Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 100 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2268830-2268925-2268929--2594-2271761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

alten Glanze erstrahle. Denn daß eine antisemitische Gesinnung sich nie und nimmer mit dem Grundsätze dex Freiheit vereinbaren läßt und daß sie darum dem burschenschaftüchen Geiste geraden zuwiderlaust, das sollte auch die burschenschastliche Jugerck nicht verkennen, die in Eisenach doch so manchen Beschluß gefaßt hat, der, wie mit dem burschenschastlichen Gedanken, so mit dem des neuen Deutschlands im vollen Einklang steht." Sofort aber setzten sich die Federn in Bewegung und von allen Seiten hagelte es auf die armen Außenseiter, die verbrecherischerweise alte burschenschastliche Ideale in der neuen Burschenschaft vertreten wollten, gepfefferte Hiebe. Die „Deutsche Zeitung" brachte fast ein halbes Dutzend entrüsteter Wslassungän. Den Schluß eines Artikel, der sich gegen W eh b er g richtet, wollen wir der Vergessenheit entreißen: „Sie befürchten ferner den Ausschluß der Demokraten aus der D. B.; seien Sie beruhigt, Herr W.! Schreiber dieser Zellen ist alles andere als deutschnational im Sinne dieser Partei, aber er liest mit Begeisterung die antisemitischen Kampfartikel der „Deutschen Zeitung" und ist deutsch bis ins Knochemnark. Als begeisterter Burschenschafter bedauert er aufs tiefste, Ihre Ansichten in erzjüdischen Blättern lesen zu müssen, empfindet es schmerzlich, daß Sie um Internationale und Separatisten, um Leute wie Breitscheid > einen Stahlpanzer zu errichten versuchen, und ist aufs tiefste empört, daß Sie öffentlich in einem jübischen Blatt zum Zusammenschluß und Kampf gegen die eigene Organisation auf rufen, Ihr eigenes Nest beschmutzen! Nun, wir nehmen den Kampf auf, Herr Dr. W., so beschämend es für die D. B. ist, daß Mitglieder echt deutscher Gesinnung gezwungen werden, diesen Kampf statt in den dazu geeigneten und berufenen Organen in der Öffentlichkeit ausfechten zu müssen. Wer schließen Sie sich nur zusammen, sammeln Sie Ihre paar Schäflein um sich — von welcher Art und Richtung diese sein werden, beweisen ja die Blätter, die Sie als Schwert und Schild benutzen —; um so leichter wird es den anderen fallen, einen festen Block zuv erlässig deutsch-völkischer BundesbÄder zu gründen. Nehmen Sie Jhre-Mütze von der Wand, Herr vr. W., und bemühen Sie sich um das Ehrenband irgendeiner jüdischen Verbindung, es weht nämlich eine frische Brise in der D. B., geben Sie acht, daß Sie sich nicht einen -Schnupfen holen! Ioh. Grünwald, Mitglied d. D. B." Fast ebenso schneidig'klingt auch die amtliche Stelürngnahme der „Deutschen Burschenschaft", die der „Hochschulpolitische Ausschuß" der D. B. übermittelt: „Der Burschentag 1920 hat durch einige Beschlüsse den längst von der gesamten deutschen Burschenschaft vertretenen völlischen Standpunkt zum klaren, verfassungsmäßigen Ausdruck gebracht: Er hat die Wfnahme von Nich td eu tsch en in die Deutsche Burschenschaft ausdrücklich verboten und die Förderung der völkischen Bewegung in der gesamten Studentenschaft als Pflicht der Deutschen Burschenschaft anerkannt. Außerdem hat der Burschentag die Betätigung im Dienste einer „separatistischen oder internationalen Partei" für unv ereinbar erklärt mit den Grundsätzen der Deutschen Burschenschaft, da diese die Gemeinschaft des Volkes Mer Klassen, Stände und Stämme hinweg erstrebt. Presseauslassungen, die von einigen dem burschenschäftlichen und studentischen Leben durchaus fernstehenden Men Burschenschaftern (Prof. Eickhoff, der frühere f r e i - sinnige Reichstagsabgeocknete, hatte entsprechende Schmerzen im roten Tag zum Ausdruck gebracht) ausgehen und in dieser Form nur von verschwindend wenigen Außenseitern-in der Deutschen Burschenschaft gebilligt wecken