wenn wir uns selbst achten, können wir die Achtung anderer er-. werben, bezw. sie kommt dann von selbst. Antisemitismus im Sinne eines psychologischen Phänomens, wird es geben, solangeJuden mit Nichtjuden in Berührung kommen — was schadet es? Vielleicht verdanken wir es ihm, daß wi^ uns aV Rasse erhalten können; ich wenigstens glaube es. Wenn ich zu lesen kriege „deutsche Staatsbürger. Mischen Glaubens", so kann ich mich eines schmerzlichen Lächelns nicht wehren. Was steckt in dieser schönen Bezeichnung? Was ist denn Mischer Glaube? Gibt es eine Art Unglauben, kraft dessen man.aufhört, Jude zu sein? Nein. In jener Bezeichnung stecken aber zwei Geständnisse schöner Seelen, nämlich: ' 1. Ich will nichts zu tun haben mit meinen armen jüdischen (ostjüdischen) Brüdern. 2. Ich will nicht'ab Kind meines Volkes angesehen werden, sondern nur als Mitglied einer religiösen Gemeinschaft. ‘ Ist das aufrichtig? Kann der „Arier" vor solchen Leisetretern Respekt haben? Ich bin weder deutscher Staatsbürger, noch ist irgend ettp asin mir, was man als „jüdischen Glauben" bezeichnen k ann.*) Aber ich bin Jude und freue mich, dem Mischen Volk anzugehören, wenn ich dasselbe auch nicht irgerwwie für ein auserwähltes halte. Lassen wir doch ruhig dem Nichtjuden seinen Antisemitismus und bewähren wir uns die Liebe zu unseresgleichen! Macht nicht böse Gesichter wegen dieses Bekenntnisses! Es ist nicht böse oder unfreundlich gemeint. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. A. Einst ein. Offene Antwort. Sehr geehrter Herr Professor! Sie wollten der Einladung des Zentralvereins nicht folgen. Das schmerzt uns natürlich. Aber wir werden es verschmerzen. Doch da Sie Ihre Absage so eingehend motivierten, sehen wir uns veranlaßt, auf Ihre Gründe-? näher einzugehen, nicht um dieser Gründe willen, sondern, im Hinblick auf den hohen geistigen Rang ihres Urhebers. Sie lehnen es ab, sich mit dem Zentralverein D. St. j.Ms zu verbinden zwecks einer Aktion, die für die GesamtMerö' heit in Deutschland und weit über dessen Grenzen hinai^ von großer Wichtigkeit ist, und Sie führen dafür zwei: Gründe ins Feld, von denen der zweite der wichtigeres ist. Sie versichern, in Ihnen sei nichts, was man als jüdischen^ *) Bon uns gesperrt. Dieser Satz-wurde in den zionistischen BLuerir wegeSianwliert. Die Redaktion. V

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