KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 96 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2268830-2268925-2268929--2590-2271757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fiouleurftuöenten und Judentum« Bon Alfred Levi (Rhen.-Sil.). . , Seit der Revolution mehren sich die Angriffe gegen die farbentra^enden Studenten. Arbeiterkreise und hyperdemokratrsch gesinnte bürgerliche Parteigänger futb die hauptsächlichen Vertreter der Forderung nach Beseitigung des Couleurstudententums. Erbärmliche Auswüchse der so beliebten Gleichmacherei. Gegen sie wendet sich mit beherzigenswerten Worten in der allgemeinen Rundschau Pater Ehrhard Schlund in einem Artikel „Couleurstudenten und Katholizismus". „Die Farben kräftigen! Der Farbstudent weiß, wenn er die Farben nimmt, daß er damit die Pflicht auf sich ladet, seine (katholische) Überzeugung jederzeit öffentlich zu bekennen . . . Die Farben zwingen ihn hinaus in die Öffentlichkeit. Er muß .mittun, wenn es sich um katholische Veranstaltungen handelt. Denn er zeigt ja auch sonst durch seine Farbe, daß er katholisch ist. Da erwartet Man von ihm Bekenntnis und Tat und Leben .... Die Farben begeistern! Man untertätze nicht den Einfluß der Farben auf . den jungen ulus. In vielen jungen Köpfen leben halt doch trotz der Not der Zeit noch die alten Scheff'elschen Bilder vom Studentenleben fort." Vortrefflich schildert de? Verfasser dann den festen Zusammenhalt, den das farbige Band schafft. Unter den Studenten, vom jüngsten Fuchsen bis zu den in Amt und Würden befindlichen Alten heran. Es umschlingt sie alle unzerreißbar fürs ganze LÄen und schmieret sie zusammen auf Gedeih und Verderb! Im persönlichen, öffentlichen und religiösen Leben,- allüberall löst das durch die Farben mächtig gestärkte Bewußtsein der Zusammengehörigkeit Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftssinn aus. Wie segenstreich muß dieses im engen Kreis der akademischen Führer erhaltene und gepflegte Gefühl der gesamten Soßen Gemeinschaft zugute kommen! Nicht allein am iertisch, nicht durch gänzlich unberechtigten Standesdünkel gegen die nichtakademische Welt, muß sich dieser -Korpsgeist im besten Sinne des Wortes zeigen, nein draußen, auf der Wahlstatt geistigen Ringens in Politik und Religion. Und was bereitet ihn mehr vor, den Korpsgeist, was leistet für diesen Boden allen erfolgreichen Wirkens wertvollere Kultivierungsarbeit als die Couleur. Visier herunter, ihr Gegner der Couleur in unseren eigenen Reihen! Bekennermut! Ist es nicht Scheu, nicht uneingestandener Mangel an, Persönlichkeit, die euch zu Feinden der Farben macht! Kennt ihr die geradezu fundamentale Bedeutung der Couleur für die Selbsterziehung zur Persönlichkeit und damit den Schmied der besten Abwehrwaffe in unserem harten Kampf! Was soll es der Reden über Ursache, Ziel und Bekämpfung des Judenhasses? Was soll das törichte Geschwätz vom Gegensatz zwischen Komment und Tendenz? Warum antwortet ihr nicht jener hyperdemokratischen Philisterschaft mit ihren höhnenden Reden über unseren Mangel an Positiven, emer Philisterschast, der das Allerpositivste, die Abwehr durch die überzeugende Macht der Persömichkeit, oft fehlt! Was schielt ihr nach unseren gefährlichen Gegnern, den Zionisten, anstatt sie durchs euer Auftreten sachlich — und nicht gesälschastlich und persönlich, wie sie es selbst so gerne tun — mit jener äußersten Schärfe -zu. bekämpfen, wie es Eugen Fuchs in seinem - Buche „Um Deutschtum und Judentum" euch trefflich weist. Ich will vollends schweigen von kindischen