können, suchen in nicht unterrichteten Kreisen den Eindruck hervorzürufen, als ob in dieser grundlegenden Frage , ein tiefgehend ^Gegensatz in der Deutschen Burschenschaft, be- Der Hochschulpolitische Ausschuß stellt dagegen amtlich fest, daß die einstimmig gefaßten Beschlüsse des Burschentages der eindeutige und unwiderrufliche Ausdruck der Anschauungen der Deutschen Burschenschaft sind." Demgegenüber, nachdem man also den ärgsten Rassenhaß proklamiert und Juden mit Buschnegern auf eine Stufe gestellt hat, erklingt plötzlich in der Frage der Mischen „Alten H e r r e n" ein ganz anderer Ton. Ulrich DähNe schreibt in der Novembernummer der „Burschenschaftlichen Blätter" hierMer das folgeMe: . „Eine Taktfrage ist dagegen die Regelung des Verhältnisses der Burschenschaften zu den Mischen Alten Herren. Ein ausdrücklicher Beschluß, die wenigen noch zur Burschenschaft gehörigen Mischen Alten Herern gewaltsam zu entfernen, wäre von vielen Burschenschaftern den Bundes-, brudern gegenüber, denen sie einst vielleicht beim feierlichen Landesvater Schutz chrer Ehre gelobt haben, fast als Roheit empfunden worden. Eine Taktfrage itnb Sache-jeder einzelnen Burschenschaft ist es ferner, wie man die deutsche Geburt eines aufzunehmenden Mitglieds feststellen will: wir wollen nicht eine ernste Pflicht jeder einzelnen Burschenschaft durch absonderliche und wahrscheinlich doch unzweckmäßige Allgemeinbestimmungen ins Lächerliche ziehen lassen." Trotz des Rassenantisemitismus will man also die jüdischen „Alten Herren", die wir übrigens um ihre lieben Bundesbrüder nicht beneiden, nicht entfernen! Aus Takt!! Als ob man sich um diesen.Takt — man denke an das „jüdische oder farbige Weib" — sonst gekümmert hätte! Vielleicht liegen für diesen auffälligen Widerspruch doch noch andere Gründe vor, über die man Nachdenken mag. Auch per A. D. B. macht krampfhaft in Judenhaß und seine neue Zeitschrift „Burschenschastliche Wege" beginnt mit folgenden Sätzen: . „Aus demselben Grunde blieb der A. D. B., als gegen Ende der achtziger Jahre infolge der Stöckerschen Bewegung die Welle des Antisemitismus auch die Studentenschaft erfaßte, im Gegensatz zu den alten Burschenschaften, die zum großen Teil ihre jüdischen Mitglieder ausschlossen, seinen jüdischen Bundesbrüdern treu. Da man von Anfang an Mische Studierende nur dann ausgenommen hatte, wenn sie sich voll und ganz auf den Boden des Deutschtums stellten und ihre Zugehörigkeit zum Judentum lediglich als eine konfessionelle betrachteten, so war die Zahl der jüdischen Mitglieder ohnehin niemals eine große gewesen. Und für den A. D. B. lag daher um so weniger eine Veranlassung vor, den Spuren des damaligen D. C. zu folgen. Die Erfahrungen der Revolution, die unter ihren Führern ein Vorwiegen des radikal-jüdischen undeutschen Elements brachte, haben dann in diesen Tagen auch dem A.D.B. die Beibehaltung seines freiheitlichen Toleranzstandpunktes zur Unmöglichkeit gemacht. Diejenigen Bundesbrüder, die die Segnungen Mischer Kommunistenherrschaft am eigenen Leibe erfahren haben (wie zum Beispiel in München), sind hierdurch mit Gewalt zu Antisemiten, gemacht wocken. Um nun den drohenden Streit Mer die Judenfrage wenigstens in den eigenen Reihen auszuschallen, stellte sich der außerordentliche Bundestag vom Oktober 1919 auf den Stundpunkt, von nun an von einer weiteren Aufnahme Mischer Studierender Mzusehen. Der Bundestag betonte hierbei, daß er für sich jede antisemitische Betätigung verwerfe und nach wie vor seine Aufgabe darin sehe, mitzuarbeiten an der Zusammenfassung der Studentenschaft zur gemeinsamen Arbeit für das Deutsche Vaterland, hinweg Mer Me politischen, religiösen und Abstammungsunterschiede." Diese Zellen Ähren nun, und das ist das Erschütternde, von Dr. Konrad Küster her! „Radikaljüdisches,un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.