KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 99 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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politischen. Tageskampf gehöre. Wenn eine solche Mahnung an die Jünger der Wissenschaft in bezug auf Wissenschaftliche Dinge gerichtet werden muH (der Arbeiter ist zu einseitig, um in s eiüe.m Fache dies nicht zu erkennen), so ist es erklärlich, wenn wir uns augenblicklich von einer von Mischer Seite ausgehenden sachlichen Behandlung politischer Dinge nicht viel versprechen. Es kommen aber noch wichtigere Bedenken hinzu und diese sind vor allem, daß der Studentenausschuß sich mit Mischen Dingen doch relativ wenig befaßt, daß auch der Antisemitismus in den Studentenausschüssen nicht diese hervorragende Bedeutung hat, überhaupt weniger Gelegenheit hochzukommen finden wird, da die augenblicklich brennenden Fragen wie Hochschulreform, Linderung der wirtschaftlichen Not (ausgenommen: die Verfassung der Studentenschaft) weniger leicht dazu hinführen. Mit anderen" Worten: eine Partei, welche lediglichdie Bekämpfung des Antisemitismus und die Vertretung rein Mischer Interessen auf ihre Fahnen geschrieben hat, hat kein genügendes Programm für den Asta. Es fragt sich, auch, ob eine Partei, die unter wesentlich anderen Gesichtspunkten sich zusammengeschlossen hat, überhaupt in der Lage ist, ein solches Programm aufzustellen und ob ihr ein solches als ein nicht organisches, sondern gemachtes, nicht sehr schlecht zu Gesicht stehen würde. Aber selbst, wenn man diese Möglichkeit zugibt, so würde dasselbe ohne "Zweifel sehr viel mit dem anderer nahestehender Hochschulparteien gemeinsam haben und zwar würde das Gemeinsame hier das Wichtigste und Bäreutendste sein, so daß nicht einzusehen wäre, warum so viel politische Parallelaktionen getrennt nebeneinander einhergehen sollten. Diese Kräfte, die jetzt getrennt marschieren, rufen nach Verbindung. Diese Verbindung wird und muß zustande kommen unter Überwindung partikularistischerund egoistischer Einzelinteressen. Eine freie deutsche Hochschulpartei muß zustande kommen. Die Kräfte,' die schon heute hinter einer solchen stehen, sind gar nicht unbeträchtlich, aber alle die gar nicht zu unterschätzenden Vortelle einer größerer) Fraktion, wie das geschlossene, zielbewußte taktische Vorgehen und die übrigen schon aus obigem sich ergebenden, sind letzten Endes nicht die wichtigsten. Das Wichstigste würde die Idee dieser neuen Hochschulpartei sein, die Idee der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Wissenschaft. Nur eine solche Partei, welche durch die Allgemeinheit ihrer Ideale eine breite Basis abgeben und eine große Anziehungskraft ausüben kann, wird in der Lage sein, auf der Hochschule eine Besserung der Verhältnisse herbeizuführen. An dieser Aufgabe mitzuwirken, wird auch Sache des K. C. sein urrd er wird berufen sein, bei der Umwandlung der Studentenausschüsse aus Ständeversammlungen kleinlicher enger Interessen in ein Parlament mit von größeren Zielen getragenen Parteien. v Zu diesen Neubildungen machen sich bereits die Kräfte bemerkbar. In München fand im letzten Semester ein nur provisorischer Zusammenschluß statt. Wie eine solche Zusammenfassung erfolgen kann, wird immer nur angesichts der konkreten Situation gesagt werden köünen, sie wird taktisch in den einzelnen Fällen verschieden sein können. Doch wirdwohl allgemein zutreffend sein, daß einegewisse Selbständigkeit des K.C. bezw. der K.C.