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KC-Blätter · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 95 (sequence 5)
Language
German
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irrig eines Dinges. Im Geistigen wird offenbar, daß es nicht darauf ankommt, was man betrachtet, sondern wie 'man betrachtet, und daß es nicht darauf ankommt, was man tut, sondern wie riran tut. ._ ' . - Die Tat ist sie selbstverständliche Form, in der der Geist sinnfällige Erscheinung wird. Siedarf nie erzwungen kommen, hervorgepreßt mit der. Anstrengung eines, der das gelobte Land nicht betreten darf (weil er nicht kann) aber mit aller Gewalt betreten will. Geistige Tat iststets künstlerische Tat; jedoch braucht sie nicht notwendig in der Schöpfung eines Kunstwerkes zu bestehen. Bor allem'ist es das eigene Leben, das geeignetes Objekt für die gestaltende Tätigkeit des Geistes ist. Hier heißt es, mit, der selbstverständlichen Hingabe zu leben, die dem Geiste eigentümlich ist, und.den inneren Kräften ungehindertes Wachstum zu gewähren.. Hierzu aber gehört eine Eigenschaft, die undefinierbar, von Fall zu Fall sich selbst bestimmt: der Takt. Um ein Zuviel, das Pathos, und ein Zuwenig, die Steifheit oder Albernheit, zu vermeiden, ist eine .straffe Selbstbegrenzung notwendig. Allesselbständige Handeln beruht auf dieser Begrenzung. Sie wird durch! ein Gefühl vermittelt, das sich immer beim Geistigen meldet, solange nicht die falsche Anwendung des Verstandes es wirkungslos macht. Dieses Gefühl ist eben der Takt. Keine künstlerische, keine wissenschaftliche und keine Leistung des Lebens kommt ohne ihn aus. Alle moralischen Gesetze, alle Sitten sind ursprünglich aus ihm abgeleitet, wurden erstallmählich zur starren Regel, und das heutige Geschlecht kennt vielfach nicht mehr ihren Sinn, dein besser gedient wäre, wenn der Einzelne sich mehr auf sein Gefühl als auf die Vorschrift verließe. Das ist das Widerwärtige an der Ausübung heutiger Sitte,, daß die Satzung für die Sache selbst genommen wird. Satzung ist wertvolle Hilfe für ,den, der mit feinem. Gefühl abwägen kann, wo sie am Plätze ist. Aber sie wird zum plumpen, abschreckenden Unding in der Hand dessen, der blind auf ihr Wort baut, und ihr nicht durch sein Taktgefühl die Innerlichkeit gibt, die sie ursprünglich besitzt. Hier ist der Punkt, wo die vorliegenden Betrachtungen für unseren Verband.nutzbar werden. Der Weg zur Geistigkeit führt nicht durch einseitiges Tendenzlertum. Ich setzte schon auseinander, daß Kopfarbeit ebenso geistlos sein kann wie körperliche Arbeit. Es kommt darauf. an," den Stoff zu durchdringen und zu erleben, ihn im ganzen Wesen zu verankern. Das kann jedoch nur. derjenige, der die Fähigkeit dazu schon besitzt. Man sollte deshalb nicht zu laut nach der Vergeistigung und nach der Vertiefung rufen, weil man sich' dadurch zu sehv der Gefahr aussetzt, sich zu kompromittieren. Wer den Trieb in sich , fühlt nach' Erkenntnis, der wird ihn ausleberh weil dieser Trieb stark und zwingend ist. Ganz von selbst wird ihm die Frucht des Wissens reifen > Er braucht sie nicht von außen zu holen; denn in. ihm selbst lebt der mächtige Drang nach Wachs-, turä. Das Beste erringt jeder für sich allein, wenn es einsam und still um ihn ist. — Wer - diesen Trieb aber nicht hat, dem wird alles Rufen nach Vollendung nichts helfen. Von außen wird ihm nichts heraygebracht. Jeder ist in seine eigene Welt gestellt, und was in ihr sich bildet« ist ihm allein fruchtbar. Alles Erleberi bedeutet nur Anregung, und nur Erleben ist Anregung. Durch diese Negierung des bloßen Tendenzlertums soll nicht dem bloßen Kommentwesen das Wort geredet werdend Beides gehe mit der Selbstverständlichkeit früherer Zeiten nebeneinander her und durchdringe einander. Wir wollen nicht lange fragen nach dem Besser oder Schlechter^ Diese ,Form, in vre wir hineingestellt sind und die wir als eine solche erkannt haben, der wir ganz leben können, soll von uns auch ganz und mit Hingabe gelebt werden; denn wir wissen, daß es darauf ankommt,' wie wir ihr gerecht werden. In ihr werde der Geist der Hingabe und des Taktes lebendig. Der. Kommentier muß sich bewußt werden, daß der. Komment nur ein dürftiges Extrakt des Taktes ist, dev den Verkehr zwischen den Menschen regelt. Ihm allein'zu trauen, nur auf das kalte Wort zu schwören, wäre Torheit. Der rechte Kommentier muß ein feines Gefühl für das rechte Verhalten haben. Die Vorschrift ist Hilfe, nicht mehr. Es gibt Lagen;, wo ihn alles, was an Satzungen besteht« in Stich läßt und wo ep ratlos ist, wenn, er nicht den Blick hat für das Menschliche und die Kraft, nach seiner Einsicht zu handeln. So tätig und wach, wird ihm das Leben zu schöner Aufgabe. Der Jugend aber soll in unserem Verbände das Recht bleiben, ihr Leben mit dem selbstverständlichen freudigen Mute zu führen, der ein Zeichen innerer Kraft ist. Diese innere Kraftbegrenzt sich von selbst; denn sie ist nie ohne Takt. Sie sucht im Komment das stoische Gegengewicht gegen den überwuchernden L^ensdrang. Aber^ der feine, ästhetische Genuß im Sinne Epikurs verbinde sich dem stoischen Gleichmut. Dann findet man, daß Jungsein und Studentsein heißt, aus vollem Herzen seines Daseins Schönheit auszuschöpfen, und kein Tag>' der so gelebt ward, wird ein verlorener sein. Jugend ist« wo freudiges, tätiges Leben herrscht. Und aus diesem Quell entspringt die Kraft und Stärke des ganzen Mannes. \ i ■ r

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