KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 102 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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»^, Ochvissermaßen als Kommentar bringen die „Burschen- Uchaftlichen Blatts vom 1.11.20 folgende Ausführungen: „Einstimmige Burschentagsbeschlüsse sind der Ausdruck Uder allgemein in der Burschenschaft huschenden Meinung, ^Zund «§ ift kaum znzunehmen, daß unsere Beschlüsse bei fi iTQ&nb ein er M.in d erh cid der Pflichtigen Bur- .^L-Wenschaster auf ernstlichen Widerstand treffen. Wenn nun (§>' gerade diese widerspruchslose Hinnahme der Beschlüsse ' tiü Lenken gibt, so ist doch den Burschentagsvertretern zu glauben. Laß ihre Abstimmung einer inneren Überzeugung , und Nötigung entsprach, und daraus folgt zunächst für' sie?C< eine E r z ie h u n g sp fl i ch t, zu verhindern, daß der - Antisemitismus" in der Burschenschaft zur Modesache werde: . Auch hat jtt>e Burschenschaft ausdrücklich die Bev- . pflichtung übernommen, durch eifrige Arbeit an der Erziehung im vMischen Geiste, durch Pflege der positiven, Mch sozial aufbauenden Kräfte im vöMschen Gedanken, diese „Gewaltmahregel" der schroffen Ablehnung alles Jüdischen,, die der Burschentag als Voraussetzung und An- . fang vöMscher Arbeit voltzogen hat, zu rechtfertigen. Wir hätten das besonders zu bedenken, als wir den bekannten Beschluß über Judengen'ugtunng faßten. Zwar . ' - läßt sich nicht bestreiten, daß gerade bei einer Frage, die den Brennpunkt des persönlich-sittlichen Strebens jedes „ Burschenschafters Lillret, ganz selbstverständlich auch die völkischen Eigenschaften und im Vergleich zu Fremdstämmigen auch die entsprechenden Unterschiede am deutlichsten - sich zeigen. (So wie es zwar keinen „deutschen" Gott als - ausschließlich deutschen Besitzes, aber wohl eine eigentümlich deutsche Anschauung von Gott gibt.) Es kommt gär nicht. . darauf an, ob etwa der Zweikampf rein germanischen Ur- .. .. sprungs sei oder nicht. Daß der Deutsche, der heute seine »" persönliche Ehre mit der Waffe verteidigt, sich etwas anderes ' . dabei denkt als der Fremdstämmige, kann, auch ohne daß man den Vorgang im einzelnen verfolgt, als erwiesen gelten, und ebenso gesichert scheint die Anschauung, daß der Zweikampf zum Unfug wird, wenn.der eine Beteiligte von der Ehre und ihrem persönlichen Wett „germanische" Anschau- - ungen hat, während auf der Gegenseite die entsprechenden An,chauungen an die Zweikämpfe ftemder Zeiten und Zonen erinnern. Es ftagt sich also, schließlich, ob die durch Len vöMschen Unterschitt» bedingte Wweichung hinsichtlich der Ehrauffassung als so groß empfunden werde, daß sie den Zweikmnpf mit „Fremdrassigen" nicht zuläßt; und bei , diesem letzten Entscheö» der radikalen vöMschen Anschauung wird im allgemeinen jedem klar, daß es um solchen „Anti- ' semitismus" eine ernste und schwere Sache ist. Auf die vielen Einzelftagen, die wir noch dabei zu bedenken haben, „? kann hier nicht näher eingegängen werden. Schließlich hat der Burschentag eine Bestimmung getroffen, die die grundsätzliche Genugtuungsverweigerung Juden gegenüber nur , zuläßt unter dem Druck einhelligen Verlangens, und die ' leichtfertige Beschlüsse verhindert. Daß 'nan auf die Burschenschaften, die den Grundsatz der unbedingten Genugtuung nach Maßgabe der eigenen und der . allgemeinen öttlichen Anschauungen Juden gegenüber nicht mchr glauben durchführen zu können, keinen Zwang ausüben kann, bttrarf keiner weiteren Erklärung. Ob die völkische Bttvegung noch einmal die allgemeine Ablehnung der Judensatisfaktion zeitigen wird, bleibt abzuwarten. Daß der Pflege vöMschen Geistes nicht von vornherein ein derartiges Ziel gesteckt werden kann, ist aber klar; es ist' ein Unding, wenn man die völkische Bewegung in der Burschenschaft oder in der Studentenschaft unmittelbar . in den Dienst äußerer Ziele, etwa der gesellschaftlichen Bekämpsung des Judentums, stellen will. Die