-Partei wird bewahrt werden müssen, mm nicht durch Änderungen der taktischen Konstellation unter die Räder zu kommen. Ein Irrtum wäre es ab'er meines Erachtens, zu glauben, daß Körporationsinteressen einem Vorgehen in der geschilderten Weise entgegenstehen würden, denn an ein Zusammenarbeiten mU anderen, vor allem schlagenden Korporationsverhänden ist in iwsehbarer Zeit nicht zu denken. Die Politik, die der K. C. als Korporationsverband bisher getrieben hat, hat aber meines Erachtens mit der Frage hochschulpolitischen Zusammenschlusses wenig gemeinsame Berührungspunkte; sie' bewegt sich, wie ich gezeigt zu haben glcmbe, auf wesentlich anderem Gübieurä kann, davon nur wenig beeinflußt, nach wie vor aust geu6t werden. Ich gebe allerdings zu, daß sich an kleineren Universitätsstädten die Situation wieder etwas ° anders darstellen dürfte. Wie denn überhaupt, womit ich meine Ausführungen schließe, die hier wiedergegebenen Gedanken keinen Anspruch auf unbedingte Allgemeingültigkeit machen wollen; da sie vielfach unter rein örtlichem. Aspekte entstanden sind und über die Verhältnisse andererorts nicht immer ein klares Bild zu erlangen war. Immerhin weisen die Verhältnisse an den deutschen Hochschulen eine weitgehende Ähnlichkeit miteinander auf, womit diese Veröffentlichung gerechtfertigt erscheint, deren Zweck vor allem ist, die Hochschulpolitik des K.C. zu einer planmäßigen zu gestalten und wozu sie ein Versuch ist, dem bald andere Nachfolgen mögen. Umsckau. Bon der Burschenschaft. Als die Rundschau des vorigen Heftes geschrieben wurde, lagen, die Beschlüsse der letzten Eisenacher Tagung im Wort- ' laut noch nicht vor. Sie weisen nun noch eine kleine Überraschung auf, denn sie enthalten folgenden Zusatz: „Der Burschentag verpflichtet die einzelnen Burschenschaften, ihre Mit-' glieder so zu erziehen, daß eine Heirat mit. einem jüdischen oder farbigen Weib ausgeschlossen ist, oder daß bei solcher Heirat der Betreffende ausscheidet." Es ist bisher nicht bekannt geworden, daß Burschenschafter die Neigung zu Hieraten mit Negerinnen gehabt hätten. Die Zusammenstellung von Negern mit Juden entspringt daher nur den Instinkten eines sadistisch anmutenden Hasses, der lediglich beschimpfen will. Diese geraden unglaublich widerliche Leistung zu kommentieren,^ ist überflüssig. Kopfschüttelnd hüben ihn weite Teile der Studentenschaft und der deutschen Akademiker gelesen und selbst solche haben ihn bedauert, die an sich judenfeindlich sein mögen. Zudem alten Ruhm, um den die deutsche Burschenschaft sich stückweise bringt, gehört auch Ritterlichkeit! Gegenüber diesem aufkreischenden Fanatismus der Jungen wird, auch die Besonnenheit (oder, die Scham?) einiger unter den Alten wenig ausrichten. - Es ging allerdings folgende Notiz durch die Zeitungen: „Bursch ensch af t und 'Antis emitismus. Wie wir hören, haben sich der Protestbewegung gegen die antisemitischen Beschlüsse des letzten Eisenacher Burschenschaftstages über Erwartung viele alte Herren der Burschenschaft, vor allem auch Universitätsprofessoren wie Natorp, Orth und Wllbrand angeschlossen. Zur Zeit wird von den führenden Persönlichkeiten dieser Bewegung eine Protesterklärung entworfen, die sich gegen die unburschenschaftliche Natur jener Beschlüsse wenden und die Burschenschaft zur Besinnung aufrufen soll." Dazu hatte neben dem in drst vorigen Nummer erwähnten vr. Wehberg, der sich in das „Berliner Tageblatt" geflüchtet hatte, auch.Prof. Eickhoff Stellung genommen. Er schreibt '(im roten Tag vom 30. September) ü. a.: „Bei solchen Vorkommnissen wird man es verstehen, wenn ein alter Burschenschafter, wie der Schreiber dieser Zeilen sich mit Stolz nennt, laut seine warnende Stimme erhebt und die Jugend mohnt, den Irrweg zu verlassen, auf dem sie sich befindet urrd der am letzten Ende der burschenschaftlichen Sache nur unhellvollen Schaden zufügen kann. Und so gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß die Eisenacher Beschlüsse, wieder Versailler Gewaltfriede, demnächst revidiert werden, damit der Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft „Ehre, Freiheit, Vaterland" wieder in seinem