KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 97 (sequence 7)
- Language
- German
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Diele und nicht gerade die schlechtesten unter ihnen in die Arme der Opposition. So hatte eben auch Deutschland die Juden, die es verdiente. — Daß die früher herrschenden Schichten sich mit der Einbuße an politischer Macht nicht ohne weiteres zufrieden geben wurden, war ohne Weiteres klar und so setzte denn der Kampf mit aller Kraft und mit allen, auch den unschönsten Mitteln, ein. Zu diesen gehörte vor allem auch die antisemitische Propaganda, die schon insofern politisch verständnislos vorging, als sie sich blindlings gegen die Gesamtheit der deutschen Juden wandte, während in Wirklichkeit doch nur ein kleinerer Teil ihr politischer Gegner war, die übrigen in ihren Interessen aber unstreitig mehr mit dem bisherigen System als etwa mit einem kommunistischen verknüpft waren und nur durch die gehässige Propaganda dieser Bewegung ferngehalten wurden. (Man beachte die Schritte, die von führenden Männern der jüdischen Gemeinde Münchens während der Revolutions- und Rätewirren getan wurden, um die damaligen Machthaber von ihrem Beginnen abzuhälten.) AE nun die im Juni stattgefundenen Wahlen eine starke Verschiebung der Machtsphären zugunsten der Reaktion mit sich brachten, da Müßte logischerweise auch der Antisemitismus abflauen, der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan, der Mohr konnte gehen. Bis zum nächsten Male! Und so war es auch klar, daß der Anttsemitismus gerade an der Hochschule besonders ins Kraut schießen mußte, denn hier war ja die Sammelstätte d er polittschUnzufriedenen Die Angehörigen der „alma mater" waren ja fast alles Leute, die mit dem, Bestände des alten Systems auf das innigste verknüpft tvaren; die Söhne der Offiziers-, und Beamtenfamllien, die Söhne der wittschaftlich gut und sehr gut Situierten, dazu die vielen entlassenen Offiziere, die plötzlich aus einer mit Freude und Stolz ergriffenen Laufbahn herausgerissen worden waren und mm zum Steil noch in reiferen Jahren umlernen mußten. Bedenkt man noch die Not der Zeit, die ungeheuere Teuerung, die gerade die Festbesoldeten (Beamten!) am meisten treffen mußte, bedenkt man die moralische Depression, in die die Studentenschaft durch das unglückliche Ende des Krieges geraten war, sie, die vor allen anderen mit unvergleichlichem Opfermut Blut und Leben dem Vaterlande geopfert hatte, so wird es erklärlich, daß eine Bewegung wie die antisemitische, die Unklarheit und Verwirrung als Nährboden brauchte, so auf der Hochschule um sich greifen konnte.. Wenn wir nun daran gehen, die Mittel zu untersuchen^ die uns in unserem Kampfe gegen den Antisemitismus auf den deutschen Hochschulen zur Verfügung stehen, so werden wir von vornherein mit einer gewissen Resignation rechnen müssen, denn wir wie sehen, sind die Hauptfaktoren nicht in unserer Hand. Die Stärke der anttsemittschen Bewegung auch an den Universitäten wird in eister Linie davon abhängen, inwieweit es den politisch unzufriedenen Schichten gelingt, ihre Ziele in die Realität umzusetzen, bezw. ihre. Zielsetzung den gegebenen Verhältnissen anzupassen. Und letztlich auch von der Besserung der wirtschaftlichen und politischen Lage unseres Vaterlandes. Daran mitzuwirken ist uns aber nur in einem bescheidenen Ausmaße vergönnt. Wenn wir nun beginnen, die Mittel zu beleuchten, die. uns in unserem Kampfe gegen den Anttsemitismus an den deutschen Hochschulen zur Verfügung stehen, so wird es von Interesse sein, zunächst einmal zu betrachten, in welcher Weise in den früheren Jahren der Kampf auf Seiten des K. C. geführt wurde. Als in den 80 er, 90 er Jahren der Antisemitismus an den Hochschulen seine Triumphe feiette, war die Hauptmasse der Studentenschaft in den Korporationen vereinigt. Nur der Korporationsstudentundhier wiederum nur der farbentragende, schlagende war vollberechtigt, die anderen waren, wenn auch formell gleichberechtigt, faktisch minderen Rechtes. Die heute so vielfach umworbene