KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 82 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2268830-2268925-2268928--2573-2271739- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der „Nährarmee" imb die Zeitersparnis durch fortschreitende Arbeitsmechanisierung, wobei die gewonnene Zeit nicht zur Vergrößerung der Produktion Verwendung sirwet. Sehr interessante Dinge! Aber ihre Verbindung mit dem Zionismus ist durchaus unsicher, sofern der Titel des Buches mehr als des Verfassers individuelles Wollen zum Ausdruck bringen soll. A«S dem Spmchvor« der Weife«. Spruchpoesie des Talmud und der rabbinischen Literatur nebst Fabeln, Parabeln und Sagen. (Neue Folge der „Ewigen Weisheit".) Poetisch übertragen von Max W ei nb e r g. 1920. Philo-Verlag, Berlin SW. 68. — In vielen Tausenden von Exemplaren ist daS Buch „Ewige Weisheit" verbreitet, in.welchem Weinberg der großen Welt den ganzen Reichtum jüdischen 'Geistes und Gemütes offenbarte. Und wenn jetzt .der Philoverlag in einer vollendeten Ausstattung des 'Werkes zweite Folge herausgegeben hat, so sei ihm gewünscht, daß sie von allen Seiten ebenso begeistertes Lob einheimse wie einst der erste Teil, der von Juden und Christen aller Stände und Schichten mit Anerkennung geradezu überhäuft worden ist. Weinberg hat für viele Hunderte von Sprüchen und anderen Stoffen aus der talmudischen Literatur eine äußerst glückliche gereimte Form gefunden, und im Kampfe gegen den Antisemitismus wird diese Schatzkammer der Liebe, der Treue, der Güte und des gesunden Menschenverstandes weit besser für unser Judentum zeugen als manche umfangreiche Abwehrschrift. Das Buch, das sich in seiner tadellosen Ausstattung vorzüglich als Geschenkwerk eignet, kann jedem Kartellbruder nur angelegentlich zur Anschaffung und eingehenden Lektüre einpfohlen werden. < Die Lehren des Judentums. Herausgegeben vom Verbarche der deutschen Juden. Erster Teil: Die Grundlagen der jüdischen Ethik. 'Mit Einleitungen von Dr. L. Ba e ck Dr. S. Bernfeld, Prof. Dr. I. Elbogen, Dr. <3. Höchste ld , Dr. A. Loewenthal. Berlin 1920. C. A. Schwetschke u. Sohn, Verlagsbuchhandlung gegr. 1729. — Durch Zitate aus der 'Bibel, den Apokryphen der jüdisch-hellenischen Literatur, dem talmudischen Schrifttum, den jüdischen Schriften des Mittelalters und der Neuzeit, schließlich auch aus christlichen Schriftstellern werden die verschiedenen Gebiete jüdischer Ethik vorzüglich dargestellt. Geistreiche Einleitungen zu den einzelnen Gebieten. erleichtern das Verständnis, reichliche Quellenangaben ermöglichen die Weiterarbeit. Das Buch sollte in keiner jüdischen Bücherei fehlen, es studieren heißt den echten Stolz auf. diO'Judentum in sich mehren und die besten Waffen im Kampfe gegen die antisemitischen Verleumdergewinnen. Sannnh Gronemann, Tohuwabohu. 1920. Welt-Verlag, Berlin. — Gronemann geht der Ruf voraus, daß er ein guter und witziger Satiriker sei. Auch dieser Roman zeigt gute Ansätze: die Schilderung der orthodoxen Überfrömmigkeit, der areligiösen assimilatorischen Rückgratslosigkeü, der Flucht des Getauften vor dem Schein des „Jüdischen", des Geschäftsgeistes des Antisemitismus und mancher anderer Dinge mehr, ist zuweilen glänzend. Leider kommt Gronemann aber über Versuche nicht hinaus: je weiter man in der Lektüre fortschreitet, desto doktrinärer wird der Dialog, der sich schließlich vom Böden jeder Dichtung loslöft und einfach inehr oder weniger gür geratene Leitartikel der „Jüdischen Rundschau" tmedergibt. Der Schluß des Romans ist einfach von tödlicher Langeweile, und man dankt erleichtert dem Verfasser von ganzem 'Herzen, nachoem man sich durch diese Propagandarede für den Zionismus hindurchgearbeitet hat, daß er nicht, wie man befürchten mußte, seinen getauften Helden Heinz Lehnsen schnurstracks als bekehrten Zionisten zum Baseler Kongreß führt, sondern ihm wenigstens vorläufig noch den Unrweg über die Rennen zu Baden- Baden gestattet. So gut der Roinan gedacht und angelegt ist, vom künstlerischen Standpunkt ist er durch die allzudick aufgetragene Tendenz völlig verfehlt. 'Der Verfasser versteht zu. lieben und zu hassen. Ostjudentum und Zionismus erstrahlen im bengalischen Lichte der Reinheit und oer Größe, der Liberalismus aber wird mit jeder Schmähung und Verdächtigung überhäuft, die sich eine bösartige Phantasie ausdenken kann. Es wird zwar den liberalen Rabbinern und dem- Zentralverein herzlich gleichgültig sein, was Gronemann über sie denkt, immerhin sei aber festgestellt, daß wohl kaum jemals zuvor ein Jude über seine jüdischen Brüder in der großen Öffentlichkeit so unsagbar Gehässiges und Beschmutzendes gesagt hat, wie Gronemann über seinen liberalen Rabbiner Dr. Magnus und den „General-Verband mosaischer Untertanen im Deutschen Reiche". Auch im politischen Kampfe — und dieser „Roman" ist in Wahrheit eine politische Streitschrift — darf man die Achtung vor der Überzeugung des Gegners und den Anstand bewahren. Dieses Buch legt man aber aus der Hand mit dem bitteren Nachgeschmack, daß es, mag es auch nicht so gemeint sein, im wesentlichen eine Denunziation der nicht zionistischen deutschen Juden darstellt, die an die Adresse der christlichen Mitbürger gerichtet ist. Heinrich Margulies, Kritik des Zionis- »nus. I. Teil. Volk und Gemeinschaft. 1920. R. Löwit, Verlag Wien und Berlin. — Wenn beide Teile vorliegen, soll eine eingehende Besprechung dieses bedeutenden Werkes erfolgen, das bestimmt, mag man zu seinen Ergebnissen und Forüerungen stehen wie man wolle, geistreich und grundlegend genannt werden muß. Aus Einzelheiten sei später eingegangen: hier sei nur die Hauptthese erwähnt. Margulies verlangt die Säkularisierung des Judentums, die Loslösung von der Diktatur des Geistes und die Einreihung unter die übrigen Völker der Welt. Judentum ist für ihn keine sittliche Forderung, sondern eine Realität. So nähert er sich Klatzkin, ohne mit ihm ganz übereinzustimmen. Daß wir auch Margulies Anschauungen äblehnen, ist klar, leugnet er ja doch jede sittliche und geistige Sonderstellung des Judentums, das er einfach unter die politischen Gebilde einreiht. Hier kämpfen Ewigkeit und Zeit miteinander. Da er aber seine Meinungen gewandt vertritt, überdies zur Kritik des gegenwärtigen Zionismus manches sehr treffende Wort zu sagen weiß, wird auch der Gegner sein Buch mit großem Nutzen lesen. Raphael Seligman«, Probleme des Judentums. 1919. R. Löwit, Verlag, Wien-Berlin. — Seligmanns Buch vereinigt vierzehn Aufsätze, die gewundene Gedankengänge in gewundener Sprache wiedergeben. Die Kraft des Paradoxen herrscht! Der Verfasser ist philosophisch geschult, und er sucht den Dingen auf den Grund zu gehen. Auf ihn läßt sich gewiß das Modewort „tiefschürfend" anwenden. Nur führen die krummen und entlegenen Pfade "leider in die Irre. Kapitel wie „Schopenhauer, der Jude"(!) und „Spinoza und die Wütanschauung des Judentums" vermag man nicht ohne Kopfschütteln zu lesen.