Burschenschaft hat das Recht.auf Eytschlußfreiheit verwirkt, wenn sie nicht Ms sich seM heraus und um ihrer selbst willen ihre Beschlüsse saßt, und wenn sie nicht als eigener und selbständiger Körper vom Blutstrom . VöMschen Lebens durchpulst ist. Meist überhaupt nicht eine irgendwelchen äußeren Zwecken ' vnmittÄbar dienstbare Masse, sie ist Mch zu schade, um ein starres Werkzeug in der Hand polttscher Führer irgend-' welcher Richtung zu sein." ' . Ist Mch'von der Burschenschaft keineswegs der „W aidh o.f en er B esch lu ß" angenommen worden, sa haben naturgemäß die „Vereine deutscher Stud ent en" ihrer ganzen Vergangenheit entsprechend sich auf. einen schrofferen Standpunkt gestellt. Anfang August-fand in Kelbra am Kyffhäuser eine Berbandstagung der Vereine deutscher Studenten statt. Die „Akademischen Blätter", Zeitschttft des Vereins, bringen nun in der Nr. 11/12 vom 1./16..S. 20 einen Bettcht über die Tagung,, in dem es wörtlich heißt: , „Die Aussprache über die Frage der Genugtuung gegenüber jüdischen Studenten und jüdischen Verbindungen führte zu folgendem Beschlüsse: In die Berbandssatzungen ist aufzunehmen: Der K.B. als solcher undjdie B.V.D.St. aV solche geben Juden und jüdischen Verbindungen keine Genugtuung mit der Waffe. Bezüglich der Stellung der einzelnen Bundesbrüder zu dieser Angelegenheit muß nach V.T.-Beschluß Nr. 23 von 1901 verfahren werden. Der - einzelne Verein kann mit ^/«-Mehrheit, seine R.-B.-Beschlüsse in der Genugtuungsfrage fassen." Die „Akademischen Blätter vom 1.16.10. sagen hierzu noch. „Dadurch, daß unser Verband und unsere Vereine den Juden die Genugtuung mit der Waffe verweigern, treffen wir ihn an einer empfindlichen Stelle: in der Sucht, seine wirtschaftliche Macht durch eine .geachtete gesellschaftliche Stellung zu festigen." „Einen Ähnlichen Beschluß nahm Mch die „D eutsche Wehrschaft" M, deren Beschlüsse nicht nur in der Satisfaktionsfrage interessieren werden. Die akademische Presse bettchtet darüber das folgende: „Vom 6. bis zum 10. August «fand in Detmold der erste ordentliche Bertretettag der am 8. Dezember ISIS gegründeten Deutschen Wehrschaft statt. Von den gefaßten Beschlüssen seien die .wichtigsten hier wiedergegeben: Als wichtigster Beschluß kann wohl der gelten, daß die Deutsche"Wehrschaft „zufolge ihrer deutschvölkischen Grundsätze Fremd rassigen, jede Art Waffengenugtuung verweigert, keine Bereinigung von Fremdrassigen als Korporation an deutschen Hochschulen anerkennt und es den Wehrschaften zur Pflicht macht, auf Änderung etwa entgegenstehender Bestimmungen bei den örtlichen Waffenringen und beim Allgemeinen deut-, schen Waffenring zu dringen." Nichtminder wichtig ist Mch, daß von den jungen Wehrschaften das Blutsbekenntnis und vor der Burschung der Nachweis einer dreigliedrigen Ahnentafel verlangt wird. Der letzte Beschluß wurde in dem Bewußtsein gefaßt, daß der rechtz Sippengeist der Hauptträger der völkischen Bewohrungs- und Erneuerungskräft ist, und daß nur der Mfbauenden Gemeinschastsgttianken für die Zukunft fähig sein konn, der seine Vergangenheit in sich fühlt. Ferner wurde den' .Wchrschaften der Beitritt zu den öttlichen Hochschulringen zur Pflicht gemacht und grundsätzliche Unterstützung völkischer ziviler Verbände beschlossen, soweit die Satzungen der D.W. dies gestatten." . Der Ro th en burg er S.C. S. B., der Verband der schlafenden schwanen Verbindungen hat dagegen, obschon Mch er zu den Mttsemittschen- Verbänden gehört, in der Satisfaktiontfrage eine wesentlich andere Stellung eingenommen, die in folgendem Beschluß des letzten Berbandstages züm Aushruck kommt: . , ' „In der Frt^e Juden und Sakisfaktivn verttat der Berbandstag den Standpunkt, daß es .nicht möglich sei, den Juden von vornherein allgemein die Satisfaktion, abzusprechen; da dadurch nicht nur den Entscheidungen der Ehrengenchte vorgegttffen würde, sondern sich Mch die Möglichkeit ergäbe, daß entstehende Händel dann