Finkenschaft war damals von oben herab angesehen und wenig beachtet. Sie war kein Machtfaktor. Aus diesen Nöten heraus entwickelte sich ja auch die „Freie Studentenschaft". Wenn jüdische Studenten , sich damals zum Kampf um ihre Gleichberechttgung zusammenschlossen, so war die Form der Korporation für sie die einzig mögliche und denkbare. Nur in dieser Form vermochten sie ihren Gegnern entgegenzutreten; nur die Korporatton gab die Möglichkeit, den Kampf mit den auf der Hochschule üblichen Formen auszufechten, .nur hier hatten sie Waffenübung und Waffenschutz. Rur die Kor- - poration gab die Möglichkeit des repräsentativen Verkehrs mit den akademischen Behörden und des repräsentativen Aufttetens nach außen. Nur die Korporation gab die Möglichkeit psychologischer Einwirkung auf den anders- . gläubigen Teil der Studentenschaft. Diese Einwirkung erstreckte sich vor allem darauf, bei den Gegnern wenigstens ein Gefühl der Achtung zu erwecken. Hie^u diente das Auftteten in Couleur, ein Symbol, des sich als Juden und doch (für die Antisemiten!) gleichwerttgen Menschen Bekennens. Selbst gewisse Äußerlichkeiten, wie die.Auswahl eines körperlich gut Leanlagten Menschenmatettals, sorgfältige Kleidung, waren hierzu dienlich. Auch der Beweis derFechtschneidigkeit, einer in studenttschen Kreisen hochgeschätzten Tugend, war zu erbttngen; auch diesen Beweis, hat der K.C. zu vollbringen vermocht, hiermit auf den anständigen und tttterlich denkenden Teil der Studentenschaft in dem angegebenen Sinne wirkend, auf die pöbelhaften Elemente, feige wie jeder Pöbel, abschreckend^ Seitdem haben sich die Verhältnisse wesentlich geändert. Und zwar schon in den letzten Jahren vor dem Kttege, ganz besonders aber seit der Revolution. Die inkorpotterte Studentenschaft ist nicht mehr in dem gleichen Maße unbeschränkte Herttn der Hochschule, wenngleich sie sich immer noch den bedeutendsten Einfluß zu sichern gewußt hat. Die Finkenschaft hat dagegen ihre Stellung bedeutend verstärkt und dürfte der Zahl nach wohl schon bedeutend größer sein als die Korporationen. Dies tritt vor allem an. den großen Universitäten zutage. Der beste . Beleg hierfür ist die Einttchtung des„AllgemeinenStudentenausschusses" an den Hochschulen, denn dies war keineswegs, ein Wunsch der Gesamtstudentenschast, sondern vielmchr die langjährig erhobene Forderung der Nichttnkorpottetten. Der Korporationsstudent empfand weniger das Bedürfnis,, denn er hatte ja schon die Möglichkeit repräsentativer Vertretung, eine solche hatte aber der „Wilde" nicht. Die Politisierung der Studentenschaft gttff tatsächlich und rechtlich durch; rechttich insofern, als das Verbot der Bereinigung zu polittschen Verbänden aufgehoben wurde, so wenigstens an den bayerischen Hochschulen. Tatsächlich, als die Politik wie nie zuvor im Mittelpuntte des Interesses der Studentenschaft stand, die Bildung größerer studentischer Bereinigungen erfolgte, welche politische Wirkungen erstrebten. Ich erinnere nur an die Studenttschen Ortsgruppen der Baterlandspatteien, des Schutz- und Trutzbundes, demokrattschen Studentenklubs, Bereini-.. gungen sozialistischer Studenten u.a. Dagegen erwiesen' sich bei den Wahlen zum allgemenen Studentenausschuß die alten Organisationsformen als fester und sie waren es daher auch, welche anfänglich den Grundstock für die „Parteien" des Asta bildeten. Der Studentenausschuß hatte daher und hat in der Hauptsache auch heute noch das Gepräge einer mittelalterlichen Ständeversammlung * und nicht eines neuzeitlichen Parlamentes. Dies brachte; ohne Zweifel eine gewisse Arbeitserschwerung mtt sich, denn die Gruppen des Asta hatten zunächst kein eigentliches Hochschulprogramm. Es waren zumeist unter gartz anderen Gesichtspunkten zustande gekommene Jnteressenverbände, dem Gesichtspunkt der. Geselligkeit und Kameradschaft, Pflege religiöser Interessen. 8mch die patteipolitischen Organisationen hatten kein ausgesprochenes Hoch- ' schulprogramm. Einzig wohl die „Freie Studentenschaft"/ bereits durch ihre Gründung an Hochschulinteressen otten-,