Anschauungen über gesellschaftliche und andere Dinge, die man als Ausfluß des Mangels an wirklich gesellschaftlichem Takt und weitem Gesichtskreis zuweilen* hört. Wie heißt das Heilmittel gegen Zweiflertum, gegen Reformierungssucht,' wie das Gegengift gegen Jndiffe-- rentismus (alte Herren!) gegen unreife, positive Gefühlswerte, zersetzende polmsche und irreligiöse - Anschauungen (sogen. . „Weltanschauungen, in Wirklichkeit „Jch"anschauuttgen, d. h. Verstümmelungen jener großen Geistesrichtungen durch unverdaute, unabgeklärte Jngendmeinungen). Es heißt: Erziehung zur Persönlichkeit durch die Couleur und Echaltung und Pflege des dieser Couleurerziehung entspringenden Korpsgeistes. Dieser Korpsgeist, sich offenbarend durch festen Zusammenhalt nach innen, überzeugungsmutiges, selbstbewußtes Auftreten nach außen, der vertreten wird durch eine freie, gereifte Persönlichkeit, er ist die beste, die einzige Verwirklichung unserer Tendenz, des Tenoenzparagraphen. Wer wagt es, eine Organisation zu tadeln, die eine Tendenz hat, die nur durch solche Erziehungsarbeit in die Tat umgesetzt werden kann! Welcher Judenhaß kann die. Persönlichkeit vernichten? Brauchen wir noch als Ziele unseres Wollens Politik und Religion im K. C.? Wer verlangt nach ihnen? Nein, wir bilden Persönlichkeiten! Das heißt studentisch gesprochen: Wir haben und behalten unsere Farben! ßod>f<bulpolitifc des R. C. Bon Eugen Schmidt-München (Lie.). Der K. C. hat sich als seine Aufgabe gesetzt: die Bekämpfung des Antisemitismus auf den deutschen Hochschulen. Jeder erfolgreich geführte Kampf hat zur Voraussetzung die genaue.Kenntnis der Eigenart des Kampfobjektes, in unserem Falle also die genaue Kenntnis von der Eigenart des Antisemitismus, insbesondere von dessen Ursachen. Nun sind zwar die Ursachen des Antisemitismus ein Untersuchungsgegenstand, der selbst mit dem Zeit- und Müheaufwand einer Doktordissertätion nur ungenügend gefördert werden konnte, jedoch ist der zurzeit auftretende Antisemitismus von einer so spezifischen Eigenart, daß es hier leichter fällt, in die Triebkräfte der Bewegung hineinzusehen. Wenn ich bloß daran erinnere, wie überaus .stark der Antisemitismus sich in der Wahlagitation breit machte, wie sehr er nach Beendigung der Wahl und nach dem von den Rechtsparteien errungenen Erfolge abebbte, wenn ich ferner darauf Hinweise, wie sehr der Antisemitismus auf den Hochschulen gedeiht (siche weiter unten), so wird es klar, daß die treibenden Kräfte dieser Bewegung politische sind. Durch die Revolution war in den MachtverhAtnissen innerhalb des Staates eine gewaltige Änderung eingetreten. Die Fürsten waren gestürzt, das Offizierskorps seiner Kommandogewalt, die Beamten ihres Anschens beraubt, die herrschende Schicht von gestern, durch den verlorenen Krieg in ihrem Prestige geschmälert, war damit zunächst auf die Seite gedrängt Die Unterdrückten von gestern kamen nun in den Besitz der höchsten Gewalt, das Proletariat ergriff die Ruder des Staates. Daß unter den Führern des Proletariats sich relativ viele Juden befanden (wenngleich deren Einfluß teils Überschätzt, teils absichtlich Übertrieben wird) ist hinreichend bekannt. Bis zu einem gewissen Grade gehörten die Juden eben auch zu den Unterdrückten von gestern, genossen sie auch wirtschaftliche Freiheit, so daß sie sich eine sichere wirtschaflliche Position schaffen konnten und in dieser Hinsicht keinen Grund hatten, revolutionär zu sein, so wären ihnen doch viele Betätigungsmöglichkeiten versperrt und die ständig latent wückende soziale Minderachtung trieb